Junger Wirtschaftsrat: Was brauchen Existenzgründer?

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Ahrensburg (ve). Arbeitsplätze gibt es reichlich in Unternehmen. So scheinen viele zu denken und vergessen dabei, woher diese Arbeitsplätze eigentlich kommen.

Treffen des Jungen Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein in Ahrensburg im Haus der Wirtschaft. Gastgeber, Gastredner und Gäste: Michael Eich und Stefanie Huppmann von der Haspa, Finn Plotz und Lars Osterhoff vom Jungen Wirtschaftsrat (hinten stehend), Holger Zervas von der Mittelständische Beteili- gungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH (rechts) sowie Startup-Gründer Olaf Birkner (vorne stehend). Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Treffen des Jungen Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein in Ahrensburg im Haus der Wirtschaft. Gastgeber, Gastredner und Gäste: Michael Eich und Stefanie Huppmann von der Haspa, Finn Plotz und Lars Osterhoff vom Jungen Wirtschaftsrat (hinten stehend), Holger Zervas von der Mittelständische Beteili- gungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH (rechts) sowie Startup-Gründer Olaf Birkner (vorne stehend).
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Die Bereitschaft, ein Unternehmen zu gründen, ist stark gesunken. Das hat der Junge Wirtschaftsrat, ein Einrichtung der CDU, jetzt zum Thema eines Treffens von jungen Unternehmen sowie Vertretern von Banken und dem Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein gemacht.

Unternehmensgründung: Die Zahlen gehen zurück

Nach einer Statistik des Handelsblattes wurde im Jahr 1997 450.000 Unternehmen bundesweit gegründet, im Jahr 2016 waren es dagegen 265.000. Nach Zahlen der Kreditanstalt für Wiederaufbau hat die Bank in 2014 915.000 Unternehmen gefördert, 2015 waren es 760.000. Diese Zahlen wurden von Gastredner Holger Zervas, Geschäftsführer der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Schleswig-Holstein mbH, auf dem Treffen genannt.

Die Bereitschaft in Deutschland selber ein Unternehmen zu gründen, sei schwach ausgeprägt, hat Zervas beobachtet. Eine Umfrage unter Eltern habe ergeben, dass zwei Drittel der Eltern ihren Kindern nicht empfehlen würde, sich selbstständig zu machen. Für die Kinder wiederum, heute zum Teil Mitglied der Generation Y, sei häufig die Sicherheit am Arbeitsplatz und eine ausgeglichene Work-Life-Balance wichtiger, als das Entrepreneurship.

Treffen des Jungen Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein in Ahrensburg im Haus der Wirtschaft. Foto:Monika Veeh/ahrensburg24.de

Treffen des Jungen Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein in Ahrensburg im Haus der Wirtschaft.
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Das Problem: Auch viele Arbeitsplätze von heute gibt es nur durch mutige Unternehmensgründer von damals. Eine Volkswirtschaft, die keine neuen Unternehmen gründet, verhindert auch ihre Weiterentwicklung in einer sich verändernden Welt der Technik und Technologien. Die deutsche Wirtschaft beschneidet sich, fehlen Unternehmensgründungen, ihrer eigenen Zukunft und Wettbewerbsfähigkeit.

Veranstaltung des Jungen Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein

Der Junge Wirtschaftsrat Schleswig-Holstein unter dem Vorsitz von Lars Osterhoff hat Antworten gesucht auf die Frage, was junge Leute daran hindert, ein Unternehmen zu gründen. Stefanie Huppmann, Leiterin StartUp, Unternehmensbereich Mittelstand, der Hamburger Sparkasse AG (Haspa), betreut viele Unternehmensgründer und wußte Antworten.

Zum einen würden Wirtschaft und Hochschulen nicht über die gegenseitigen Tellerränder schauen. So gäbe es kaum Lehrstühle für Unternehmensgründung an Hochschulen, keine Interdisziplinären Aufbaustudiengänge und insgesamt zu wenig Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Universität, so Huppmann. Auch neue Lernmethoden wie das Design Thinking fänden an den Hochschulen nur wenig Berücksichtigung. Sogar an den Schulen könnte da mehr getan werden, ergänzte Huppmann, mindestens durch die Einrichtung eines Faches für Finanzen und Unternehmertum oder sogar durch Einrichtung technologischer Fächer wie Programmiersprache als Hauptfach.

Forderungen an Wirtschaft, Hochschulen und Politik

Doch auch die Wirtschaft könne mehr leisten. Unternehmen könnten sich jungen Unternehmensideen stärker öffnen, sie fördern oder Beratung und Begleitung bieten. Inkubatoren und Acceleratoren sind da die Stichworte, Fachleute aus der Wirtschaft, die ihr Wissen jungen Unternehmen zugute kommen lassen. „Es ist schon bezeichnend“, betonte auch Dr. Bertram Zitscher, Landesgeschäftsführer des Wirtschaftsrates, auf dem Treffen, „dass es in Schleswig-Holstein keine Inkubatoren gibt.“ Inkubatoren oder auch Business Angel unterstützen die Jungunternehmer durch Coaching und Beratung. Acceleratoren helfen in ähnlicher Weise dabei, das neue Unternehmen schnell an den Markt zu bringen. „Accelere“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „schneller werden“.

Und schließlich die Politik: Sie sei gefordert, so Huppmann, ein Umfeld zu gestalten, in dem Unternehmensgründungen erfolgen könnten. So sei ein großes Hindernis für Unternehmensgründung die Überregulierung und starke Bürokratisierung oder die Beschaffung von Kapital.

Wichtig sei es auch, wurde auf der Versammlung deutlich, für die Jung-Unternehmern selber ein entsprechendes Umfeld zu gestalten. Das betreffe nicht nur die Chance, sich auszutauschen und von den Erfahrungen anderer zu profitieren. Dafür könnten zum Beispiel Räume in Form von gemeinsamen Büros geschaffen werden. Es betreffe aber auch ein Selbstverständnis der Volkswirtschaft, die das Scheitern zulassen müsse. „Es kann nicht sein“, betont Holger Zervas, „dass es sich nachhaltig negativ im Lebenslauf darstellt, wenn eine Unternehmensgründung gescheitert ist.“

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