Gastbeitrag: Entscheidung für Ampel sei „bürgerfern“

Gastbeitrag zum Beitrag „Landesstraße 225: Die Ampel kommt – auch wenn nicht alle sie wollen“ von Dipl.-Ing. Eckehard Knoll.

© Eckehard Knoll 20170110 Kreisel Ammersbek L 225

© Eckehard Knoll 20170110 Kreisel Ammersbek L 225

Das war ja gestern Abend eine ernüchternde Informationsveranstaltung im Ammersbeker Gemeindehaus, in der die geschätzte Vertreterin des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) der Niederlassung Lübeck, Frau Britta Lüth, mit neuen überraschenden Forschungsergebnissen der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) aufwartete: Lichtsignalgeregelte Knotenpunkte weisen mit 5,9 eine niedrigere Unfallkostenrate (€/1000 Kfz-Km) auf als Kreisverkehre mit einem Wert von 8,5. Ampeln sind demnach signifikant sicherer und unfallkostengünstiger als Kreisel.

Das war für mich als kreiselkundigen Verkehrsingenieur nicht plausibel und bedarf einer Verifizierung, zumal von der gleichen renommierten Bundesanstalt in der Vergangenheit gegenteilige Bewertungen veröffentlicht worden waren. Andere Forschungen auch des Gesamtverbandes der Unfallversicherer stützen diese neue These nach meinem Kenntnisstand nicht. Das Hauptargument für die – ohne Ammersbeker Beteiligung – hoheitlich getroffene Entscheidung des LBV-SH im Benehmen mit dem Kieler Wirtschafts- und Verkehrsministerium und der örtlichen Unfallkommission gilt es wirklich zu überprüfen, weil es der bislang geltenden Lehrmeinung entgegen steht. Wären denn all die Kreiselforscher und -bauer in Deutschland, in Europa und weltweit mit ihrem Tun und Schaffen auf dem Holzwege? Das ist doch schlichtweg nicht vorstellbar!

Im konkreten Fall wäre den gestrigen Aussagen des LBV-SH zu Folge ein Kreisel (den man aber unverständlicherweise gar nicht alternativ untersucht hat …!) zudem mit Baukosten von angeblich 500.000 Euro fünfmal so teuer, wie die projektierte Ampelanlage mit Baukosten von lediglich 100.000 Euro. Auch diese Kostenrelation bezweifle ich. Ich halte Ampelkosten in Höhe von 150.000 bis 200.000 Euro und Baukosten für den von mir skizzierten kleinen Kreisverkehr auf der Basis von Erfahrungswerten überschläglich geschätzten Baukosten von 400.000 Euro für realistisch.

Die Zahl der Staus und Umweltbelastungen erzeugenden Ampeln auf dem circa drei Kolimeter langen Streckenabschnitt der Lübecker Straße von der Hoisbütteler Mühle bis zur Landesgrenze zu Hamburg würde sich durch die neue Lichtsignalanlage von derzeit 8 auf 9 erhöhen. Ein Spitzenwert im Kreis Stormarn! Das spontan ermittelte Umfrageergebnis der circa 70 anwesenden Veranstaltungsteilnehmer zeigte übrigens eindrucksvoll, dass eine überwältigende Mehrheit der Bevölkerung von etwa 80 Prozent für eine Kreisellösung und gegen die Ampelvariante votierte …

Meine Planungsskizze eines leistungsfähigen und sicheren Kreisels mit einem für Landesstraßen erforderlichen Durchmessers von 40 Metern, der sich optimal in die vorhandene Situation einpassen würde, habe ich als Anlage beigefügt. Um den Flächenbedarf und die Baukosten etwas zu reduzieren, könnte ggfs. auch auf den bypassartigen Abbiegestreifen von Bünningstedt kommend Richtung Rehagen und Schäferdresch bzw. Bargteheide verzichtet werden. Doch das hat ja nun wohl alles keine Aussicht mehr auf Berücksichtigung. Die Obrigkeit in Kiel und Lübeck hat sich bürgerfern im Vorwege anders entschieden. Die neue Ampelanlage soll im Mai nach der Landtagswahl in Betrieb genommen werden. Für die Sicherheit zweifellos eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Status quo – aber nicht die erhoffte und auf Dauer beste Lösung unter Berücksichtigung aller relevanten Aspekte! Schade! Schleswig-Holstein tickt hinsichtlich Kreisverkehren weiterhin anders als alle Nachbarländer!

Eckehard Knoll
Dipl.-Ing.