Peter Wohlleben im Marstall: Wald verstehen leicht gemacht

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Ahrensburg (sam). Manchmal kommen Bestseller-Autoren nach Ahrensburg und manchmal sogar live zu der Deutschland-Premiere eines ihrer Bücher. So geschehen in dieser Woche im Marstall bei Literatur live.

Autor und Förster Peter Wohlleben bei der Deutschland-Premiere seines Buches „Gebrauchsanweisung für den Wald“ im Ahrensburger Marstall. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Autor und Förster Peter Wohlleben bei der Deutschland-Premiere seines Buches „Gebrauchsanweisung für den Wald“ im Ahrensburger Marstall.
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

„Ein besonderes Ereignis“, so Joachim Becker von der Buchhandlung Stojan, zusammen mit dem Kulturverein Marstall und 20 Wines der Veranstalter der Reihe. „Peter Wohlleben wird mit Veranstaltungsanfragen zugeschüttet, die Fernsehredaktionen reißen sich um ihn. Wir hatten großes Glück, dass Herr Wohlleben zum Erscheinen seines neuen Buches Pressetermine in Hamburg wahrnimmt und dass der Piper-Verlag aus diesem Grunde bei uns wegen der Buchpremiere anfragte.“

Nach großen Erfolgen mit seinen Büchern „Das Leben der Bäume“ oder „Der Wald“ stellte Peter Wohlleben im Ahrensburger Marstall sein neuestes Werk „Gebrauchsanweisung für den Wald“ vor.

Großes Interesse an der Lesung: Ausverkaufter Marstall

In einem bis auf den letzten Platz gefüllten Marstall waren der Autor und die Mitarbeiter des Piper-Verlags zu erleben. Peter Wohlleben lebt seinen Beruf und liebt den Wald. Gekonnt fängt er das Publikum mit seinen Erzählungen ein. Dabei ging um Tipps zu einer Region, die wir alle meinen, genau zu kennen: den Wald.

Mit viel Humor, locker und zuweilen im Plauderton vermittelte der studierte Forstingenieur sein Wissen. Langeweile kommt dabei nicht auf. Was er sagt, lebt er auch. Nach einigen Jahren im Forstrevier in Hümmel kündigte er 2006 seine Beamtenstelle – auf Lebenszeit! – in der Forstverwaltung und wurde von der Gemeinde als Förster angestellt.

Diese Anstellung bietet ihm genug Raum, Bücher zu Themen, die ihm am Herzen liegen, zu veröffentlichen. „Ich hatte das so überhaupt nicht geplant. Das Schreiben ist entstanden, weil Leute mich baten, mein Wissen aufzuschreiben und scheinbar kommt es an“, erklärt Peter Wohlleben auf der Bühne.

Autor und Förster Peter Wohlleben bei der Deutschland-Premiere seines Buches „Gebrauchsanweisung für den Wald“ im Ahrensburger Marstall - mit Signierstunde. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de


Autor und Förster Peter Wohlleben bei der Deutschland-Premiere seines Buches „Gebrauchsanweisung für den Wald“ im Ahrensburger Marstall – mit Signierstunde.
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Förster aus Berufung: Einsatz für die Neuausrichtung der Forstwirtschaft

Doch nicht nur durch seine Bücher, auch durch seine Arbeit im Forstrevier in Hümmel hat er auf sich aufmerksam gemacht. Mittlerweile werden für die Waldarbeiten dort keine Holzvollernter mehr eingesetzt, sondern Seil- und Tragschlepper und teilweise sogar wieder Rückepferde. 1996 und 1998 wurde der Forstbetrieb mit dem Sonderpreis der Verbandsgemeinde Adenau für ökologische Waldwirtschaft ausgezeichnet. Auch baute er eine Kooperation zur wissenschaftlichen Evaluation der Waldwirtschaftsweise mit dem Institut für Umweltforschung an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen auf.

Tipps von Peter Wohlleben: Im Wald gibt´s Basic Food

Praxistauglich und humorvoll vermittelt er Fachinformationen, ohne dabei zum Oberlehrer zu werden. Er räumt mit oft falschem Wissen über den Wald auf und erreicht damit Jung und Alt. Mit Tipps zur richtigen Kleidung für den Wald oder dem richtigen Verhalten im Wald macht er Lust auf den nächsten Waldspaziergang – dann mit neuem Wissen im Gepäck.
Im Anschluss an seinen Vortrag, konnten die Besucher Deutschlands bekanntestem Förster direkt ihre Fragen stellen. Diese Gelegenheit wurde ausgiebig genutzt.

Neuerscheinung auf dem Buchmarkt: Die „Gebrauchsanweisung für den Wald“ von Peter Wohlleben wurde im Ahrensburger Marstall präsentiert. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Neuerscheinung auf dem Buchmarkt: Die „Gebrauchsanweisung für den Wald“ von Peter Wohlleben wurde im Ahrensburger Marstall präsentiert.
Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Wie verhalte ich mich als Fußgänger im Wald?, war eine dieser Frage. Wohlleben: “Tiere stört Jagd, aber kein Krach! Wenn sie wissen wo wir sind, sind sie sogar weniger gestresst.” Oder: Wie kann man im Wald überleben? Peter Wohllebens Tipp: Im Wald gibt´s Basic Food, sofort anfangen zu futtern, damit nicht zu viel Energie verloren geht. Pilze und Beeren seien allerdings keine so gute Idee, sie haben zu wenig Energie und beide können auch schon mal giftig sein. Besser sind Baumrinde und alle Arten von Larven und Käfern.

Reizthemen im Wald: Der Wolf und die Zecken

Zum Reizthema Wolf hat Wohlleben eine klare Position: Der Wolf ist ein Segen für den Wald, ganz wie es ein russisches Sprichwort sagt: „Wo der Wolf geht, wächst der Wald“. Ganze Flussläufe können durch Wölfe verändert werden, schlicht weil die Anwesenheit des Wolfes seine Beutetiere zu einem anderen, mehr im Verborgenen stattfindenden Fressverhalten anhält. Insgesamt könne sich der Wald besser regenerieren, wenn ein Wolf in ihm jagt.

Für den Menschen allerdings interessiere der Wolf sich rein gar nicht, ist für ihn auch nicht gefährlich, „da ist der Hund für den Menschen im Wald schon gefährlicher“, so Wohlleben. Anders herum sei der Mensch für den Wolf viel gefährlicher. Viel Unverständnis für das Leben der Wölfe lasse Situationen entstehen, in denen der Wolf vermeindlich gefährlich erscheint und wieder verdrängt wird.

Und noch ein Reizthema: die Zecken. „Ja, es gibt Borreliose“, so Wohlleben, aber Panik vor dieser Infektionskrankheit und damit den Zecken sei unbegründet. Infizierte Zecken können beim Biss in die menschliche Haut und beim Blutsaugen die Bakterien, die Borrelien, übertragen. Aber: Nicht alle Zecken würden die Bakterien übertragen.

Grundsätzlich gibt es Schutzmaßnahmen: „Zecken sitzen meist im Gebüsch und in Gräsern in einer Höhe von 60 bis 70 Zentimetern. Gehen Sie nicht durch solches Gebüsch und tragen Sie im Wald grundsätzlich am besten lange, helle Hosen. Und kontrollieren Sie, ob Zecken an ihrem Körper entlang laufen. Sie können sie gut abstreifen, denn es dauert eine Weile, bis so eine Zecke sich tatsächlich festgesogen hat.“ Übrigens: Ein unerklärlicher roter Fleck auf der Haut ist ein erstes Zeichen einer Borreliose. Die Infektion lässt sich in den meisten Fällen medikamentös behandeln.

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