SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz in Ahrensburg: Die SPD der alten Werte

Ahrensburg (ve). Martin Schulz, der noch designierte Kanzlerkandidat der SPD, war in Ahrensburg zu einem seiner ersten Wahlkampfauftritte zu Gast. In einem überfüllten Alfred-Rust-Saal. Mit Video!!

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (rechts) stellte sich im Alfred-Rust-Saal dem Publikum. Im Bild mit dem Moderator des Abends, SPD-Landtagsabgeordneter Tobias von Pein. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (rechts) stellte sich im Alfred-Rust-Saal dem Publikum. Im Bild mit dem Moderator des Abends, SPD-Landtagsabgeordneter Tobias von Pein.
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Und er setzte sich Maßstäbe. Zwei Kritikpunkte gäbe es an den Politikern, beschrieb es Martin Schulz: Man versteht sie nicht und sie unterscheiden sich nicht voneinander. Beides wolle er widerlegen – verständlich reden und sich von anderen unterscheiden.

Sein Sinnen galt dem so viel beschworenen „kleinen Mann“, den Arbeitern und Angestellten, die die deutsche Gesellschaft zusammen hielten. Arbeit müsse auskömmlich sein, prekäre Arbeitsverhältnisse bekämpft werden. Ob eine Vermögenssteuer dafür der goldene Weg sei, benannte er nicht wortwörtlich, sprach sich aber dafür aus, „stärkere Schultern auch stärker zu belasten“. Gleichzeitig sei die Einkommensseite zu gestalten, etwa mit Beitragsfreiheit vom Kindergarten bis zu Universität, wie er mehrfach betonte.

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellte sich im Alfred-Rust-Saal dem Publikum. Foto:© Silke Mascher/ahrensburg24.de

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellte sich im Alfred-Rust-Saal dem Publikum.
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Silke Mascher/ahrensburg24.de

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„Die Reichen brauchen keinen Staat“, so Schulz, „die können sich Sicherheit, Kultur und Bildung kaufen.“ Der Staat müsse für die da sein, die dies nicht könnten, er müsse in Bildung und Sicherheit investieren, „die breite Mehrheit braucht einen Staat.“ Für Schulz hat das eine größere Bedeutung: Zusammenhalt in der Gesellschaft. Sie werde genährt durch Gerechtigkeit und Auskömmlichkeit im Leben aller.

Sein politischer Gegner, so schien es, ist nicht Mit-Bewerberin Angela Merkel (CDU), sondern der rechte Rand. Strömungen dieser Art, so Schulz, würden ähnlich wie im amerikanischen Wahlkampf und der Politik unter Präsident Donald Trump nur Sündenböcke suchen und Menschen ausgrenzen, statt Lösungen für die Probleme einer Gesellschaft finden. Schulz: „Es muss einen Aufstand geben gegen die, die unser Gesellschaftsmodell zerstören wollen.“ Dafür gab es reichlich Applaus. Und auch für: „Die Alternative für Deutschland (AfD) ist keine Alternative, sie ist eine Schande für Deutschland.“

Diese Lösungen für die Probleme wolle er nun finden – jenseits einer Politik, die in den vergangenen Jahren das Private vor den Staat gestellt habe. „Die neoliberale Politik der vergangenen Jahre ist komplett gescheitert“, wurde er deutlich. „Es geht eben nicht allen gut, wenn jeder sich nur um sich selber kümmert.“ Schulz sieht sich selber als Sozialdemokrat, der sich auf die 150-jährige Geschichte seiner Partei besinnt. „Wir brauchen keine neuen Antworten, das, wofür Sozialdemokratie steht, gilt auch heute noch.“

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellte sich im überfüllten Alfred-Rust-Saal dem Publikum. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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Ein Kern des Sozialdemokratischen ist der Zusammenhalt der Gesellschaft. Es gehe um die Frage, so Schulz, „wie kümmert sich ein Staat um die Schwachen in seiner Gesellschaft?“ „Wie kann es sein“, fragte Schulz, „das die Profite der Unternehmen wachsen, die Reallöhne derer, die das erwirtschaften, aber nicht?“ Der „unzivilisierte Turbo-Kapitalismus“ sei „respektos und verachtend“.

Auch zu Europa äußerte sich der frühere Präsident des Europa-Parlamentes. So würde er als Kanzler der BRD die Solidarität in Europa anmahnen und zum Beispiel auch finanzielle Leistungen abhängig machen von der Solidarität in der Flüchtlingsfrage. Gefragt nach der Niedrig-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank gestand er die Problematik für die Sparer zu, mahnte aber auch: „Diese Politik macht den Euro stark und ermöglicht es, dass Deutschland weiter auf dem Binnenmarkt wirtschaften kann.“ Das wiederum würde viele Arbeitsplätze erhalten. „Die zusätzlichen Steuereinnahmen, die dadurch entstehen, müssten wir wieder so einsetzen, dass sie den Arbeitern und Angestellten nutzen.“ Investition in Kinderbetreuung oder in digitale Infrastruktur und medizinische Versorgung nannte er als vordringlich.

Auch die Flüchtlingspolitik war Thema, Schulz steht in dieser Frage hinter Angela Merkel. „Wir können stolz sein, auf das, was Deutschland geleistet hat“ – auch dafür gab es reichlich Applaus. Es seien Menschen in Not, die nach Deutschland kommen, und sie dürften nicht von Kräften und Parteien erneut missbraucht werden für Hetze und Demokratiefeindlichkeit.

Kann Schulz Kanzler? Für die Antwort auf diese Frage drehte Schulz einen Kritikpunkt an seinem Lebenslauf einfach um – er ist als Bürgermeister der Kleinstadt Würselen gestartet. „In dem Rathaus von Würselen habe ich in elf Jahren vieles gelernt, was ich für das Kanzleramt brauche – denn es sind die Alltagssorgen der Menschen, die zählen.“ Und was die betreffen, erfährt man im Rathaus als Bürgermeister.

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellte sich im überfüllten Alfred-Rust-Saal dem Publikum. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

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In Ahrensburg ist das Publikum ihm mit großem Interesse begegnet. Nicht nur war der Alfred-Rust-Saal übervoll, auch standen draußen vor der Tür noch mehrere 100 Interessierte, die nicht mehr in den Saal gelassen wurden und enttäuscht umkehren mussten. „Wir haben uns für den Alfred-Rust-Saal entschieden“, erläuterte es SPD-Kreisvorsitzende Susanne Danhier, „weil es zentral in Stormarn der größte Saal ist.“ Nur eben zum Wahlkampf-Auftakt auch mit entsprechendem Medien-Interesse tatsächlich nicht groß genug.

Zwei Schleswig-Holstein-Tage hat sich der Rheinländer gestern und heute gegönnt, Rendsburg, Neumünster, Pinneberg und Ahrensburg besucht. Und zwischendurch mit Ministerpräsident und Parteifreund Torsten Albig Currywurst gegessen. Im Alfred-Rust-Saal begegneten ihn zum großen Teil Fans, hanseatisch zurückhaltender Jubel begleitete seinen Auftritt, großer Zwischenapplaus seine Beiträge. Neben ihm am Podium stand als Moderator der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein, der allerdings nur zur Begrüßung das Wort ergriff, den weiteren Abend gestaltete der Kanzlerkandidat in Eigenregie. Zahlreiche Fragen konnten gestellt werden, doch nach einer guten Stunde mahnten seine Mitarbeiter zur Abfahrt, er müsse noch den Flieger am Hamburg Airport erreichen. Aber es sind ja noch ein paar Tage bis zu Wahl und vielleicht kommt Martin Schulz bis zum September ja noch einmal nach Schleswig-Holstein.

Wahlkampf in Ahrensburg: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz stellte sich im Alfred-Rust-Saal dem Publikum. Foto:© Silke Mascher/ahrensburg24.de

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Silke Mascher/ahrensburg24.de