Städtebauförderprogramm: Wer es will, muss auch andere überzeugen wollen

Veränderungen machen den meisten Menschen Sorge. Veränderungen in einem Volumen von 21 Millionen Euro, die ihr Eigentum und ihre Existenz betreffen, umso mehr. Das verwundert nicht. Doch damit alleine ist die aufgeheizte Stimmung gestern Abend im Marstall nicht zu erklären.

Ein Gutteil an dem offenen Misstrauen, dass die Bürger dem Prozess der Städtebauförderung entgegen gebracht haben, beruht auf genau dem: ihrem offenen Misstrauen. Das haben sie oft und immer wieder, sei es bei der Schließung des Rondeels vor vielen Jahren oder bei der Sanierung der Großen Straße vor nur wenigen Jahren. Ein Teil dieses Misstrauens kann man selber bekämpfen: man informiert sich. Und es ist traurig, wenn viele Ahrensburger alles erstmal mit der Überzeugung begleiten, sie würden von anderen über den Tisch gezogen – von wem auch immer, aber immer von einem „Gegner“. Im schlimmsten Fall werden daraus nur selbsterfüllende Prophezeiungen und ein Teufelskreis voller Gegner.

Ein Gutteil des Misstrauen beruht aber auf etwas ganz anderem: Das Versagen der Veranstaltung darin, die Menschen in diesem Prozess mitzunehmen. Ja, wir reden seit zwei Jahren über die Städtebauförderung, und ja, es wurde in der Presse und in öffentlichen Sitzungen bekannt gegeben. Aber das reicht nicht, wenn es um das Eigentum geht. Das Interesse der Stadtverwaltung und der Politik, Immobilienbesitzer und Gewerbetreibende positiv in diesen Prozess hinein zu ziehen, muss überbordend – ja, sagen wir doch, es muss ‚heftig‘ sein.

Aber wo war die Stadtverwaltung und die Politik gestern? Die Moderation des Abends überließen sie denen, die das Städtebauförderungsprogramm fachlich begleiten, den Planern. Den Auftragnehmern also. Ein Wunder, dass die sich überhaupt dafür hergeben. Denn sie mussten inhaltlich Stellung nehmen, obwohl sie inhaltlich gar nicht zuständig sind. Nicht zuletzt birgt so etwas die Gefahr, dass die Planer irgendwann das Handtuch werfen.

Auf dem Podium saßen die Mitarbeiter der Stadtverwaltung, die inhaltlich in der Verwaltung für das Programm zuständig sind. Sie sollten nicht die Moderatoren sein, sondern die sachkundigen Fachleute, die zur Aufklärung beitragen.

Die Moderation sollte die Führung der Stadt übernehmen, Bürgermeister oder Bauamtsleiter zum Beispiel. Oder Bürgervorsteher. Und: Wenn etwas zum Arbeitsbereich des Stadtmarketing gehört, dann doch die Werbung für das Städtebauförderungsprogramm nach innen. Wo war die Stadtmarketing-Beauftragte?

Wenn Bürgermeister und Stadtmarketing eine – im Zweifel auch – externe Moderation eingesetzt hätten, die erst einmal Begeisterung für den Prozess des Städtebauförderungsprogramm weckt und das unglaubliche Potenzial sowie natürlich die Wertsteigerung für die Immobilien und vielleicht sogar die Verbesserung des Gewerbepotenzial in der Innenstadt deutlich gemacht hätte, wäre ein Teil des Misstrauens von selber verschwunden. Wenn sie das vielleicht sogar bereits vor einem Jahr gemacht hätten – wäre ein Teil des Misstrauens gar nicht erst entstanden.

So aber ist nicht nur das Misstrauen verschwunden, sondern gewachsen. Das Städtebauförderungsprogramm hatte scheinbar wenig Fürsprecher gestern Abend im Saal. Gegen die Eigentümer und Gewerbetreibenden die Innenstadt aufzuwerten, wird aber ein mühsamer Prozess. Es ist höchste Zeit, die Menschen für diese Programm zu begeistern. Wie heißt es doch in den Zielen: „Die Innenstadtentwicklung wird zur gemeinsamen Aufgabe und fördert die Identifikation.“ Die Verantwortung dafür liegt bei den Menschen, die von dem Programm begeistert sind und es initiiert und beschlossen haben.