Landesstraße 225: Die Ampel kommt – auch wenn nicht alle sie wollen

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Ammersbek (ve). Es war schon eine merkwürdige Stimmung gestern Abend im Pferdestall in Ammersbek. Thema war die Verkehrssicherheit der Kreuzung entlang der Landesstraße 225.

Informationsveranstaltung zur Verkehrssicherheit an der Einmündung der Landesstraße 225 in Ammersbek: Britta Lüth, Bereichseiterin Straßenbau beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, informierte über die Planungen auf Einladung von Bürgermeister Horst Ansén (links), moderiert wurde der Abend von dem Moderator Thomas Waldner von der Gesellschaft für strategische crossmediale Kommunikation (rechts). Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Informationsveranstaltung zur Verkehrssicherheit an der Einmündung der Landesstraße 225 in Ammersbek: Britta Lüth, Bereichseiterin Straßenbau beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, informierte über die Planungen auf Einladung von Bürgermeister Horst Ansén (links), moderiert wurde der Abend von dem Moderator Thomas Waldner von der Gesellschaft für strategische crossmediale Kommunikation (rechts).
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Allerdings: Genau genommen ist es keine Kreuzung, sondern eine Einmündung. Die Landesstraße 225 aus Ahrensburg mündet in die Straße von Bargteheide Richtung Hamburg ein. Ein Verkehrsknotenpunkt, an dem es in jüngster Zeit zu schweren Unfällen gekommen war. Nun soll er sicherer gemacht werden.

Nach dem Unfalltod eines Motorradfahrers im April 2016 hatten insbesondere dessen Angehörigen aber auch Politik und Verwaltung darauf gedrängt, dass die Situation an der Einmündung verbessert werden solle. Die Unfallkommission des Landes – bestehend aus der Straßenverkehrsbehörde, dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr und der Polizei – hat sich also des Knotenpunktes angenommen. Und sie hat entschieden, dass dort eine Ampelanlage das Mittel der Wahl ist, diese Einmündung sicher zu machen. Ein Entscheidung, die gestern Abend im Pferdestall von Britta Lüth, Bereichseiterin Straßenbau beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Einmündung Landesstraße 225: Der Beschluss steht fest

Wohlgemerkt: Die Entscheidung wurde vorgestellt, nicht zur Wahl gestellt. Die  Gemeindeversammlung – sie hatte kurz vorher noch getagt – war nahezu vollzählig im Saal anwesend inklusive Gastgeber Bürgermeister Horst Ansén und Bürgervorsteherin Ingeborg Reckling. Doch sie konnten wie die etwa 70 Gäste den Beschluss nur zur Kenntnis nehmen, nicht Einfluss nehmen. Ein Umstand, den Bürgermeister Ansén und Bürger im Saal scharf kritisierten.

„Es wäre doch gut gewesen, wenn wir als diejenigen vor Ort, die die Verkehrsverhältnisse und die Situation kennen“, formulierte es Horst Ansén am Beginn seines Beitrages, „bei der Lösungsfindung hätten dabei sein können. Und auch die Ergebnisse der Untersuchungen hätten wir gerne vorher übermittelt bekommen.“ Eine Kritik, die Britta Lüth wiederum im Nachhinein zur Kenntnis nahm und zusagte, dass der Landesbetrieb Verkehr dies in Zukunft anders machen könnte.

Informationsveranstaltung zur Verkehrssicherheit an der Einmündung der Landesstraße 225 in Ammersbek: Britta Lüth, Bereichseiterin Straßenbau beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, führte ausführlich die Hintergründe der Entscheidung vor. Im Bild Bürgermeister Horst Ansén (links), und Moderator Thomas Waldner (Mitte). Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Informationsveranstaltung zur Verkehrssicherheit an der Einmündung der Landesstraße 225 in Ammersbek: Britta Lüth, Bereichseiterin Straßenbau beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr, führte ausführlich die Hintergründe der Entscheidung vor. Im Bild Bürgermeister Horst Ansén (links), und Moderator Thomas Waldner (Mitte).
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Jetzt aber entstand eine leicht skurrile Situation: Britta Lüth befürwortete und verteidigte den Beschluss, eine Ampelanlage an der Einmündung zu errichten. Ihr gegenüber im Publikum favorisierte eine überwiegende Mehrheit es nicht nur, dort einen Kreisel zu errichten, sondern hoffte zudem, auf diese Entscheidung hinarbeiten zu können – nicht zuletzt war so mancher deswegen überhaupt zu der Veranstaltung gekommen. „Nein“, korrigierte Britta Lüth, „die Entscheidung für eine Ampel ist fix.“

So hatte dann die Informationsveranstaltung nur ein konkretes Ergebnis: Die Entscheidungsfindung für die Ampelanlage wurde von Britta Lüth ausführlichst dargestellt. In einem umfangreichen Vortrag zeigte die Verkehrsexpertin, welche Überlegungen dem Beschluss vorausgegangen waren.

Unfallursache: Das Stopp-Schild wird nicht immer beachtet

Die Analyse der Verkehrssituation hätte, so Britta Lüth, die Mißachtung des Stopp-Schildes als Haupt-Unfallursache ergeben. Weder Licht- oder Sichtverhältnisse noch überhöhte Geschwindigkeit seien Ursachen für Unfälle gewesen. Vermutet wird, dass durch das hohe Verkehrsaufkommen zwischen Ammersbek und Bargteheide für die Linksabbieger aus Ahrensburg in Richtung Ammersbek schnell eine Stresssituation entstünde, die sie zu vorschnellem und damit verkehrsgefährdendem Abbiegen veranlasse.

Die Verkehrssicherheit an dieser Einmündung außerorts könne nur mit einer Ampelanlage verlässlich hergestellt werden, argumentierte Lüth und untermauerte diese Argumente mit Statistiken. So ergäben sich aus einer Ampelschaltung mit gesichertem Links-Abbiegen nur zwei so genannte Konfliktpunkte, Punkte also, an denen Unfälle wahrscheinlich wären. Bei einem Kreisel würden sechs Konfliktpunkte entstehen. Laut Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), gemessen als Unfallkostenrate (Euro pro 1.000 Kfz-km), sei zudem ein Kreisel unfallträchtiger, als eine Ampel. So liege dieser Wert bei eine Ampelanlage bei 5,9, bei einem Kreisverkehr bei 8,5.

Informationsveranstaltung zur Verkehrssicherheit an der Einmündung der Landesstraße 225 in Ammersbek: Das Publikum im Saal. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Informationsveranstaltung zur Verkehrssicherheit an der Einmündung der Landesstraße 225 in Ammersbek: Das Publikum im Saal.
Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Die Ammersbekinnen und Ammersbeker wollten dies allerdings weder glauben und noch hören. Sich fürchten, das gerade zu den Zeiten des Berufsverkehrs die Autos sich vor einer Ampelanlage in alle drei Richtungen der Einmündung stauen und die Wartezeit für den einzelen sich erheblich verlängere. Auf eine solche Aussicht reagieren Ammersbeker mit kritischem Stirnrunzeln, da sie gerade entlang der Strecke zwischen dieser Einmündung und der Ortsgrenze nach Hamburg mit zahlreichen Ampelanlagen zu kämpfen haben, die genau dies verursachen – nämlich einen Stau. Allerdings gab es auch Befürworter. Sie argumentierten, dass in einem Kreisverkehr die Fahrzeuge aus Ahrensburg Richtung Hamburg in einer Vorfahrtsituation seien, die den stärkeren Verkehrsfluss aus Bargteheide Richtung Hamburg hemmen könnte.

An der Landesstraße 225 werde sich mit einer Ampel ein Stau nicht ereignen, wiederholte Lüth ein ums andere Mal. Die Ampelanlage sei mit ausreichend Reserve berechnet, man hätte die Kapazität insbesondere mit Blick auf die Pendlerzeiten berechnet. In punkto Verkehrsfluss erreiche die Anlage bei der Leistungsfähigkeitsberechnung die Kategorie „B“ auf einer Skala von A bis F, gefordert werde vom Land die Kategorie „D“. Die Leistungsfähigkeit der Ampel sei also überdurchschnittlich und würde auch den Berufsverkehr zu seinen Spitzenzeiten ohne längere Wartezeit für den einzelnen abwickeln können.

Sei es, wie es sei – die Ampel wird gebaut. Und zwar schnell – wie im übrigen von den Angehörigen und den Gemeindevertretern gefordert. Bis Ende Mai soll alles umgesetzt sein, benannte es Britta Lüth, dann seien die Bauarbeiten voraussichtlich abgeschlossen.

Gastbeitrag: „Gastbeitrag: Entscheidung für Ampel sei „bürgerfern“

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