Brauner Hirsch und die S4: Die Brücke wird zur teuren Problem-Brücke AKTUALISIERT

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Ahrensburg (ve). Die neue S-Bahnlinie S4 soll die Stormarner schnell nach Stormarn bringen – doch bis dahin wird sie vor allem viel kosten. Auch die Stadt Ahrensburg wird viel bezahlen müssen, wie jetzt auf der Sitzung des Bauausschusses deutlich wurde.

Visualisierung der Deutsche Bahn AG: Mit dieser Netzwerkbogen-Brücke soll die Straße über die Bahngleise am Braunen Hirschen geführt werden. Die Aufnahme entstand bei einer Präsentation der Planungen auf der Sitzung des Bauausschusses im April 2017. Foto:ahrensburg24.de/Grafik:Deutsche Bahn AB

Visualisierung der Deutsche Bahn AG: Mit dieser Netzwerkbogen-Brücke soll die Straße über die Bahngleise am Braunen Hirschen geführt werden. Die Aufnahme entstand bei einer Präsentation der Planungen auf der Sitzung des Bauausschusses im April 2017.
Foto:ahrensburg24.de/Grafik:Deutsche Bahn AB

Dabei geht es um den Ausbau der Gleisanlage um ein viertes Gleis für die S-Bahn, es soll bis zum Regionalbahnhof Ahrensburg führen. Nur so soll es möglich sein, dass alle Züge und alle S-Bahnen gleichzeitig ihre Taktung einhalten können. Doch der Gleiskörper mit seinen dann vier Gleis kreuzt im Gebiet der Stadt Ahrensburg Straßen – unter anderem den Braunen Hirschen. Und dies Kreuzungen von Straße und Schienen müssen komplett umgebaut werden.

Finanzierung des Umbaus: Auch Sache der Stadt Ahrensburg

Für die Finanzierung gilt das Verursacher- und das Wir-wollen-haben-Prinzip. Soll heißen: Die Verursacher sind Bund und Land, die Stadt Ahrensburg möchte die Querung gerne haben. Also müssen sich alle drei die Bezahlung teilen. Und das könnte für die Stadt Ahrensburg sehr teuer werden.

Bei einem Gespräch im Rathaus zwischen Verwaltung und Bahn wurde deutlich, dass ein Vorschlag von der Bahn favorisiert wurde, die so genannte Netzwerkbogen-Brücke. Sie überspannt die Straße Brauner Hirsch und das anliegende Naturschutgebiet weit mit einer Gesamtlänge von alleine 117 Metern zwischen den Stützen. Kosten: Circa 10,4 Millionen Euro für die Brücke plus circa 7,9 Millioen Euro für den Umbau der Straße Brauner Hirsch. Bedeutet: Etwa sechs Millionen Euro Baukosten für die Stadt. Plus Folgekosten für die Instandhaltung der Querung. Diesem Vorschlag sollte nun der Bauausschuss auf seiner gestrigen Sitzung zustimmen.

Doch er tat sich schwer damit. „Warum müssen wir überhaupt die höhen Kosten tragen, wenn doch Land und Bund die S4 zahlen?“, war eine Frage. „Die Alternative ist es, keine Straßenquerung zu bauen und den Braunen Hirschen damit zu schließen“, entgegnete Stephan Schott von der städtischen Bauplanung, „aber das wird keiner wollen. Auch ein Bahnübergang mit Schranken kommt nicht in Frage – die Schranken wären aufgrund der Anzahl der Zugeverbindungen permanent geschlossen.“ Da nun aber die Stadt die Querung haben möchte, muss sie sie auch mit bezahlen.

Brücke am Braunen Hirsch: Entscheidung wurde vertagt

Für die Mitglieder des Bauausschusses war dies der Anlass, nach grundsätzlichen Lösungen zu suchen. So schlug die FDP in einem Antrag vor, die ursprünglich vorgesehene Realisierung einer Dammlösung erneut zu prüfen. Und die CDU wollte prüfen lassen, ob der Bau der Südumfahrung vor dem Hintergrund der Problematik am Braunen Hirschen nicht doch die bessere Lösung sei. Deswegen beantragte sie eine Machbarkeitsprüfung und verdeutlichte die Erwartungshaltung, dass das Land die Umgehungsstraße Süd finanzieren werde.

Das allerdings könnte problematisch werden. So äußerte Bauamtsleiter Peter Kania die Vermutung, dass es schwierig werde, für die Südumfahrung eine Baugenehmigung zu erhalten, da sie durch ein Naturschutzgebiet der Kategorie FFH führen würde. Und es sei fraglich, ob die Stadt die Straße nicht alleine zu finanzieren hätte – auch ohne Beteiligung der Bahn – da in dem Falle ja die Stadt die Umplanung vom Braunen Hirschen auf die Südumfahrung wünschen würde. Eine Machbarkeitsstudie halte er aber grundsätzlich für eine gute Idee, so Kania.

Doch es ergibt sich noch ein Problem: Die Planfeststellung des Projektes S4 ist weit fortgeschritten. Wenn Ahrensburg jetzt vor dem Hintergrund einer möglichen Südumfahrung auf die Brücke am Braunen Hirsch in den Planungsvorgaben verzichtet, ist die Brücke de facto raus aus dem Plan – und kann auch nachträglich nicht mehr eingetragen werden. Ausgeschlossen ist es aber, dass eine Planung für eine Südumfahrung zeitlich noch vor der Planung für die S4 erfolgen könnte. Ahrensburg würde also hoch pokern, wenn es jetzt auf die Brücke verzichtet. Damit scheint es unausweilich, dass die Stadt mehrere Millionen Euro für die Querung wird finanzieren müssen.

Für die Mitglieder des Bauausschusses war das alles noch nicht ausreichend durchdacht. Deswegen mochten sie auf der gestrigen Sitzung keinen Beschluss fassen und vertagten die Entscheidung auf eine der nächsten Sitzung.

Dabei müssen sie nicht nur eine Entscheidung über die Querung am Braunen Hirschen fällen. Noch an zwei weiteren Stellen stoßen Straße und Bahngleise aufeinander, deren Umbau die Stadt mit finanzieren muss.

AKTUALISIERT

Die Deutsche Bahn indes verkauft die Entscheidung für die Brücke als „guten Kompromiss“. Auf der Internetseite wurde bereits im November 2016 eine Mitteilung zu dieser Brücke veröffentlich. Dort heißt es unter anderem: „In den ersten Planungen wurde am Bahnübergang „Brauner Hirsch“ der Bau einer Straßenbrücke mit Erddämmen vorgesehen. Der Forderung der Denkmalschützer, den archäologisch wertvollen Bereich nicht dauerhaft zu überbauen, standen Naturschutzbelange, wie der Erhalt der Torfbodenschichten, gegenüber. Grabungen zur Bergung der Artefakte sind im Naturschutzgebiet nicht durchführbar, eine andere Trassenführung ist ebenfalls nicht möglich. Diesen Konflikt galt es planerisch zu lösen.

Nun wurde ein Kompromiss gefunden. Ende Oktober entschied ein Lenkungsgremium aus Verantwortlichen der Länder und der Deutschen Bahn, dass eine weittragende Brücke am „Braunen Hirsch“ gebaut werden soll. So werden, im Gegensatz zur Aufschüttung eines Erddammes, die sensiblen Bereiche im Naturschutzgebiet weitestgehend überspannt. Es besteht weiterhin die Möglichkeit zu einem späteren Zeitpunkt archäologische Untersuchungen durchzuführen. Insgesamt nehmen die Beteiligten für diesen Kompromiss nach ersten Schätzungen rund acht Millionen Euro mehr in die Hand – für den Umwelt- und Denkmalschutz.“

Visualisierung der Deutsche Bahn AG: Mit dieser Netzwerkbogen-Brücke soll die Straße über die Bahngleise am Braunen Hirschen geführt werden. Die Aufnahme entstand bei einer Präsentation der Planungen auf der Sitzung des Bauausschusses im April 2017. Foto:ahrensburg24.de/Grafik:Deutsche Bahn AB

Visualisierung der Deutsche Bahn AG: Mit dieser Netzwerkbogen-Brücke soll die Straße über die Bahngleise am Braunen Hirschen geführt werden. Die Aufnahme entstand bei einer Präsentation der Planungen auf der Sitzung des Bauausschusses im April 2017.
Foto:ahrensburg24.de/Grafik:Deutsche Bahn AB

 

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