Offener Brief zur Stelle der Gleichstellungsbeauftragten: „Arme Stadt Ahrensburg“

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Gastbeitrag: Hans Peter Weiß schreibt in einem offenen Brief zur Entscheidung der Stadtverordnetenversammlung, die Arbeitszeit der Gleichstellungsbeauftragten zu verkürzen.

Wie Bürgernah sind kommunale Verwaltung und Politik eigentlich?

Die Ahrensburger Stadtverordneten haben in ihrer Versammlung am 27. März 2017 unter anderem die Ausschreibung der Gleichstellungs-Stelle nach dem Ausscheiden von Gabriele Fricke beraten und beschlossen. Frau Fricke hat in ihrer 25-jährigen Tätigkeit als Gleichstellungsbeauftragte diese Aufgabe in offensiver und vielfältiger Arbeit wahr genommen, gesellschaftlich verankert und ihr öffentliches Ansehen verschafft.

Umso befremdlicher ist es, dass nach ihrem letzten Geschäftsbericht in ihrer Gegenwart die künftige Halbierung dieser Stelle debattiert und beschlossen wurde. Die Debatte war eher unsäglich kläglich als den Aufgaben- und der Verantwortung bewusst und sie zeigte, dass die Mehrheit der Abgeordneten (bei einigen wohl gegen die eigene Einsicht) das gesellschaftlich umfassende Aufgabenfeld einer Gleichstellungsstelle nicht begriffen hat. Die Aussagen von Stadtverordneten, dass Gleichstellung inzwischen ja weitgehend „gesetzlich geregelt“ sei, sind geradezu erschreckend und gehen an der Realität vorbei, die nicht der gesetzlichen Regelung entspricht.

Der Bürgermeister muss nun alles daran setzen und auch daran gemessen werden müssen, dass für die eingesparte halbe Gleichstellungsstelle nun eine (leider auch nur halbe) Stelle für Inklusionsaufgaben eingerichtet wird, wie es von ihm nach seinen Aussagen angedacht worden ist.

Halbe Stellen haben freilich immer den Nachteil, dass sie mehr oder weniger nur Verwaltung, Berichtwesen und ähnliches erfüllen können, aber kaum geeignet sind, komplexere gesellschaftliche Bedarfe und Aufgaben zu kommunizieren, zu koordinieren und gestaltungsfähig zu machen. Wer eine halbe Stelle annimmt will auch nicht darüber hinaus belastet werden; so wird also schon durch die Ausschreibung einer halben Stelle deren Komplexität verneint und ihre Erfüllungsmöglichkeit missachtet.

Die gestalterischen Aufgaben auf ehrenamtliche Tätigkeiten abzuschieben ist nicht nur nicht fair, sondern kontraproduktiv, wenn es keine ausreichende Anbindung an die Verwaltung gibt. Die ist freilich nur durch eine koordinierende ganze Stelle möglich. Daher ist es dringend notwendig, dass Politik und Verwaltung realistischer und durch eine klare umfassende Beschreibung der Aufgabenfelder ebenso wie dem Zeitaufwand für deren Erfüllung in der zu besetzenden Stelle wahrnehmen; nur so können sie dem Zusammenleben der Menschen im kommunalen Gemeinwesen entsprechen und es auch verantwortungsvoll fördern. Frau Fricke hat dafür beispielhaft gearbeitet. Arme Stadt, die diesem Beispiel nicht folgt!

Hans Peter Weiß,
Ahrensburg

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahrensburg, Gabriele Fricke, bei ihrem letzten Jahresbericht vor der Stadtverordnetenversammlung. Foto:ahrensburg24.de

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Ahrensburg, Gabriele Fricke, bei ihrem letzten Jahresbericht vor der Stadtverordnetenversammlung.
Foto:ahrensburg24.de

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