NDR Bigband in der Elbphilharmonie: Jazz meets Syrien Folk

Hamburg (ve). Ein besonderes Projekt mit syrischen und norddeutschen Musikern war in der Elbphilharmonie zu erleben.

 "Salem Syria" - Konzertprojekt mit syrischen Musiker und der NDR Bigband in der Hamburger Elbphilharmonie. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de


„Salem Syria“ – Konzertprojekt mit syrischen Musiker und der NDR Bigband in der Hamburger Elbphilharmonie.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Wenn Stormarner in der Hamburger Elbphilharmonie spielen, dann ist ahrensburg24.de schon mal gerne dabei. So geschehen bei einem Konzert der NDR Bigband – einige ihrer Mitglieder leben in Stormarn. Und das war nicht irgendein Konzert, sondern neben einem Familienkonzert der erste Auftritt der Band in dem neuen Hamburger Konzertsaal. Geadelt wurde er durch den Zusammenschluss mit syrischen Musikerinnen und Musikern, die die hanseatische Band zu völlig neuen Klängen führte.

„Salem Syria“: Drei Tage Musik aus Syrien

„Salem Syria“ heißt das Festival, das den Rahmen des Konzertes bildete. Bigband-Leiter und Arrangeur Wolf Kerschnek hatte im Vorfeld die Musik auf dem Papier zusammen gebracht. „Das war nicht immer ganz einfach“, gestand er im Gespräch mit ahrensburg24.de ein, „zum Beispiel, wenn ich die Band in die Einleitungen des syrischen Folk einführen wollte.“ Denn die syrische Musik basiert nicht auf dem europäischen Zwölf-Ton-System mit Ganztonschritten und Halbtonschritten, sondern auf dem Makam-System mit neun Untertönen zwischen zwei Ganztönen. Wo soll man sich da harmonisch einordnen? „Das war eine Herausforderung, auch weil diese Einleitungen von den Musikern immer wieder variiert werden“, so Kerschnek, „aber das ist auch das Schöne an der Musik. Ich lasse den Musikern dafür gerne ihre Freiheit in der Interpretation.“

"Salem Syria" - Konzertprojekt mit syrischen Musiker und der NDR Bigband in der Hamburger Elbphilharmonie. Die Sänger Ihbrahim Keivo, Dima Orsho und Ali Assad. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Salem Syria“ – Konzertprojekt mit syrischen Musiker und der NDR Bigband in der Hamburger Elbphilharmonie. Die Sänger Ihbrahim Keivo, Dima Orsho und Ali Assad.
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Da fällt es in der Rhtymik schon sehr viel einfacher. Die Band ließ den orientalischen Percussion-Instrumenten und Rhytmen ihren Raum und fügte sich zum großen Teil ein. Nur an wenigen Stellen gestattete ihr Wolf Kerschnek in vollem Bläser- und Schlagwerk-Satz einen reinen Bigband-Sound. Doch den Musikern des norddeutschen Ensembles gelang wesentlich mehr: Sie haben sich die Spielweise der anderen Kultur teilweise angeeignet, deren Sound und Harmonik übernommen und mit eigenen Stilmitteln ergänzt und mal in offenem Wettstreit, mal in großem Miteinander zu neuen Klangwelten gefunden.

Gesang und Instrumente des Orients bestimmten den Abend. Die Musik der Syrer ist ein Zusammenführen von Gegensätzen – melancholisch und fröhlich zugleich, mal gesetzt und dezent, dann mitreißend tänzerisch. Das Publikum in der ausverkauften Elbphilharmonie ließ sich mitreißen und jubelte begeistert.

Von Syrien aus in die Welt

Doch es steckte noch mehr hinter der Integration von Musik und Nationalitäten. Denn viele der syrischen Musiker leben derzeit als Flüchtlinge jenseits ihrer Heimat. „Wir kennen uns alle vom „Higher Institut for Music“ in Damaskus“, erzählt Ney-Spieler Moslem Rahal im Gespräch mit ahrensburg24.de, doch derzeit lebten sie alle in unterschiedlichen Städte in Europa, er selbst lebt und arbeitet in Barcelona. Zusammen gebracht hat sie alle Michael Dreyer im Rahmen des Festivals „Salem Syria“, das in Hamburg drei Tage lang Musiker und Musik beider Kulturen zusammen führt. Dreyer hat 2005 das Morgenland Festival Osnabrück gegründet, dass die Musikkultur Westasiens nach Deutschland bringt.

Star des Abends war schließlich Ibrahim Keivo. Keivo führte als Musiker in Syrien die Kulturen der Aramäer, Kurden, Jesiden, Assyrer und der Christen zusammen – und musste 2014 fliehen. Seitdem lebt er in Deutschland. Steht er auf der Bühne, ist sein ganzer Körper Musik. Der Sänger trägt mit seinem klaren orientalischen Gesang die Welt des Nahen Ostens in den Saal – und die Stimmung gleich mit. Stillstehen und Zuhören ist seine Sache nicht, er hebt die Arme und tänzelt mit einem Tuch wedelnd zwischen den Instrumentalisten, lockt das Publikum zum Singen und strahlt fortwährend über das ganze Gesicht. Einfach mitreißend.

"Salem Syria" - Konzertprojekt mit syrischen Musiker und der NDR Bigband in der Hamburger Elbphilharmonie. Sänger Ibrahim Keivo verführt Bandleader Wolf Kerschek zum Tanzen. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

„Salem Syria“ – Konzertprojekt mit syrischen Musiker und der NDR Bigband in der Hamburger Elbphilharmonie. Sänger Ibrahim Keivo verführt Bandleader Wolf Kerschek zum Tanzen.
Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de