Copilul und Siebenbürgenhilfe: Ein letzter Hilfstransport nach Rumänien

0

Ahrensburg (ve). Seit fast 20 Jahren organisiert die Siebenbürgenhilfe Großhansdorf und der Verein Copilul regelmäßig Hilfstransporte nach Rumänien in die Gemeinde Fogarasch. Heute wurden wieder 18 Tonnen gespendete Kleidung, Wäsche und mehr verladen. Doch es war ein Verladen mit einem lachenden und einem weinenden Auge: Es soll der letzte Transport nach Rumänien sein.

Die letzten Kartons gehen auf die Reise: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stormarner Werkstätten Bad Oldesloe sind auch dieses Jahr wieder die eifrigen Helfer beim Verladen der Spenden.

Die letzten Kartons gehen auf die Reise: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stormarner Werkstätten Bad Oldesloe sind auch dieses Jahr wieder die eifrigen Helfer beim Verladen der Spenden.

“Wir haben lange nach Menschen gesucht, die die Organisation des Transportes übernehmen können”, sagen die Verantwortlichen im Verein Copilul, allen voran der Gründer und langjährige Vorsitzende Achim Keßler-Binder. Aber es wollte sich niemand finden. Nun folgte der Entschluss, die Transporte einzustellen. Mit auch einer guten Nachricht: Die finanzielle Förderung, mit denen in der rumänischen Stadt Kinder- und Familienprojekte unterstützt werden, laufen unverändert fort. “Da erreicht unser Verein ein Volumen von 40.000 Euro Spendengeldern jedes Jahr”, sagt Achim Kessler-Binder stolz.

Dank des Bürgervorstehers und des stellvertretenden Bürgermeisters

Zur Anerkennung der Leistung von 20 Jahren Hilfstransport waren Ahrensburgs Bürgervorsteher Roland Wilde und Großhansdorfs stellvertretender Bürgermeister Jürgen Bauschke heute beim letzten Verladen dabei und würdigten die Leistung von Copilul und der Siebenbürgenhilfe. Sie erfuhren, dass die Bedingungen für Hilfstransporte dieser Art sich gewandelt haben. Für Jürgen Bauschke nicht verwunderlich: “Manches Mal wird die Bedürftigkeit der Menschen in Rumänien von Katastrophen in anderen Regionen der Welt überdeckt, so dass sich die Spendenbereitschaft wandelt.”

Die Akteure des letzten Transportes: Achim Keßler-Binder, Bürgervorsteher Roland Wilde, der Fahrer Szabo-Czibolya Gabor, Stv. Bürgermeister Jürgen Bauschke, Pastor Wolfgang Krüger, Pastor Georg Scheeser und Ehrhardt Wagner (von links).

Die Akteure des letzten Transportes: Achim Keßler-Binder, Bürgervorsteher Roland Wilde, der Fahrer Szabo-Czibolya Gabor, Stv. Bürgermeister Jürgen Bauschke, Pastor Wolfgang Krüger, Pastor Georg Scheeser und Ehrhardt Wagner (von links).

Aber nicht der Wandel der Spendenbereitschaft – Keßler-Binder: “Spenden gibt es reichlich” – , sondern quasi der fehlende Nachwuchs führt nun dazu, dass die Transporte eingestellt werden. Alle Akteure der Hilfstransporte sind heute über 70 Jahre alt. Keßler-Binder: “Der Wechsel an der Vereinsspitze von Copilul im Frühjahr dieses Jahres hat wunderbar funktioniert.” Aber ein neues Team für die Hilfstransporte habe sich nicht gefunden. “Der Kontakt bleibt aber bestehen, wir werden weiterhin mit Autos und privat nach Rumänien fahren, auch der Grundgedanke der Partnerschaft bleibt bestehen”, betont Pastor Wolfgang Krüger von der Kirchengemeinde Großhansdorf Schmalenbeck. Sie unterstützt die Siebenbürgenhilfe und ist regelmäßig der Sammel- und Verladeplatz für die Hilfsgüter gewesen.

Spenden des Gymnasiums am Heimgarten

Was bleibt, sind auch Kontakte und Engagements, die sich über die Jahre aufgebaut haben. So spenden Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums am Heimgarten den Erlös ihres Sponsorenlaufes regelmäßig dem Verein Copilul.

Erinnerungen von Georg Scheeser

Georg Scheeser ist aus Siebenbürgen und hat das Hilfsprojekt ins Leben gerufen. 1969 hat er, damals evangelischer Pfarrer in Siebenbürgen, ein erstes Hilfspaket erhalten: “Es blieb Gott sei Dank nicht bei diesem einen Hilfspaket. Jedes weitere war für uns sehr wichtig – eine Art Überlebenshilfe – und dementsprechend groß unsere Dankbarkeit.” Später in Deutschland war es für ihn selbstverständlich, diese Hilfe über Spenden weiter zu ermöglichen, er gründete die Siebenbürgenhilfe: “1985 mit mehreren Paketsendungen und 1986 schon mit einer ersten bescheidenen Hilfsgüterfahrt mit dem kleinen VW-Bus unserer Großhansdorfer Kirchengemeinde.”

Überhaupt – die Hilfsgüter. Zwei Container standen heute auf dem Parkplatz der Auferstehungskirche in Großhansdorf, ein 40-Tonner gesellte sich dazu. “Die 110 Kubikmeter Ladefläche des Lkws werden nicht reichen”, weiß Achim Keßler-Binder im voraus, “was wir nicht selber transportiern können, bringen wir zu einem befreundeten Verein, der ebenfalls in Fogarasch Projekte unterstützt.” Wie jedes Jahr helfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stormarner Werkstätten aus Bad Oldesloe beim Verladen – und sie verbreiten wie jedes Jahr eine gute Stimmung.

Ein bisschen mehr als nur ein letzter Transport ist es schon am heutigen Tage, so ist es allen Beteiligten anzumerken. Die Organisation aufwändiger Transporte nach Osteuropa in den vergangenen 30 Jahren hat von vielen Menschen viel Einsatz, privaten Verzicht und zu Beginn vor allem auch Mut gefordert, hinter den eisernen Vorhang zu reisen. Das ist heute anders, “aber die Not der Kinder ist immer noch groß”, so Keßler-Binder. Mit dem Helfen können und werden sie daher nicht aufhören.

Aus den Container in den Lastwagen: Siegfried Ulrich und Klaus Jahnke verladen die Hilfsgüter.

Aus den Container in den Lastwagen: Siegfried Ulrich und Klaus Jahnke verladen die Hilfsgüter.

Kaum zu glauben, aber dieser Platz wird nicht reichen. Was nicht in den 40-Tonner passt, wird einem befreundeten Verein mitgegeben.

Kaum zu glauben, aber dieser Platz wird nicht reichen. Was nicht in den 40-Tonner passt, wird einem befreundeten Verein mitgegeben.

Teilen.

Kommentieren