Gleichstellungsbeauftragte: Künftig ist es eine Teilzeit-Stelle

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Ahrensburg (ve). Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt wird in Zukunft nur noch in Teilzeit arbeiten. Das hat die Stadtverordnetenversammlung gestern beschlossen.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahrensburg, Gabriele Fricke, bei ihrem letzten Jahresbericht vor der Stadtverordnetenversammlung. Foto:ahrensburg24.de

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahrensburg, Gabriele Fricke, bei ihrem letzten Jahresbericht vor der Stadtverordnetenversammlung.
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Es war eine knappe Entscheidung mit 15 Ja-Stimmen von CDU, FDP und WAB und 13 Nein-Stimmen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Und eine Entscheidung, zu der die Verordneten erst nach einer ausführlichen Debatte mit allerei Themen rund um die Gleichstellung von Mann und Frau gekommen sind.

Frage zur Gleichstellung: Landesvorgaben und Arbeitsplatzbeschreibung

Ein neues Gesetz der Landesregierung pfuschte den Stadtverordneten quasi ins Handwerk, denn es regelt auch die Arbeitszeit einer Gleichstellungsbeauftragten. Allerdings nur „grundsätzlich“. Juristen wissen, was dieses Wort in einem Gesetzestext bedeutet – es ist ein Weichmacher. Die Befürworter der Arbeitszeitverkürzung sehen darin die Chance, uneingeschränkt kommunal Vorgaben erstellen zu können. Die Gegner der Arbeitszeitverkürzung sehen es als erforderlich an, sich an die Vorgaben vom Land zu halten. „Sonst hätte sie das Gesetz ja nicht erlassen“, kam es von Seiten der SPD. „Wenn sie es unbedingt wollten, hätten sie das Wort ‚grundsätzlich‘ nicht eingebaut“, entgegnete da die CDU.

Das war der eine Streit – welches Gesetz gelte und wie werde es am besten angewendet. Anderen ging es um die Arbeitsplatzbeschreibung. Gehört zur Aufgabe der Gleichstellungsbeauftragten die Arbeit in Kommune und Gesellschaft, die Öffentlichkeitsarbeit und mehr? „Nein“, sagt Thomas Bellizzi, Fraktionsvorsitzender der FDP, die Aufgabe der Beauftragten sei es, die Gleichstellung von Mann und Frau in der Verwaltung zu befördern – und dazu reiche eine halbe Stelle. Für Detlev Levenhagen von der CDU war die Sache ganz einfach: „Die Verwaltung kann am besten beurteilen, wieviel Arbeitszeit die Stelle braucht. Ich vertraue daher ihrem Vorschlag, die Arbeitszeit zu reduzieren.“

Grüne: „Was ist und Gleichstellung wert?“

Das sahen Hartmut und Marleen Möller von der SPD oder Christian Schmidt von Bündnis 90/Die Grünen ganz anders, sie betonten, dass die Arbeit nur in Vollzeit zu bewältigen wäre. Schmidt: „Was ist uns das Thema Gleichstellung wert? Das ist die Frage heute Abend. Wir reden uns nicht raus mit Formalien zu Gesetzestexten. Ahrensburg kann heute Abend ein Zeichen setzen zum Thema Gleichstellung, die SPD und die Grünen sagen ‚ja‘, die Aufgaben haben sich gewandelt und sie müssen bearbeitet werden.“

Verabschiedung der Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Fricke: Bürgermeister Michael Sarach und Bürgervorsteher Roland Wilde (von links) bedanken sich bei Gabriele Fricke. Foto:ahrensburg24.de

Verabschiedung der Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Fricke: Bürgermeister Michael Sarach und Bürgervorsteher Roland Wilde (von links) bedanken sich bei Gabriele Fricke.
Foto:ahrensburg24.de

Vorausgegangen war am Abend der letzte Bericht der bis Freitag amtierenden Gleichstellungsbeauftragten Gabriele Fricke. Sie geht zum 1. April 2017 in den Ruhestand. „Es war eine tolle Zeit“, sagte sie vor der Stadtverordnetenversammlung, während der sie um Vieles hart habe kämpfen müssen. Ermöglichung von Kinderbetreuung zum Beispiel, die Erleichterung des Wiedereinstieges in den Beruf für Mütter nach der Familienphase, die Errichtung eines Frauenhauses, um von Gewalt bedrohten Frauen zu helfen. „Das war es für heute für mich“, so Fricke zum Abschluss, „danke für die Zeit und ich wünsche, dass meine Nachfolgerin eine Vollzeitstelle bekommt.“

Berichte zur Gleichstellungsbeauftragteb

Für ihren Bericht gab es nicht nur Applaus im Saal, sondern jede Fraktion außer der FDP bedankte sich mit einer kurzen Dankesrede. Monja Löwer zum Beispiel von Bündnis 90/Die Grünen: „Es war spannend, das Thema Gleichstellung aus politischer Sicht mitzumachen, es war eine sehr angenehme Zeit.“ Ob es jetzt gelinge, das Thema Männer mehr in den Vordergrund zu rücken, fragte sie. Oder Hartmut Möller von der SPD: „Bewundernswert, wie Sie die Sysiphus-Arbeit in der Verwaltung und die vielfältige Tätigkeit bewältigt haben – dafür danke!“.

„Wir haben den Vorgaben zur Kinderbetreuung immer zugestimmt und entsprechende Beschlüsse gefasst“, so Tobias Koch, Fraktionsvorsitzender der CDU, „und eine Verwaltung ohne Diskriminierung ermöglicht. Ihre Leidenschaft für Frauen einzutreten – das können Sie ja auch privat weiterleben.“ Dustin Holzmann von der WAB brachte einen anderen Aspekt im Anschluss an seinen Dank: „Die Rolle in der Familie zwischen Mutter und Vater gleicht sich immer weiter aus, da sind wir schon sehr weit gekommen. Vieles muss gesellschaftlich passieren, aber dazu werden die Gleichstellungsbeauftragten heute nicht so stark gebraucht, wie sie früher nötig waren.“

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