Kind entwischt durch Loch im Zaun: Kinderkrippe im Erlenhof muss nachbessern AKTUALISIERT

Ahrensburg (ve). Es ist die Horrorvorstellung eines jeden Elternpaares: Das Krippenkind entwischt der Betreuung in der Kindertagesstätte und ist ohne Aufsicht unterwegs. Genau das ist kürzlich passiert in Ahrensburg.

Es war wie so oft – mehrere unglückliche Umstände kamen zusammen. Zum einen war da dieses Loch im Zaun, vermutlich entstanden durch Absacken der Erde. Hinter Büschen gelegen und unten am Zaun für Erwachsene erst bei genauem Hinsehen zu erkennen. Und doch war das Loch bekannt und der Stadt als Eigentümer gemeldet – aber eben noch nicht repariert.

Betreuung in der Kinderkrippe Erlenhof

Der Zaun mit dem Loch umgrenzt den Außenbereich des Erlenhof-Kindertagesstätte, in dem sich die Krippenkinder aufhalten. 20 Krippenkinder mit vier Mitarbeiterinnen des pädagogischen Personals wuselten im Außenbereich, zwei Kinder forderten wegen Erkrankung erhöhte Aufmerksamkeit. Und dann war das zweijährige Kind plötzlich verschwunden.

Es wurde von einer Passantin aufgegriffen und zurück zur Kindertagesstätte gebracht, gesund und wohlbehalten. Dem Kind ist nichts passiert. Doch für die Eltern, für die Erzieher und für das Personal der Kindertagesstätte war die Situation ein Schock.

„Die Erzieherinnen konnten tatsächlich erst nach ihrer Arbeit darüber nachdenken, was passiert war“, erläutert es Anette Schmitt, Leiterin der AWO Soziale Dienste, dem Träger der Kindertagesstätte, im Gespräch mit ahrensburg24.de, „so sehr waren sie in die Arbeit mit den Kindern eingebunden.“ Da auch eine der Leiterinnen des Kindergartens wegen einer Fortbildung außer Haus war, wurde den Eltern erst im Nachhinein erzählt was passiert war. „Die Benachrichtigung ist leider nicht rechtzeitig erfolgt, das war völlig ungenügend und ein Fehler“, so Schmitt.

AKTUALISIERT

Auch auf Seiten der Stadt und des Zaunbauers wurde nicht schnell genug gehandelt. Das Loch im Zaun, so teilt die Stadt mit, sei bei zwei Begehungen Mitte und Ende 2016 festgestellt und die Reparatur angemahnt worden, jedoch die Reparaturleistung des Zaunbauers sei nicht kontrolliert worden. Der Zaunbauer habe, so heißt es von Seiten der Stadt, nach Verlegen von Gehwegplatten dieses Loch im Zaun gelassen, Aufforderungen, es zu schließen, sei er nicht nachgekommen. Jetzt wurde eine andere Firma damit beaufragt, das Loch zu schließen.

„Arbeitsbelastung in einer Kinderkrippe ist hoch“

Den Mitarbeiterinnen allerdings macht ihr Arbeitgeber, die AWO Stormarn, keinen Vorwurf, Schmitt: „Die Belastungssituation gerade in den Krippengruppen ist sehr hoch, die Kinder brauchen sehr viel Aufmerksamkeit. Das haben die Mitarbeiterinnen zu jeder Minute und Sekunde gewährleistet, wir sehen nicht, wo sie mehr hätten tun können.“ Mehr gehe es ihr darum, die Erzieherinnen zu stärken. Für das Personal entstünden nach solchen Vorfällen schnell Angst und Schuldgefühle gegenüber den Eltern und dem Arbeitgeber, die ihre Handlungsfähigkeit einschränken könnten.

Ein Umstand, mit dem die AWO als Träger vieler Kindergärten und Horte vielfach umgehen muss. Denn noch immer ist die Personaldecke in den Einrichtungen der Kinderpflege nicht eben üppig. De facto könnten die Träger, so benennt es Schmitt, gerade mal die Betreuung nachhaltig gewährleisten, der vorgeschriebene Bildungsauftrag könne nur nachrangig umgesetzt werden. Es werde sogar darüber nachgedacht, dies als Grundsatz neu zu formulieren und den Bildungsauftrag als nachrangig zu bewerten.

„Schon die Einstellung anderer Kräfte im Personalbereich wie eben durch Hilfskräfte im Freien sozialen Jahr oder Kräfte im hauswirtschaftlichen Bereich könnten die pädagogischen Fachkräfte entlasten“, argumentiert Schmitt. Und sie hat noch eine Idee: „Die Einstellung einer Krankenschwester zum Beispiel könnte die medizinische Versorgung verbessern.“ Eigentlich dürfen Erzieherinnen keine Medikamente verabreichen, aber in manchen Fällen geht es nicht ohne. Ein Krankenschwester wäre für diese Fälle eine Entlastung.

Eltern: „Versagen der Stadt Ahrensburg“

Die Eltern allerdings machen der Stadt den Vorwurf, in diesem Fall versagt zu haben. Denn das Loch im Zaun sei schon länger bekannt gewesen und nicht repariert worden. Die Kindertagesstätte selber hat sich mit einem Brief an die Eltern gewandt und wünscht sich Transparenz zu dem Vorfall und Vertrauen in die Arbeit der Kindertagesstätte.

Die Stadt Ahrensburg möchte übrigens selber gerne wissen, wie die Betreuungssituation in den Kindertagesstätten ist. Sie hat von den Trägern in Ahrensburg Zahlen eingefordert, wie viele Arbeitsstunden in den Einrichtungen tatsächlich geleistet werden und wie viele es sein müssten. Die Zahlen sollen Ende April vorliegen und werden gegebenenfalls im Sozialausschuss im Monat Mai thematisiert.

Vor gut einem Jahr übrigens stand die Kindertagsstätte Erlenhof schon einmal in der Kritik der Eltern, so berichtete ahrensburg24.de damals: „Kindertagesstätte Erlenhof: Ausgelastet, Gruppe geschlossen – Die Realität der Kinderbetreuung

Themenbild Kindertagesstätte Erlenhof - aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurden die Kinder mit ausreichend Abstand fotografiert. Foto:ahrensburg24.de

Themenbild Kindertagesstätte Erlenhof – aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wurden die Kinder mit ausreichend Abstand fotografiert.
Foto:ahrensburg24.de