25 Jahre Gleichstellung in Ahrensburg: Ein Jubiläum mit reichlich Politik

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Ahrensburg (ve). Auf der Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum von Ahrensburgs Gleichstellungsbeauftragter Gabriele Fricke wurde reichlich politisch. Damit wurde die Veranstaltung dem Anlass wohl weit mehr gerecht, als wenn sich alle voller Friede, Freude und Eierkuchen in den Armen gelegen hätten.

Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Gleichstellungsbeauftragten. Gabriele Fricke blickt auf ein Viertel Jahrhundert intensive Arbeit für die Gleichberechtigung - und verabschiedet sich gleichzeitig in den Ruhestand. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Gleichstellungsbeauftragten. Gabriele Fricke blickt auf ein Viertel Jahrhundert intensive Arbeit für die Gleichberechtigung – und verabschiedet sich gleichzeitig in den Ruhestand.
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Vor 25 Jahren hat Gabriele Fricke die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten im Ahrensburger Rathaus angetreten. Dieses Dienstjubiläum ist gleichzeitig ist Ausscheiden aus dem Amt, denn sie geht zum 1. April 2017 in den Ruhestand. Das wiederum lässt die Debatte um die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten aufflammen.

Gleichstellung: Zum Abschied eine Debatte zum die Stelle der Beauftragten

Wie berichtet, hatte Bürgermeister Michael Sarach vorgeschlagen, die Stelle der Gleichstellungsbeauftragten zu halbieren und die andere Hälfte der Stelle für die Aufgabe der Inklusion bereit zu stellen. Bereits im Hauptausschuss wurde Gegenwehr von Seiten der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises Stormarn deutlich, siehe Bericht auf ahrensburg24.de: „Gleichstellungsbeauftragte: Braucht die Aufgabe eine Vollzeitstelle?„. Derzeit wird die Frage weiter in verschiedenen Ausschüssen beraten.

Auf der Feier des Dienstjubiläums war Michael Sarach Gastredner und wurde natürlich direkt zu der Planung befragt. „Ich habe einen Weg gesucht“, so stellte sich Sarach der Debatte vor etwa 120 Frauen und 20 Männern in der Reithalle des Marstalls, „um für beide Aufgaben eine Lösung zu finden, die zunächst einmal nicht mehr Personalkosten verursachen würde. Diesen Vorschlag habe ich in die Politik gegeben, dort wird darüber entschieden werden.“ Die Aufgabe der Inklusion und damit die Ausrichtung von Beschlüssen und Prozessen mit Blick darauf, Menschen mit Behinderungen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen, sei den Verwaltungen vorgegeben. Auch diese Debatte müsse geführt werden, so Sarach. „Ich habe natürlich nichts dagegen“, so ergänzte Sarach, „wenn in der Verwaltung für beide Aufgaben zwei Vollzeistellen geschaffen werden würden.“

Gäste aus dem Rathaus, der Politik und aus Gesellschaft

Zahlreiche Weggefährten waren gekommen, um mit Gabriele Fricke ihre Arbeit zu feiern, darunter Bürgervorsteher Roland Wilde als Gastredner, die frühere Bürgermeisterin Ursula Pepper, die frühere Bürgervorsteherin Helma Schumacher, Bad Oldesloes Gleichstellungsbeauftragte Marion Gurlitt und die Begleiterin im Geiste Pastorin Angelika Weißmann. Stadtverordnete aller Fraktionen waren dabei sowie viele Vertreter und Vertreterinnen von Vereinen und Verbänden wie dem Freundeskreis Flüchtlinge, dem Netzwerk Migration und Integration, dem Expertinnen-Netzwerk Ahrensburg und viele in der Stadt engagierte Frauen. Ein Fachreferat „Bedeutung der Gleichstellungspolitik für Kommunen – Perspektiven für die Zukunft“ zu Fragen der Gleichstellung hielt Dr. Elke Wiechmann von der Universität Hagen.

Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Gleichstellungsbeauftragten. Gabriele Fricke mit Bürgervorsteher Roland Wilde, Bürgermeister Michael Sarach, der früheren Bürgermeisterin Ursula Pepper und der früheren Bürgervorsteherin Helma Schumacher (von links). Ursula Pepper und Helma Schumacher waren bei der Auswahl der Bewerberin vor über 25 Jahren mit dabei. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Gleichstellungsbeauftragten. Gabriele Fricke mit Bürgervorsteher Roland Wilde, Bürgermeister Michael Sarach, der früheren Bürgermeisterin Ursula Pepper und der früheren Bürgervorsteherin Helma Schumacher (von links). Ursula Pepper und Helma Schumacher waren bei der Auswahl der Bewerberin vor über 25 Jahren mit dabei.
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Gabriele Fricke: Engagierte Kämpferin und Feministin

Die Errichtung des Frauenhauses, die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Beratung zahlreicher Frauen, die Begleitung zahlreicher politischer Prozesse in Ahrensburg, viele Aktionen in der Öffentlichkeit fallen in die Amtszeit von Gabriele Fricke. Das Publikum im Saal bescheinigte ihr, umtriebig Vieles in die Wege geleitet zu haben inklusive eines kreisweiten und landesweiten Engagements für die Belange der Gleichstellung.

„Es ist viel passiert“, sagte Gabriele Fricke selber auf dem Podium im Gespräch mit Moderatorin Claudia Rattmann vom Frauenhaus Ahrensburg. „In der Politik wurde vieles umgesetzt.“ Doch Benachteiligungen gebe es für Frauen weiterhin, solange sie alleine die Last der Vereinbarkeit von Familie und Beruf tragen müssten, „wir müssen die Familie unterstützen, denn wir wollen ja die Kinder.“

„Sie haben Spuren in Ahrensburg hinterlassen“, betonte Bürgervorsteher Wilde, „und Sie haben einen interessanten Weg geebnet, der Ahrensburg reicher gemacht hat. Es liegt an uns, wie wir ihn weiter gehen wollen.“ Das dies nun nun nur noch mit einer Arbeitszeit einer halben Stellen passieren könnte, empfindet Gabriele Fricke selber als „unerhört“, ließ sie wissen und erntete dafür im Saal Applaus. Es sei noch lange nicht alles behoben, was sie vor 25 Jahren ins Auge gefasst habe.

Debatte um Gleichstellung: Nach 25 Jahren noch nicht zu Ende

Im Saal war die Stimmung eindeutig: Die Aufgaben einer Gleichstellungsbeauftragen sei nur in Vollzeit umzusetzen. Rednerinnen wie Elke Wiechmann, Pastorin Weißmann oder Marion Gurlitt verwiesen auf Nachteile für Frauen bei der Frage der Löhne und Gehälter, bei Karrierechancen oder bei der Zuständigkeit von Kindererziehung und Kinderbetreuung sowie auf die im Verhältnis geringere Repräsentanz in politischer und unternehmerischer Verantwortung. Das dies im Saal für reichlich Emotionen sorgte, zeigt, dass Fragen zur Gleichstellung noch lange nicht in einem Punkt des Gleichmutes angekommen ist – schöner hätte ein Dienstjubiläum die Bedeutung der Aufgabe nicht widerspiegeln können.

Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Fricke. Anna Brünner stellte in einem kurzen Solo-Theaterstück das Bewerbungsgespräch von damals nach. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Feier zum 25-jährigen Dienstjubiläum der Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Fricke. Anna Brünner stellte in einem kurzen Solo-Theaterstück das Bewerbungsgespräch von damals nach.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Und doch gab es auch die feierliche Seite des Abends. Anna Brünner von der Theatergruppe des Marstalls zeigte als Solostück die Szene des Vorstellungsgespräches von Gabriele Fricke vor über 25 Jahren. Mit Leidenschaft brachte Anna Brünner auf die Bühne, was Gabriele Fricke mit Leidenschaft gelebt hat. Im verbalen Staccato hämmerte sie dem Auswahlgremium aus drei Herren und einer Dame – symbolisch durch Jackett und Bluse auf die Bühne gebracht und gesprochen aus dem Off – die Ziele der Gleichstellung ein. Und das deutliche „Ja“ auf die Frage „Sind Sie eine Feministen?“, die – so bestätigen heute Gäste, die damals anwesend waren – damals so gestellt worden war.

Und schließlich gab es noch das Duo TroubaDuo mit Jana Nitsch, Gesang und Akkordeon, und Marcus Berthold, Geige und Gesang, das die Veranstaltung musikalisch begleitete. Schauspielerin und Musiker erhielten begeisterten Applaus vom Publikum.

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