Klimaveränderungen in Schleswig-Holstein: Wärmer, nasser und ein höherer Meeresspiegel

0

Kiel (ve/pm). Der Klimawandel ist in Schleswig-Holstein bereits festzustellen und er wird sich künftig weiter auf das Land auswirken. Davon geht das Umweltministerium Schleswig-Holstein aus.

Meldung der Landesregierung oder des Landtags Schleswig-Holstein. Foto: © lupo / pixelio.de

Meldung der Landesregierung oder des Landtags Schleswig-Holstein.
Foto: © lupo / pixelio.de

Dem Ministerium liegt der Klimareport des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) vor, den Umweltminister Robert Habeck und der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes, Dr. Paul Becker, am heutigen Montag in Kiel vorstellten.

„Der Klimawandel ist auch in Schleswig-Holstein in vollem Gange und nahezu jeder Lebensbereich ist betroffen“, sagte Becker. Umweltminister Habeck betonte: „Es ist bereits wärmer und nasser geworden, der Meeresspiegel ist angestiegen und die Vegetationsperioden haben sich verändert. Das wird zunehmen. Um die Auswirkungen möglichst einzudämmen, müssen wir mit aller Kraft Energiewende und Klimaschutz vorantreiben – hier im Land genauso wie global. Die weltweit vereinbarten Klimaziele sind bitter notwendig und müssen uns alle binden.“

In dem Bericht werden die Entwicklung des Klimas, seine Variabilität und seine Extreme über lange Zeiträume in Schleswig-Holstein beschrieben. Demnach ist es seit 1881 um 1,3 Grad Celsius wärmer geworden. Gleichzeitig nahm die Anzahl der Frosttage (tägliche Tiefsttemperatur kleiner als 0 Grad) ab und die der Sommertage (Tageshöchsttemperatur mehr als 25 Grad) zu. So sei zum Beispiel die Zahl der Sommertage im langjährigen Jahresmittel von 15 in der Referenzperiode 1961-1990 um 5 Tage auf 20 Tage im Zeitraum 1981-2010 gestiegen, sagte DWD-Vizepräsident Becker. Zeitgleich ist die Zahl der Frosttage um 8 auf 68 zurückgegangen und es bestünde ein Trend zur stärkeren Ausprägung der Starkregenereignisse.

Gleichzeitig wurde es in Schleswig-Holstein nasser. Das 30-jährige Gebietsmittel der Jahressummen des Niederschlags betrug im Zeitraum 1961-1990 noch 789 Millimeter. Im Zeitraum 1981-2010 waren es schon 823 Millimeter, also 34 Millimeter mehr. Zudem stieg der Meeresspiegel in den letzten 100 Jahren um etwa 20 Zentimeter in der Deutschen Bucht und um etwa 14 Zentimeter an der deutschen Ostseeküste.

Diese Entwicklungen werden sich fortsetzen Den Klimamodellen zufolge ergibt sich für Schleswig-Holstein je nach gewähltem Szenario eine Erhöhung der Jahresmitteltemperatur von mindestens 1 Grad Celsius bis hin zu mehr als 4 Grad in den nächsten 100 Jahren. Eine Änderung von nur 1 Grad ist laut den Klimamodellen nur bei deutlicher Reduktion der Emission von Treibhausgasen möglich. Bei weiterem Wirtschaftswachstum mit dem Verbrauch von fossilen Ressourcen und weiterhin hohen Treibhausgasemissionen ist eine Änderung von 3 bis 4 Grad zu erwarten. Damit verbunden wird die Anzahl der Frosttage weiter abnehmen, während die Zahl der Sommertage und auch die der heißen Tage zunehmen wird.

Verbunden mit der Temperaturzunahme werden sehr wahrscheinlich die jährlichen Niederschlagsmengen weiter zunehmen. Die Anzahl der Tage mit mindestens zehn Liter Niederschlag je Quadratmeter wird sich nach den Ergebnissen der Klimaprojektionen erhöhen.

Ein Anstieg der Lufttemperatur führt zum verstärkten Schmelzen von Gletschern und dadurch zu einem beschleunigten Anstieg der Meeresspiegel, auch an den Küsten Schleswig-Holsteins. Wie im fünften Sachstandsbericht des UNO-Klimagremiums IPCC dargestellt, ergeben Modellrechnungen einen weltweiten Anstieg zwischen 26 und 55 Zentimeter für dieses Jahrhundert, allerdings nur beim sofortigen Umsetzen der Klimaschutz-Strategien. Mit dem Weiter-wie-bisher-Szenario geben die Rechnungen eine Bandbreite von 52 bis 98 Zentimetern an. Neuere Rechnungen halten sogar noch höhere Werte für nicht ausgeschlossen.

Der Klimawandel wird sich auch auf die Ökosysteme auswirken, wie der Bericht weiter deutlich macht. „Der Vorfrühling tritt heute schon etwa zweieinhalb Wochen früher als noch vor wenigen Jahrzehnten ein. Damit werden aber die Wechselbeziehungen zwischen Pflanzen und Tieren negativ beeinflusst“, sagte der Direktor des LLUR, Matthias Hoppe-Kossak. Beispielsweise wirke sich das auf die Bestäubung aus, wenn die Insekten die Vorverlagerung nicht übernehmen, weil sie auf eine gewisse Tageslänge reagieren.

Hinweis: Den vollständigen Klimareport finden Sie auch im Internet unter www.deutschesklimaportal.de.

Quelle: Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren