Aus gegebenem Anlass: Das Stadtfest war schön – und traurig! Ein Kommentar

Wie traurig ist das denn? Da feiert die Stadt wie selten eine Stadtfest und dann gibt es solche Übergriffe, sexuellen Belästigungen und Diebstähle. „Ein Schatten auf dem Fest“, sagt der Bürgermeister.
Ja, es ist ein Schatten auf einem Stadtfest, das eine wirklich gute Entwicklung genommen hat. Vor geraumer Zeit noch monierten manche Ahrensburger, dass Ahrensburg auf dem Stadtfest gar nicht so richtig vorkommt. Und das sie gar nicht gerne hingehen.

Das hat sich grundlegend gewandelt. Dass viele Vereine, Unternehmen, Kinder und Jugendlichen das Bühnenprogramm gestalten, wird seit einigen Jahren forciert und ist bei Akteuren und im Publikum angekommen und etabliert. Und wie schnell entdeckt man plötzlich seinen Nachbarn oder Nachbarin (dieses aktuell hoch im Kurs stehende Wort sei erlaubt) auf der Bühne bei der Vorführung eines Hobbys und Könnens, von dem man nichts geahnt hat?

Einen richtig guten Schritt ist die Vereinsmeile gegangen. Die Biertische in der Mitte, die Schankwirtschaft des Bürgervereins (die es auch schon vorher gab) und die vielen Aktiven rund herum zeichnen ein lebendiges Bild der Stadt. Mich würde es nicht verwundern, wenn die Vereine sich um einen Stand auf dieser Vereinsmeile bald drängeln müssen.

Eine gute Entwicklung ist auch die Ausrichtung auf unterschiedliches Publikum an den vielen Standorten: Jeder weiß inzwischen, welches Publikum er in der Großen Straße, der Hagener Allee, der Manhagener Allee oder dem Rondeel zu erwarten hat. Jeder kann sich seinen Standort aussuchen, an dem er Gleichgesinnte findet.

Und so ist das Stadtfest eines geworden: Ein Fest für Ahrensburg, für Ahrensburger und für ihre Gäste. Ob es 100.000 Besucherinnen und Besucher sind, ob sie von nah oder fern kommen – sie seien willkommen. Aber eben nicht die – seien es Ahrensburger oder von außerhalb – die das Stadtfest für ihre Vergehen nutzen. Wie muss es den Betroffenen gehen, die sich beim Thema Stadtfest jetzt nur an eine sexuelle Belästigung oder einen Diebstahl erinnern?

Ahrensburg ist keine Insel der Glückseligkeit. Es ist nicht wirklich überraschend, dass der Antanz-Diebstahl in Ahrensburg angekommen ist. Die Veranstalter, das Stadtforum und EPM Concept Marktveranstaltungen GmbH, suchen jedes Jahr neu nach Maßnahmen der Prävention, thematisieren die Problematik immer wieder.

Es wäre nur zu schön, wenn die Stadt und ihre Bewohner eine richtige Antwort darauf fänden. Diese Antanz-Diebstähle sind schwer zu beobachten und Betroffene sind meist einfach froh, wenn die Täter von ihnen ablassen. Aber jedes Zögern der Betroffenen verschafft den Tätern mehr Anonymität, je mehr Zeit bis zur Anzeige vergeht, desto schwerer ist die Beweisfindung.

Wir müssen ein Umfeld schaffen, in dem Betroffene keine Angst haben, auf Belästigung und Diebstahl sofort aufmerksam zu machen. Es wäre schlimm, wenn jedes Jahr wieder ein attraktives Stadtfest von einigen Wenigen in den Dreck gezogen würde.