Die Stadt kauft den Speicher am Gutshof zurück: Millionengrab oder Goldesel?

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Ahrensburg (ve). Wird es ein Millionengrab oder ein Goldesel? Die Stadt Ahrensburg kauft den Speicher zurück. Das hat gestern Abend die Stadtverordnetenversammlung gegen die Stimmen der CDU und der FDP beschlossen. Die Liberalen hatten zudem namentliche Abstimmung gefordert.

Der Speicher in Ahrensburg gehört zum Ensemble Schloss Ahrensburg, Marstall und Schlosskirche.

Der Speicher in Ahrensburg gehört zum Ensemble Schloss Ahrensburg, Marstall und Schlosskirche.

Der Speicher am Gutshof hinter dem Ahrensburger Marstall und neben dem Hotel – die anderen Speicher auf der gegenüberliegenden Seite des Ensembles sind an Unternehmen vermietet – ist das letzte historische Gebäude im Ensemble Schloss – Marstall – Schlosskirche, das nicht saniert ist. Das hätte der Eigentümer in den vergangenen 15 Jahren tun können, 2002 kaufte er den Speicher von der Stadt. Doch der Investor, dem auch das benachbarte Hotel gehört, hat eines nicht getan: investiert.

Kaufpreis für den Speicher im Schlossensemble: 570.000 Euro

Der Vertrag mit der Stadt läuft nun Ende des Jahres aus, vereinbart war dort ein Rückkaufrecht. Natürlich gegen Bezahlung, 570.000 Euro soll es kosten, 190.000 Euro davon muss die Stadt finanzieren. Das hat die Stadtverordneten in den Konflikt gebracht, Mittel frei zu geben in einer Zeit, in der Ahrensburg auf einen Fehlbetrag in 2016 von bis zu zehn Millionen Euro blickt. Und gleichzeitig der Verantwortung gerecht zu werden, die historischen Gebäude der Stadt zu erhalten.

WAB entschied sich für den Kauf

„Wir haben die Möglichkeit, den Rückkauf des Speichers über das Städtebauförderungsprogramm zu zwei Drittel zu finanzieren“, schilderte Peter Egan den Grund der Zustimmung für die WAB, „und damit eröffnen sich auch Chancen für private Investitionen“. Die Stimmen der WAB waren bei dieser Abstimmung entscheidend, denn bis wenige Tage vor der Sitzung hatte die Fraktion den Kauf noch abgelehnt. Gespräche auch mit dem Rathaus über das Programm hätten eine Umstimmung bewirkt, hieß es am Rande der Sitzung.

Egan wies zudem auf einen moralischen Faktor hin: „Die Ahrensburger Bürger wünschen sich das. Das haben die Versammlungen zum Förderprogramm gezeigt. Wenn wir jetzt in diesem Punkt nicht an einem Strang ziehen, gerät das ganze Städtebauförderungsprogramm schon am Anfang in eine Schieflage.“

Christian Conring: „Der Kauf ist verantwortungslos, ein potenzielles Millionengrab“

An einen Strang gezogen hat die Stadtverordnetenversammlung jedoch nicht. Die CDU lobte zwar das Projekt, Finanzausschussvorsitzender Christian Conring: „Es ist ein tolles Projekt.“ Doch er fürchte die Folgekosten: „Es ist keine seriöse Finanzplanung, wenn wir uns jetzt eine Investition ans Bein binden, ohne zu wissen, wie groß sie ist und was für Folgekosten entstehen.“ Er nannte den Kauf des Speicher „verantwortungslos“, es sei ein „potenzielles Millionengrab“, das die Schließung von öffentlichen Einrichtungen zur Folge haben könnte. Anne Hengstler ergänzte: „Wir haben da Gebäude damals nicht aus Jux und Dollerei verkauft. Das Gebäude ist bautechnisch nicht mehr tragbar. Auch der Käufer hat schließlich nichts damit gemacht.“

Auch die FDP warnte vor dem Kauf, Fraktionsvorsitzender Thomas Bellizzi: „Inhaltlich ist die Kaufsumme nicht viel, fast vernachlässigbar. Aber es folgen drei bis vier Millionen Euro Instandhaltung plus Betriebskosten. Die Folge davon werden Steuererhöhungen sein.“

Jörg Hansen: „Ahrensburg verliert sein Gesicht“

Für Bündnis 90/Die Grünen jedoch stand wie für die SPD die Historie der Stadt im Vordergrund: „Ahrensburg verliert sein Gesicht, es ist schon so viel abgerissen worden“, betonte Jörg Hansen. „Der Speicher gehört zu dem Schlossensemble, das gilt es zu bewahren.“ Aus finanziellen Gründen habe die Stadt schon viele Gebäude geopfert. Hansen erinnerte an das Torhaus, „heute wurden wir darauf stolz sein“. Den Abriss des Torhauses hatte auch Bürgervorsteher Roland Wilde (CDU) in seinem Grußwort bei der Wiedereröffnung des Schlosses bedauert. Doch während Hansen mit Blick auf das Torhaus für den Erhalt des Speichers stimmte, sprach sich Wilde dagegen aus.

Sarach: „Der Kauf ist bereits finanziert“

Von Seiten der Verwaltung stellt Bürgermeister Sarach im Gespräch mit ahrensburg24.de klar: „Die Finanzmittel für den Kauf des Speichers sind im Haushalt 2015 eingeplant und auch die Fördermittel aus dem Städtebauförderungsprogramm sind bereits da. Der Haushalt 2016 wird mit dem Kauf nicht belastet.“ Dabei geht es um 190.000 Euro für den Kauf und eine Fördersumme von 380.000 Euro. Was mit dem Speicher gemacht wird und wie das finanziert wird, kann jetzt im Rahmen des Städtebauförderungsporgrammes geplant werden.

Bei der Abstimmung sprach sich die SPD, Bündnis 90/Die Grünen und die WAB für den Kauf aus. Die CDU und die FDP stimmte dagegen, Enthaltungen gab es keine.

Berichte auf ahrensburg24.de:

„Der Speicher am Gutshof: Will die Stadt ihn für unter einer Million Euro kaufen?“

Bürgermeisterwahl: Conring und Hansen gemeinsam gegen Sarach

Der Rückkauf des Speichers hatte im Bürgermeisterwahlkampf zu Irritationen geführt. Bürgermeister Michael Sarach hatte während des Wahlkampfes öffentlich über die Chance gesprochen, die der Rückkauf des Gebäudes berge und dabei auf den Vertrag zwischen Stadt und Eigentümer verwiesen. Die beiden Gegenkandidaten Christian Conring (CDU) und Jörg Hansen (Bündnis 90/Die Grünen) hatten Sarach anschließend vorgeworfen, Internas an die Öffentlichkeit zu bringen.

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