Ministerpräsident Torsten Albig (SPD): „Für eine gerechte, solidarische und starke Zukunft“

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Ahrensburg (ve). Eine nahezu familiäre Atmosphäre kennzeichnet einen Auftritt von Ministerpräsident Torsten Albig gestern Abend in Ahrensburg.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stellt sich den Wählerinnen und Wählern bei einer Diskussionsveranstaltung im Schulzentrum am Heimgarten. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stellt sich den Wählerinnen und Wählern bei einer Diskussionsveranstaltung im Schulzentrum am Heimgarten.
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Die SPD Stormarn und der Landtagsabgeordnete Tobias von Pein (SPD) hatten zu dieser Veranstaltung in das Schulzentrum am Heimgarten geladen. Im Marstall war gerade kein Platz – dort tagte die Stadtverordnetenversammlung. Etwa 50 Interessierte waren der Einladung gefolgt, machten es sich auf den Stufen im Forum des Schulzentrums gemütlich und erlebten einen Ministerpräsidenten und Landtagsabgeordneten fast wie auf dem heimischen Sofa.

Torsten Albig: Keine Abschiebung aus Schleswig-Holstein nach Afghanistan

Ein Plauderton herrschte vor während der gut anderthalb-stündigen Veranstaltung. Befragt von Moderatorin Cosima Schmitt sinnierten von Pein und Albig über Werdegang, Biografien und Landespolitik. Die kommodige – würde es plattdeutsch heißen – Atmosphäre ermöglichte persönliche Statements. Nur einmal wurde Torsten Albig leidenschaftlich – zum Thema Abschiebung nach Afghanistan. In diesem Punkt stellt er sich gegen die Politik des Bundesaußenministers, „mit aller Macht, die ich habe“, so Albig. Alle Verbände und Kirchen sagten ihm, „macht keine Abschiebungen, Afghanisten ist kein sicheres Land“.

Abschiebungen seien ein Signal an den Rechtsextremismus, dem er nicht folgen wolle, argumentierte der Ministerpräsident. „Ich finde es mutiger“, so Albig, „den Menschen hier eine Perspektive zu bieten, damit sie eines Tages zurück gehen können – was alle wollen. Aber sie wollen nicht jetzt zurück, um dann dort zu sterben. Sie könnten hier unsere Werte, unsere Sprache und Berufe lernen und damit Afghanisten später wieder aufbauen.“ Das halte er im übrigen, sagte er mit Blick auf die CSU, auch für christlicher. In diesem Zusammenhang sprach er sich auch für eine doppelte Staatsbürgerschaft und für ein Wahlrecht auf kommunaler Ebene aus.

Der Ministerpräsident zu Chancengleichheit und Bildngspolitik

Torsten Albig beschrieb seine Herkunft aus einem – heute würde man sagen – bildungsfernen Haushalt. Sein Vater war Soldat in niedriger Laufbahn, seine Mutter arbeitete als Kellnerin und Verkäuferin ohne Ausbildung. „Mir war es bestimmt nicht ins Stammbuch geschrieben“, sagte während des Abends, „dass ich eines Tages Ministerpräsident werde.“

Diese Herkunft habe ihn geprägt und bestimme seine politischen Entscheidungen. Dazu gehöre die Chancengleichheit bei Bildung und am Arbeitsmarkt, dazu gehöre die Frage der Entlohnung bestimmter Berufe. Insbesondere blickte er dabei auf Pflegeberufe, deren Entlohnung nur selten einen auskömmlichen Lebensstandard erlaubten. Albig: „Es ist eine groteske Verzerrung von gesellschaftlicher Bedeutung.“ Da, wo es um Menschen gehe, von er Grundschullehrerin bis zur Altenpflegerin, fließe weniger Geld und die Löhne und Gehälter seien geringer, als da, wo es etwa um Brücken und Straßen gehe. Doch Albig ist klar: „Dies zu drehen, wird eine riesen Kraftanstrengung sein.“

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stellt sich den Wählerinnen und Wählern bei einer Diskussionsveranstaltung im Schulzentrum am Heimgarten. Blick in das Forum des Schulzentrums. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stellt sich den Wählerinnen und Wählern bei einer Diskussionsveranstaltung im Schulzentrum am Heimgarten. Blick in das Forum des Schulzentrums.
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Seine eigene Geschichte und die seiner beiden Kinder schilderte Albig ausführlich und zeichnete damit auch seine Bildungspolitik nach. „Ein Berichtszeugnis kann Kindern und Eltern in manchen Situation viel deutlicher die Entwicklung eines Kindes erläutern, als schlichte Zahlen“, betonte er ein ums andere Mal aus eigener Erfahrung. Die Koalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und SSW hat es den Grundschulen ermöglicht, Zeugnisse als Berichte zu verfassen und auf Schulnoten zu verzichten.

Dahinter steht für Albig die Maxime des Förderns statt Forderns. Eine positive Beförderung des Potenzials eines Schülers würde die Entwicklung besser stärker, als das Urteil einer möglicherweise schlechten Note. So hält Albig den mannigfaltigen Weg der Gemeinschaftsschule, der Gymnasien, von G8 oder G9 in Schleswig-Holstein für richtig. „Die Kinder sollen am Ende ihren Weg gehen können“, betonte Albig.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stellt sich den Wählerinnen und Wählern bei einer Diskussionsveranstaltung im Schulzentrum am Heimgarten. Foto:©Silke Mascher/ahrensburg24.de

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) stellt sich den Wählerinnen und Wählern bei einer Diskussionsveranstaltung im Schulzentrum am Heimgarten.
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300.000 Kilometer Landesstraßen müssen saniert werden

Dann blickte der Ministerpräsident auf Landesthemen. Verkehr zum Beispiel. „Wir sind es, die das größte Projekt des Ausbaus der Autobahn 7 in Angriff genommen haben zusammen mit Hamburg“, sagte Albig auch mit Blick auf die CDU, die der Koalition Verzögerung beim Straßenbau vorwirft. Der Ausbau der Autobahn 20 wiederum könne nicht in Angriff genommen werden, weil die Vorgängerregierung die Planungen nicht ausreichend vorbereitet hätten. „Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat uns aufgetragen, diese Planungen nachzureichen.“ Oder: Bis 2030 sollen alle Landesstraßen – 300.000 Kilometer – durchsaniert sein, „das ist eine Generation lang vernachlässigt worden“, argumentierte Albig. Und er bekannte sich zur S-Bahnlinie S4: „Hamburg und Schleswig-Holstein treiben es mit Macht voran, weil wir starke S-Bahn-Verkehre brauchen. Die S4 werden wir umsetzen.“

Zahlreiche Fragen waren im Vorfeld im Publikum gesammelt worden und gebündelt im Laufe des Abends dem Ministerpräsidenten vorgelegt. Und bei seinem Publikum warb Albig zum Schluss erneut um das Vertrauen. „Mir ist bewusst, woher ich komme und wer mir diesen Weg ermöglicht hat – die Sozialdemokraten. Das werde ich nicht vergessen und das würde ich auch gerne weitergeben in einer nächsten Amtszeit für eine gerechte, solidarische und starke Zukunft“, bat er die Wählerinnen und Wähler um ihre Stimme.

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