Boomtown Ahrensburg? Die Hagener wehren sich gegen zu viele Neuansiedlungen

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Ahrensburg (ve). Die Stadt Ahrensburg ringt um Wohraum. Akut und in den kommenden Jahrzehnten. Doch die Debatte im Flächennutzungsplan treibt die Bürger zum Protest – und gestern Abend 150 Ahrensburger in die Stadtverordnetenversammlung.

Großes Interesse an der Entwicklung in Ahrensburgs Süden: Rund 150 Ahrensburgerinnen und Ahrensburger kamen zur Stadtverordnetenversammlung, um die für den neuen Flächennutzungsplan angedachten Planungen zu kritisieren. Foto:ahrensburg24.de

Großes Interesse an der Entwicklung in Ahrensburgs Süden: Rund 150 Ahrensburgerinnen und Ahrensburger kamen zur Stadtverordnetenversammlung, um die für den neuen Flächennutzungsplan angedachten Planungen zu kritisieren.
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Dicht gedrängt saßen und standen sie in der Reithalle des Marstalls, selten sind derart viele Besucherinnen und Besucher auf einer Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zu erleben. Mit verschränkten Armen und nicht nur freundlichen Gesichtern blickten sie auf die Versammlung, baten um und forderten Antworten auf ihre Fragen zu Entwicklung ihres Wohnortes.

Ahrensburg muss Grundstücke für neuen Wohnraum finden, dazu ist die Stadt gegenüber dem Kreis Stormarn und dem Land Schleswig-Holstein als Mittelzentrum verpflichtet. Das Instrument dazu ist der Flächennutzungsplan, in dem Gebiete auch mittel- und langsfristig für Neubausiedlungen benannt werden sollen. Als nun Planungen für Ahrensburgs Süden dort benannt wurden, horchten die Einwohnerinnen und Einwohner im Hagen auf.

Mit diesem Flugblatt rief der Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV) die Ahwohner in Ahrensburgs Süden dazu auf, zur Stadtverordnetenversammlung zu kommen. Foto:ahrensburg24.de

Mit diesem Flugblatt rief der Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV) die Ahwohner in Ahrensburgs Süden dazu auf, zur Stadtverordnetenversammlung zu kommen.
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Ahrensburgs Süden: Nicht für Wachstum geeignet?

„Das ist eine überproportionale Belastung von Ahrensburgs Süden“, benennt es der Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV). Der Verein rief in einem Flugblatt dazu auf, diese Meinung gegenüber den Mitgliedern der Stadtverordnetenversammlung kund zu tun – und 150 Einwohner folgten der Einladung. Jürgen Siemers vom Vorstand formulierte der Verwaltung gegenüber die drängenden Fragen – zwölf an der Zahl.

Darin geht es um Kommunikation und Bürgerbeteiligung, um Informationsweitergabe an Betroffene und Dokumentation erfolgter Beschlüsse oder Planungen. Aber es geht vor allem auch um Inhalte.

So kritisiert der Hagen, dass die Wohnbaugebiete in Ahrensburgs Süden nicht für Zuwachs ausgelegt seien und nicht zuletzt die Infrastruktur überfordert sein werde. Die Bewohner haben Angst davor, die dann entstehenden Folgekosten finanzieren zu müssen. Kritik üben die Hagener daran, dass in Folge einer Zukunftswerkstatt zwar das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) erstellt worden ist, in dem die Vorgabe des „behutsamen und moderaten Wachstums“ bestehe. Die Hagener jedoch bezweifeln massiv, dass die Umsetzung der Planungen noch als „behutsames Wachstum“ zu verstehen sei. „Wo liegt aus Sicht der Stadtplaner das Bevölkerungslimit in den kommenden 20 Jahren bei gleich bleibender Wohn- und Lebensqualität?“, fragen sie.

Zwölf Fragen des Grundeigentümervereins – zwölf Antworten der Verwaltung sollen folgen

Die zwölf Fragen wurden im Rahmen der Einwohnerfragestunde an die Verwaltung gestellt. Nun wird diese  schriftliche Antworten erarbeiten. Zugesagt wurde auf der Versammlung, dass diese Antwort so rechtzeitig erfolge, dass eine inhaltliche Bewertung seitens des Vereins noch vor der nächsten Stadtverordnetenversammlung Ende April erfolgen könne. „Dann sind wir wieder da“, betonte Jürgen Siemers.

Warnt davor, das weitere Wohnbebauung in Ahrensburgs Süden dem Stadtteil schaden könnte: Jürgen Siemers als Vertreter des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV). Foto:ahrensburg24.de

Warnt davor, das weitere Wohnbebauung in Ahrensburgs Süden dem Stadtteil schaden könnte: Jürgen Siemers als Vertreter des Bürger- und Grundeigentümerverein Waldgut Hagen (BGV).
Foto:ahrensburg24.de

Nach Ende der Einwohnerfragestunde verließen die 150 Ahrensburgerinnen und Ahrensburger die Versammlung wieder. Und diese Bemerkung sei nebenbei erlaubt: Wenn Sie denn schon mal da sind, liebe Ahrensburgerinnen und Ahrensburger, hätten Sie auch noch ein paar Minuten bleiben können und die Arbeit der Stadtverordneten einmal beobachten können. Keiner erwartet, dass Sie zu jeder Sitzung kommen und jeder versteht, dass Sie in erster Linie kommen, wenn Sie direkt betroffen sind. Aber war die massenhafte Abwanderung – direkt nachdem Ihr Tagesordnungspunkt abgearbeitet war – wirklich nötig?

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3 Kommentare

  1. Andreas Hausmann on

    Der Hagen wacht auf…
    Liebe Nachbarn aus dem gleichen Stadtteil, in dem ich auch wohne: Warum bemerkt ihr erst jetzt, dass im Süden Ahrensburgs große Potentialflächen zur Bebauung ausgewiesen werden könnten??
    In der kleinen Dorfpostille – Hagener Bote (zugegeben, mit der ZEIT, der WELT oder dem ABENDBLATT kaum zu vergleichen…) habe ich bereits im Juni 2015 (http://www.hagener-bote.de/pages/archive.php?y=2015&m=6) sowie nochmals im Dezember 2016 (http://www.hagener-bote.de/pages/archive.php?y=2016&m=12) darüber etwas geschrieben und die möglichen Folgen aufgezeigt.
    Natürlich fehlen dann auf einen Schlag
    – Schulplätze (wo bleibt die Modernisierung der GS Am Hagen)
    – Hortplätze (total ausgereizt gegenwärtig
    – Kitaplätze (derzeit gut belegt)
    – Nahversorgung (Danke, dass EDEKA-Strehl wenigstens im Ortsteil ist!!)
    – Wo bleibt die notwendige Verkehrsberuhigung (nicht Südtangente, die brauchen wir dann nicht – der Verkehr würde bei mehr Bebauung sowieso radial auf eine Umgehung hinrollen und ebenjene ad absurdum führen)
    Keine Sorgen mache ich mir bei der Freizeitgestaltung und Erholung:
    + Ein Weltklasseverein mit guter Ausstattung (SSC…)
    + Ein Top Jugendtreff / auch für Kinder … mit
    + … klasse Treffpunktfunktion fürs Viertel
    + Ein schöner Hagener Wald direkt „im Viertel“… sowie
    + … ein großzügiges Erholungsgebiet „Höltigbaum“ im „Staate“ nebenan…

    Nebenbei: Die Gestaltung und Arbeit des Flächennutzungsplanes geschieht schon seit fast sechs Jahren und ich habe dort auch schon manch‘ eine lustige Runde Bau- und Planungsausschuss miterlebt, um als Bürger mitreden zu können.

    Hier mal die Internetadresse, damit sich alle Hagener etwas updaten können:
    http://www.fnp-ahrensburg.de/
    … ist allerdings nicht mehr sehr gepflegt und kaum auf dem aktuellen Stand …

    Gruß vom Nachbarn aus dem Südosten

  2. Jochen Proske on

    Bitte keine Pauschalisierungen… Es waren viele Bürgerinnen und Bürger aus dem Ahrensburger Süden da, aber nicht „der Hagen“. Auch wenn es mühsam ist und den Lesefluss behindert…

    • Hallo Herr Proske, danke für den Hinweis! Im Text habe ich es durchaus so benannt, die Überschrift ist verkürzt. Beste Grüße, Monika Veeh

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