Gleichstellungsbeauftragte: Braucht die Aufgabe eine Vollzeitstelle?

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Ahrensburg (ve), Ihr 25-jähriges Bestehen feiert die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten in wenigen Wochen. Und quasi zum Geburtstag gibt es einen Streit um die Veränderung der Stelle. Heute Abend auch im Hauptausschuss.

Im Zuge der Pensionierung der amtierenden Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Fricke hat Bürgermeister Michael Sarach für die Organisation der Stelle eine neue Konstruktion vorgeschlagen. Er möchte zwei Arbeitsbereiche in die Ahrensburger Verwaltung integrieren, die Gleichstellung und die Inklusion.

Daher hat er vorgeschlagen, die Vollzeitstelle der Gleichstellungsbeauftragten auf eine halbe Stelle zu reduzieren. Die frei werdende halbe Stelle soll dann für einen Inklusionsbeauftragten zur Verfügung stehen. Das soll heute auf der Sitzung des Hauptausschusses – ab 19.30 Uhr im Peter-Rantzau-Haus, Manfred-Samusch-Straße 5 in Ahrensburg – behandelt werden.

Gleichstellung: „Arbeitsumfang hat sich nach 25 Jahren verändert“

„Frau Fricke hat als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahrensburg in den vergangenen 25 Jahren herausragende Arbeit geleistet“, so bennent es Sarach. Auf dieser Basis und unter der Voraussetzung neuer Gesetzgebungen, die die Gleichstellung aufgreifen, sei es möglich, die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten auch unter reduzierter Stundenzahl umzusezten. Sarach gegenüber ahrensburg24.de: „Ich sehe daher die Hauptaufgabe einer Gleichstellungsbeauftragten in Ahrensburg in der Zukunft darin, überwiegend koordinierend dafür Sorge zu tragen, dass diese Netzwerke weiter Bestand haben, weiter effektiv wirken können und sich verändernden Anforderungen anpassen können.“

Parallel habe in den vergangenen Jahren das Thema „gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen am gesellschaftlichen Leben“ zunehmend an Stellenwert gewonnen, betont Sarach. Dies gelte mit Blick auf die vom Behindertenbeirat geforderte Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention genauso wie mit Blick auf die Integration geflüchteter Menschen. Diesem Umstand soll die Einrichtung einer neuen Stelle Rechnung tragen. Sarach: „Meiner Ansicht nach ist es dringend erforderlich, dass sich die Stadt Ahrensburg auch dieser Aufgabe stellt.“

Vorschlag: Eine Möglichkeit der Finanzierung der Inklusion

Sarach: „Vor diesem Hintergrund zweier derart bedeutungsvoller Aufgaben habe ich den Stadtverordneten mit meinem Vorschlag einen Weg aufzeigen wollen, wie die Stadt Ahrensburg diesen Anforderungen gerecht werden kann. Ich habe diesen Vorschlag in der vorliegenden Form gewählt, um einen Einstieg ohne zusätzliche Kosten zu ermöglichen. Mir ist klar, dass dieser Vorschlag einen Kompromiss darstellt. Sollten die Stadtverordneten zu der Einschätzung gelangen, beide Aufgaben seien nur in Vollzeit zu leisten und entsprechende Stellen zur Verfügung stellen, würde ich dies selbstverständlich begrüßen.“

Für die Gleichstellung in Stormarn: Gabriele Fricke (Ahrensburg), Marion Gurlit (Bad Oldesloe), Maria de Graaff-Willemsen (Reinbek), Marion Böttger und Claudia Rattmann und eine weitere Vertreterin vom Frauennetzwerk Ahrensburg sowie Inge Diekmann (Trittau, von links). Foto:pm

Für die Gleichstellung in Stormarn: Gabriele Fricke (Ahrensburg), Marion Gurlit (Bad Oldesloe), Maria de Graaff-Willemsen (Reinbek), Marion Böttger und Claudia Rattmann und eine weitere Vertreterin vom Frauennetzwerk Ahrensburg sowie Inge Diekmann (Trittau, von links).
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Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten: „In Teilzeit nicht möglich“

Die hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten des Kreises waren vor einer solchen Reduzierung der Stelle der Gleichstellungsbeauftragten. Sie sind über die Absicht der Stundenreduzierung der Stadt Ahrensburg „entsetzt“, heißt es in einer Mitteilung. Bei einer einwohnerstarken Stadt wie Ahrensburg sei die Fülle der Aufgaben einer Gleichstellungsbeauftragten nicht in Teilzeit zu leisten.

Ein Netzwerk könne die Arbeit einer hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten unterstützen, aber nicht ersetzen. Veränderungen in der Rechtslage führten, so die Gleichstellungsbeauftragten, keineswegs zu einer Verringerung der Aufgaben der kommunalen Gleichstellungsbeauftragten und schon gar nicht zur Möglichkeit der Übernahme durch Netzwerke. Gleichstellungsbeauftragte seien „Agentinnen des Wandels“ und „fachkundige Begleiterinnen aller gesellschaftlichen Akteure und strategische Schnittstelle zwischen Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft“. Das Ziel ihrer Tätigkeit sei es, die Gleichstellung von Frauen und Geschlechtergerechtigkeit im gesamten Handeln der Kommunalverwaltung nach innen und außen zu verankern.

Gurlit: Nicht Inklusion und Gleichstellung gegeneinander ausspielen

Marion Gurlit, Gleichstellungsbeauftragte in Bad Oldesloe, ergänzt: „Eine Stelle für Inklusion darf nicht auf Kosten der erfolgreichen Gleichstellungsarbeit gehen. Beide Themen dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Ahrensburg muss für Inklusion eine neue Planstelle schaffen. Es würde ja auch niemand die Stelle des Hauptamtsleiters halbieren (weil es im Bereich Personal und Organisation gut läuft) und auf die zweite Hälfte eine neue Person setzen die Inklusion oder Migrationsarbeit machen soll.“

Unterschrieben von den Gleichstellungsbeauftragten Marion Gurlit in Bad Oldesloe, Gabriele Abel in Bargteheide, Inge Diekmann in Amt und Gemeinde Trittau, Maria de Graaff-Willemsen in Reinbek, Kerstin Schoneboom in Glinde und von Gabriele Fricke selber fordern sie die Stadt Ahrensburg auf, die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten in Vollzeit wieder zu besetzen.

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1 Kommentar

  1. Christine Thomsen on

    Ich wünsche der Stelle, Frau Fricke und der nachfolgenden Stelleninhaber(in), der Stadt Ahrensburg und allen, die auf diesen gesellschaftlichen Aspekt immer wieder angewiesen sind, dass die Weitsicht regiert und Mut bei den Stadtverordneten. Ansonsten ist es schwer, der Stadt überhaupt ein Engagement für die Sache „abzukaufen“. Weder für die Gleichstellung noch für die Inklusion. Darüber hinaus berühren sich beide Aufgaben sehr.
    Wie war das mit dem neuen „WIR-Gefühl?“

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