Musik für Flüchtlinge: Jubel im Saal zur Musik aus Syrien MIT VIDEO

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Ahrensburg (ve). So kann es gehen, wenn Kulturen zusammen kommen – mit Musik.

Konzertabend "Musik für Flüchtlinge" des Freundeskreises für Flüchtlinge und des Kulturvereins Marstall. Die Schwestern Johanna (am Klavier) und Carolin Zimmermann singen gemeinsam. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Konzertabend „Musik für Flüchtlinge“ des Freundeskreises für Flüchtlinge und des Kulturvereins Marstall. Die Schwestern Johanna (am Klavier) und Carolin Zimmermann singen gemeinsam.
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Beim Konzertabend „Musik für Flüchtlinge“, veranstaltet vom Freundeskreis für Flüchtlinge und dem Kulturzentrum Marstall, erfolgte Völkerverständigung über Musik. Etwa 150 Gäste in der Reithalle des Marstall jubelten zur Musik der Jazzcombo und der Soulbridges.

Besonders aber wurde es beim Auftritt des syrischen Gitarristen Hani Zeada und des Klarinettisten Samer Badwe. Denn der Auftritt begann zwar als Konzertvortrag, doch er wurde schnell zum Gesamtchor. Nach wenigen Strophen des ersten Liedes summten die ersten syrischen Gäste im Saal mit, schließlich sangen immer mehr Menschen im Saal mit. Es hat nur wenig gefehlt und die Syrer hätten den ganzen Saal zum Tanzen gebracht.

Konzertabend "Musik für Flüchtlinge" des Freundeskreises für Flüchtlinge und des Kulturvereins Marstall. Der Gitarrist Hani Zeada und der Klarinettist Samer Badwe. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Konzertabend „Musik für Flüchtlinge“ des Freundeskreises für Flüchtlinge und des Kulturvereins Marstall. Der Gitarrist Hani Zeada und der Klarinettist Samer Badwe.
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Und das, obwohl etwa zwei Drittel der Besucher an diesem Abend Deutsche waren. Sie waren gekommen, auch um mit ihrem Eintrittsgeld das Musikprojekt des Freundeskreises für Flüchtlinge zu fördern. Dahinter steckt die musikalische Arbeit für Flüchtlinge auf Initiative von Carolin Zimmermann. Sie möchte es deutschen und ausländischen Musikfreunden ermöglichen, gemeinsam Musik zu machen und Ensembles zu gründen. Eine entsprechende Informationsveranstaltung war für den Nachmittag des gleichen Tages geplant gewesen, doch es kamen keine Interessenten. Erfolgreicher war da schon der Aufruf Musikinstrumenten zu spenden, ein Akkordeon, eine Geige und weitere Instrumente wurden gespendet.

Und noch eine Gruppe überraschte an diesem Abend: acht junge syrische Männer – einer fehlte allerdings bei der Vorstellung auf der Bühne. Sie hatten sich in der Gemeinschaftsunterkünften, die zunächst in der Fritz-Reuter-Schule und in den ehemaligen Räumen des Technischen Hilfswerkes eingerichtet waren, kennen gelernt. Nun stellten sie sich zusammen auf die Bühne und riefen in den Saal: „Wir wollen etwas zurück geben an die Deutschen und bieten unsere Hilfe an!“ Ob Hilfe beim Umzug, um Garten oder bei vielen anderen Gelegenheiten – die Syrer möchten sich gerne engagieren. Und damit alle wissen, wer sie sich, stellten sie sich einzeln vor. Der Kontakt zu den syrischen Männern ist über den Freundeskreis für Flüchtlinge möglich.

Konzertabend "Musik für Flüchtlinge" des Freundeskreises für Flüchtlinge und des Kulturvereins Marstall. Sieben junge Männer aus Syrien bieten ihre Arbeit an, sie wollen die Hilfe, die sie erfahren haben, zurück geben und stellen sich einzeln vor. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Konzertabend „Musik für Flüchtlinge“ des Freundeskreises für Flüchtlinge und des Kulturvereins Marstall. Sieben junge Männer aus Syrien bieten ihre Arbeit an, sie wollen die Hilfe, die sie erfahren haben, zurück geben und stellen sich einzeln vor.
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Von 18 Uhr bis kurz vor 22 Uhr ging das Programm, den Abschluss machte das Konzert von den Soulbridges. Die Eintrittsgelder der gut 80 zahlenden Gäste – Flüchtlinge und Instrumentenspender hatten freien Eintritt – und der Erlös vom Verkauf von Getränken und Speisen sollen in die musikalische Arbeit des Freundeskreises für Flüchtlinge einfließen. „Dabei wird es wahrscheinlich zunächst so sein“, sagt Freundeskreis-Vorsitzender Axel Fricke, „das wir Musikunterricht vermitteln können.“ Mit dem Ergebnis dieses Abends sei der Verein „sehr zufrieden“, so Fricke.

Der Freundeskreis für Flüchtlinge hat zudem jüngst auf einer Vollversammlung auf die aktuelle Situation in Ahrensburg hingewiesen. 600 Flüchtlinge werden derzeit von 300 Paten betreut. Der große Teil ihres Engagements betrifft den Deutschunterricht, die Fahrrad- und die Nähwerkstatt, Hausaufgabenhilfe und Freizeitangebote. Aus dem Kreis der Flüchtlinge sind inszwischen 30 Übersetzer hervorgegangen. Der Verein selber hat derzeit 50 Mitglieder.

Neu für den Verein ist, dass er mit der Anstellung im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes (Bufdi) über Personal verfügt, dass die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer unterstützt. Derzeit ist ein Bufdi tätig, nach den Sommerferien sollen es zwei werden.

Doch die Arbeit des Vereins ändert sich. Die Betreuung der Flüchtlinge durch die Paten verändert sich in dem Maße, wie die Menschen in die deutsche Gesellschaft finden. So steht derzeit die Vermittlung von Praktikumsplätzen oder die Suche nach Wohnungen im Fokus. Die Zahl der neu Ankommenden ist stark gesunken, deswegen sei es weniger problematisch, dass nur wenige neue Freiwillige sich zu einer Patenschaft bereit erklären, stellt der Verein fest. Derzeit wird es stärker zum Thema werden, dass die Flüchtlinge ihre Familien nach Ahrensburg holen und so die Betreuung der Familien erfolgen muss. Die Stadtverwaltung geht davon aus, dass durch diesen Nachzug im Laufe des Jahres 2017 etwa die Kapazität der Unterkunft am Kornkamp erreicht werden könnte, die derzeit nur von einigen Flüchtlingen bewohnt wird.

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