AKTUALISIERT FDP Ammersbek zur Ampel an der L225: Entscheidung nach „Gutsherrenart“

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AmmersbeK (ve). Die FDP Ammersbek hält nicht hinter dem Berg mit starken Vorwürfen. Es geht ihr um die Entscheidung des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr (LBV), an der Kreuzung der Landesstraße 225 eine Ampel aufzustellen. AKTUALISIERT – Positionen der Landtagsabgeordneten.

An der Kreuzung der Landesstraße 225: Hans-Hinrich Sönksen und Gabriela Späte, Vorsitzender und Fraktionsvorsitzende der FDP, mit dem Ahrensburger Eckehard Knoll (von links). Foto:privat

An der Kreuzung der Landesstraße 225: Hans-Hinrich Sönksen und Gabriela Späte, Vorsitzender und Fraktionsvorsitzende der FDP, mit dem Ahrensburger Eckehard Knoll (von links).
Foto:privat

Die FDP möchte, dass diese Entscheidung zurück genommen wird und statt der Ampel dort ein Kreisverkehr errichtet wird. Ihrer Meinung nach sei der Kreisel die Variante mit der größeren Verkehrssicherheit. Deswegen hat der Ortsverein jetzt eine Petition eingereicht. Dort wird gefordert, dass der Landesbetrieb die Entscheidung zurück nimmt und mit einer neuen Entscheidung auf ein neues Gutachten wartet. Dieses Gutachten soll, so heißt es in der Petition, von der Gemeinde Ammersbek in Auftrag gegeben werden.

FDP: Argumente des Landesbetriebes nicht nachvollziehbar

Für die FDP Ammersbek sind die Gründe des Landesbetriebes Straßenbau und Verkehr nicht nachvollziehbar. Sie zieht die Untersuchungen der Straßenplaner in Zweifel. Mehr noch: Sie wirft dem Landesbetrieb „Gutsherrenart“, Obrigkeitsdenken und eine Entscheidung jenseits einer „fachlichen Richtigkeitsprüfung“ vor. Sie kritisiert vor allem den „völlig unzureichenden und vollkommen unbefriedigenden Umgang mit Interessen von unmittelbar Betroffenen durch das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie im Zusammenwirken mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein.“ Und sie stören sich daran, dass bei der Entscheidungsfindung durch den LBV keine Vertreter der Gemeinde Ammersbek involviert worden waren.

In der Petition heißt es auch, dass „der Bürgermeister von Ammersbek sich mit der gleichen Zielsetzung bereits schriftlich und direkt an den LBV-SH sowie das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie sowie an den Ministerpräsidenten des Landes SH gewandt“ habe.

Thema auf der Sitzung des Bauausschusses und der Gemeindevertretung

Tatsächlich wurde auf dem Bauauschuss am 15. Februar 2017 auf Antrag der CDU intensiv über das Thema gesprochen. Die CDU präsentierte dort einen Antrag, der auf der Gemeindevertreterversammlung am Dienstag, 14. März 2017, vorgelegt werden soll. Auch dieser Antrag fordert einen Kreisverkehr und beauftragt den Bürgermeister, ein entsprechendes Schreiben an das Ministerium und den Landesbetrieb zu senden. Bei einer Enthaltung wurde der Antrag mit neun Ja-Stimmen angenommen.

Hintergrund ist, wie bereits auf der Informationsveranstaltung mit dem Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr am 10. Januar 2017 deutlich geworden war, dass die Ammersbeker die Leistungsfähigkeit einer Ampelanlage in Zweifel ziehen. Sie gehen davon aus, dass auf der stark befahrenen Strecke zwischen Bargteheide und Hamburg die Verkehrsregelung durch noch eine zusätzliche Ampel zu weiteren Staus führen würde. Ein Kreisverkehr hingegen würde den Verkehrsfluss nachhaltig aufrecht erhalten können.

Unterstützt durch den Ahrensburger Verkehrsingenieur Eckehard Knoll

Unterstützung haben sie dabei von dem pensionierten Ahrensburger Verkehrsingenieur und Kreiselexperten Eckehard Knoll. Knoll hatte sowohl auf der Informationsveranstaltung als auch auf der Sitzung des Bauausschusses Informationen über die Vorteile eines Kreisverkehrs parat und hat Politiker und Fraktionen im Vorfeld beraten. Auch die Petition der FDP unterstützt er.

Was nun folgen könnte, wenn Petition und Schreiben an das Ministerium Erfolg haben, wäre eine erneute Gegenüberstellung von Fakten. Neben den Kosten für Ampelanlage und Kreisverkehr steht das Gefährdungspotenzial zur Debatte. Der LBV hatte berechnet, dass die Vergleichszahl der Unfallkostenrate (Euro pro 1.000 Kfz-km) bei einer Ampelanlage bei 5,90 Euro, bei einem Kreisverkehr bei 8,50 Euro liegen würde.

AKTUALISIERT

Diese Zahlen seien falsch, sagt Eckehard Knoll. Er hat Einblick in das Gutachten genommen und betont: „Als Vergleichszahl muss die Grundunfallkostenrate herangezogen werden.“ Diese setzt die Unfallkosten ins Verhältnis je 1.000 Autos, ohne die Einheit Kilometr. Bei Kreisverkehren würden sich insgesamt eine im Vergleich zu Ampelanlage bessere Grundunfallkostenrate ergeben. Bei einem Kreisell mit drei Zufahrtsstraßen, wie in Ammersbek der Fall, liegen beide Werte gleich bei 4,60 Euro pro 1.000 Fahrzeuge. Damit ist der Kreisel gleichwertig mit der Ampel – und nicht schlechter, wie die Zahl des Landesbetriebes vermuten ließe.

Insbesondere wird aber bezweifelt, dass die Ampel zu Zeiten starken Verkehrsaufkommens für ausreichend Verkehrsfluss sorgen könne und gleichzeitig nach Abschaltung der Ampel zum Beispiel nachts die Sicherheit gewährleistet sei. Beides könne durch einen Kreisverkehr gewährleistet werden.

Tobias von Pein (SPD) warnt vor einer Verzögerung des Ampelbaus

Inzwischen hat sich auch der SPD-Landtagsabgeordnete Tobias von Pein in die Diskussion eingeschaltet. Er warnt davor, den Bau der Ampel zu verzögern: „Die Entschärfung dieses Unfallschwerpunktes darf nicht durch Wahlkampfgetöse verzögert oder verhindert werden.“ Die Vorwürfe in der Petition der FDP träfen dabei nicht nur den Landesbetrieb Verkehr, sondern auch alle Mitglieder der Unfallkommission. In dieser sitzen Fachleute aus verschiedenen Behörden und der Polizei. Er hält es für besser, zunächst die Umsetzung des Baus einer Ampelanlage abzuwarten. Von Pein: „Wenn diese in Betrieb gegangen ist, kann die neue Verkehrsituation bewertet werden.“

AKTUALISIERT Tobias Koch (CDU):“Stimmungsbild für den Kreisel“

Das wiederum hält der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Koch für Wahlkampf. Für die grundlegende Entscheidung zwischen Ampel oder Kreisverkehr sei das Datum der Landtagswahl vollkommen unerheblich, betont Koch in einer Pressemitteilung. Vielmehr müsse es darum gehen, das Pro und Contra sorgfältig abzuwägen. An der Einmündung der Landesstraße 225 in die Lübecker Straße sei genügend Platz für einen Kreisverkehr vorhanden.

“Es wäre fatal, wenn diese Chance jetzt mit dem Bau einer Ampel voreilig vertan würde“, so Koch. Zumal es auf der Informationsveranstaltung und in den Ammersbeker Gremien ein „klares Stimmungsbild“ für den Kreisel gegeben habe, fügt Koch an. Deswegen halte er es für richtig, die Sitzung der Gemeindevertretung und damit das Votum der Ammersbeker am 14. März 2017 abzuwarten, damit es – bei einem Votum für den Kreisel – weitere Gespräche geben könne.

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