Landtagswahl: Fünf Kandidaten, 800 Schüler und viele Fragen

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Ahrensburg (ve). Wer 16 Jahre alt ist, der darf am 7. Mai 2017 auch an der Wahl zum Landtag teilnehmen. Doch wen wählen? Woher wissen, wer das Richtige will? Der Kinder- und Jugendbeirat Ahrensburg wusste eine Antwort.

Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein: Der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) lud Erstwähler zu einer Podiumsdiskussion mit den Landtags-Kandidaten Tobias Koch (CDU), Christian Schubbert (Bündnis 90/Die Grünen), Carsten Pieck (FDP), Tobias von Pein (SPD) und Florian Kauter (Die Linke), im Bild mit Jonida Kajolli (hinten), Fabio Linde und Julia Jastrembski (rechts) vom KiJuB. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein: Der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) lud Erstwähler zu einer Podiumsdiskussion mit den Landtags-Kandidaten Tobias Koch (CDU), Christian Schubbert (Bündnis 90/Die Grünen), Carsten Pieck (FDP), Tobias von Pein (SPD) und Florian Kauter (Die Linke), im Bild mit Jonida Kajolli (hinten), Fabio Linde und Julia Jastrembski (rechts) vom KiJuB.
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Der Beirat lud alle über 16-Jährigen der weiterführenden Schulen zu einer Podiumsdiskussion mit den Kandidaten aus der Region. Dass heißt, eigentlich zu drei Veranstaltungen, denn es waren jeweils die Schülerinnen und Schüler einer Schule versammelt. Streng durchgetaktet ging es durch einen Vormittag mit zunächst etwa 300 Schülern der Selma-Lagerlöf-Gemeinschaftsschule, dann etwa 300 Schülern des Eric-Kandel-Gymnasiums und schließlich etwa 200 Schülern der Stormarnschule.

Fünf Parteien auf dem Podium: Wo sind die Unterschiede?

Die Erkenntnis: Demokratie ist eine schwere Sache. Denn die Unterschiede zwischen den Antworten der Parteien zu finden, war nicht ganz einfach. Auf dem Podium saßen die Landtagsabgeordneten Tobias von Pein (SPD und damit in der Regierungsverantwortung) und Tobias Koch (CDU und damit in der Opposition) sowie die Kandidaten Christian Schubbert von Bündnis 90/Die Grünen, Carsten Pieck von der FDP und Florian Kauter von der Partei Die Linke. Eva-Maria König von der Piratenpartei hatte zwar zugesagt, musste aber als Hebamme kurzfristig dienstlich zu einer Geburt. Die AfD, so benannte es der Kreisjugendring, habe auf die Anfrage zur Teilnahme nicht reagiert.

In einer sehr gut vorbereitetet und von Fabio Linde locker moderierten Veranstaltung wurden die Kandidaten vornehmlich zu Themen mit Blick auf Kinder und Jugend befragt, eine Fragerunde zur inneren Sicherheit schloss sich an.

Beim Thema Schule wurde klar: Mehr Lehrer und mehr Augenmerk auf individuelles Lernen wollen alle Parteien. Für die Grünen sollte das mit Blick auf den Schulfrieden nicht mit Reformen, sondern mit mehr Personal umgsetzt werden. Die CDU will dafür die Entscheidungen zu G8 und zu der Abschaffung der Schulempfehlung rückgängig machen, CDU und FDP sprechen sich für die Beurteilung mit Schulnoten aus. Mehr Chancengleichheit soll es bei SPD und Linken mit Gemeinschaftsschulen geben, für Kauter heißt das: „Eine Schule für alle“. Auch das Lernen und die verbesserte Ausstattung der Schulen mit digitalen Medien befürworten alle Parteien. Oder die Ausweitung des Faches Wirtschaft und Politik zur Grundbildung in Sachen Demokratie, denn „Demokratie ist jeden Tag bedroht“ beobachtet Tobias von Pein oder „Demokratie wird uns nicht geschenkt“ findet Christian Schubbert.

Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein: Der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) lud Erstwähler zu einer Podiumsdiskussion mit den Landtags-Kandidaten. Blick auf das Podium mit Moderator Fabio Linde. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein: Der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) lud Erstwähler zu einer Podiumsdiskussion mit den Landtags-Kandidaten. Blick auf das Podium mit Moderator Fabio Linde.
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Armut, beitragsfreie Kinderbetreuung, G8 oder G9

Kinderarmut möchten alle bekämpfen durch eine Grundsicherung für Kinder oberhalb der Armutsgrenze insbesondere mit Blick auf Alleinerziehende, deren Kinder besonders häufig von Armut betroffen sind. 7.000 Kinder sind derzeit im Kreis Stormarn von Armut bedroht. Carsten Pieck: „Ein Grundeinkommen für Kinder gewährleistet Chancengleichheit.“ Allerdings: Tobias Koch wies für die CDU darauf hin, dass dies mit dem Bildungs- und Teilhabegesetz und mit einem neuen Programm „Kein Kind ohne Mahlzeit“ bereits umgesetzt sei.

Und während das Ziel von SPD, Grünen und Linken eine beitragsfreie Betreuung in Kindertageseinrichtungen ist, sieht die CDU es als realistisch an, mittelfristig den Elternanteil auf 25 Prozent (heute durchschnittlich 37,5 Prozent) zu senken, während die FDP ihn bei Festbeiträgen von 150 beziehungsweise 200 Euro deckeln möchte. Aber: Tobias Koch verwies darauf, dass die Statistik der Armutsgrenze sich an einer Durchschnittszahl zur Höhe der Einkommen bemesse. Wieviel Armut es tatsächlich im Land gebe, spiegele die Zahl damit nicht wieder.

Videoüberwachung: Zu diesem Thema gab es viele Meinungen

Ein großes Thema war die Videoüberwachung an öffentlichen Plätzen zur inneren Sicherheit. Rückfragen aus dem Saal ließen vermuten, das so mancher mit der Erfassung dieser Daten kein Problem habe, eher mit der Gewährleistung der Sicherung vor Hackerangriffen. Auch Tobias Koch sieht in der Videoüberwachung keinen Eingriff in die persönliche Freiheit und sieht sie als probates Mittel, der „dramatisch veränderten Sicherheitslage in Deutschland“ gerecht zu werden.

Etwas vorsichtiger waren da Tobias von Pein und und Carsten Pieck, die Videoüberwachung in gewissem Rahmen befürworten, die Freiheit des Einzelnen für sein Privatleben aber als wichtigen Wert sehen. Grundsätzlich gegen eine Videoüberwachung sprachen sich Christian Schubbert und Florian Kauter aus, Schubbert: „Die Erkenntnisse aus der Überwachung stehen in keinem Verhältnis zu dem Aufwand.“ Kauter: „Wollen wir es dem Staat ermöglichen, Bilder und Wissen über mich zu speichern? Der gläserne Bürger vor den Behörden und der Obrigkeit ist falsch, ich werde dagegen kämpfen.“

Besser – und da gelangten alle wieder zur Einigkeit – sei die Verbesserung der Ausstattung und der Personalstärke der Polizei. Für mehr Polizistinnen und Polizisten sprachen sich alle aus, nicht unbedingt aber für die Aufrechterhaltung aller Polizeidienststellen – in Stormarn sind davon derzeit drei Polizeidienststellen betroffen. Tobias Koch würde die Polizeistellen belassen, Carsten Pieck sieht den Rückzug aus der Fläche als „falsches Signal“.

Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein: Der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) lud Erstwähler zu einer Podiumsdiskussion mit den Landtags-Kandidaten. Stimmungsbild nach der zweiten Fragerunde zum Thema Jugend. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Landtagswahl 2017 in Schleswig-Holstein: Der Kinder- und Jugendbeirat (KiJuB) lud Erstwähler zu einer Podiumsdiskussion mit den Landtags-Kandidaten. Stimmungsbild nach der zweiten Fragerunde zum Thema Jugend.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Bilanz: Keine leichte Entscheidung

„Man sieht – auch hier sind sich alle einig“ war ein ums andere Mal der Kommentar von Moderator Fabio Linde. Keine leichte Entscheidung also für die Schülerinnen und Schüler und auch die Abstimmung mit Farbkarten nach jeder Themenrunde ließ keine Präferenz erkennen. Demokratie ist halt eine schwierige Sache und nicht immer lassen sich Unterschiede an der Oberfläche einzelner Äußerungen finden. Das dürften die Schüler damit heute unbedingt gelernt haben: Wer wählen will, muss vorher genau hingucken.

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