Kinderbetreuung in Ahrensburg: Eltern empört über Gruppenerweiterung

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Ahrensburg (ve). Die Stadt Ahrensburg kommt kaum nach mit der Errichtung von Kinderbetreuungseinrichtungen. Jetzt sorgt ein Fall in der Kindertagesstätte des Deutschen Roten Kreuzes im Gartenholz für große Unmut unter den Eltern.

Elternschaft und Personal der DRK-Kindertagesstätte Gartenholz sowie Eltern der Grundschule am Reesenbüttel stellten in der Einwohnerfragestunde des Sozialausschusses zahlreiche Fragen. Foto:ahrensburg24.de

Elternschaft und Personal der DRK-Kindertagesstätte Gartenholz sowie Eltern der Grundschule am Reesenbüttel stellten in der Einwohnerfragestunde des Sozialausschusses zahlreiche Fragen.
Foto:ahrensburg24.de

Die Integrations-Tagesstätte verfügt über einen Bewegungsraum, der für Sport und Toben sowie für Krankengymnastik und intensive Begleitung der Integrations-Kinder genutzt wird. Der Vorschlag der Stadt Ahrensburg, diesen Raum nun auch als Gruppenraum zu nutzen, verursachte Sorgen und Unverständnis unter der Elternschaft und dem Personal. Sie erschienen auf der Sitzung des Sozialausschusses und drängten mit zahlreichen Fragen auf Aufklärung. In einem Schreiben an die Eltern hatten die Elternvertretung unter der Überschrift „Die Turnhalle unserer Kita fällt weg!!!“ dazu aufgerufen: “ Wir sind aufgefordert uns für unsere Kinder stark zu machen! Bitte erscheint zahlreich dort und verlangt Antworten!!!“

Bewegungsraum der Kita Gartenholz: Nur übergangesweise ein Gruppenraum

Die Stellungnahme der Verwaltung löste zunächst ein Missverständnis: Die Halle solle nicht dauerhaft in einen Gruppenraum umgewandelt werden, sondern nur für einen Zeitraum von voraussichtlich fünf Monaten. Und der Vorschlag werde auch nur in dem Fall umgesetzt, betonte es Ausschussvorsitzende Doris Brandt, wenn gemeinsam mit dem Träger, dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) und dem Personal vor Ort eine Umsetzung des Vorschlages möglich gemacht werden kann. Sollte zum Beispiel der Träger kein Personal für die Betreuung der zusätzlichen Gruppe finden können, werde diese Gruppe nicht eingerichtet.

AKTUALISIERT

Hintergrund der Maßnahme ist der Umbau im Haus der Kirche. Dort sollen Gruppenräume für eine Erweiterung der Kindertagesstätte entstehen in den ehemaligen Räumen des Gemeindezentrums. Doch die Planung mit dem Architekten zerschlug sich, es musste ein neuer gesucht werden. Diese Verzögerung mache nun die Nutzung des Gruppenraumes erforderlich, hieß es von der Verwaltung.

Doch die Sorgen der Eltern gingen weiter: Schon jetzt sei die Personaldecke in der Kindertagesstätte kaum ausreichend, die Erweiterung also eine große Herausforderung. Auch räumlich sei dieser Plan kaum umzusetzen, da zum Beispiel schon jetzt die Anzahl der Toiletten kaum ausreiche und der Wegfall eines Bewegungsraumes den Kindern nicht zuzumuten wäre. Die Eltern fragten mit Nachdruck danach, wie unter solchen Bedingungen die Qualität einer pädagogischen Betreuung und auch einer Betreuung der Integrations-Kinder aufrecht erhalten werden solle und ob ausreichend nach alternativen Standorten für Kindertagesstätten gesucht worden sei. Auch die Leiterin der Kindertagesstätte, Heike Schreiber, warnte davor, dass die Belastung einer weiteren Gruppe von der Integrations-Kindertagesstätte kaum bewältigt werden könne.

Hintergrund der Erweitung der Kindertagesstätte ist die zu geringe Anzahl an Betreuungsplätzen in Ahrensburg. Wartelisten im Krippen- und im Elementarbereich dokumentieren, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen weit größer ist, als das Angebot. Im Krippenbereich fehlen laut Berechnungen der Stadt nach den Sommerferien vermutlich 80 Plätze. Die Stadt versucht mit vielen Projekten dem Bedarf nachzukommen. So sind bereits in anderen Kindertagesstätten die Bewegungsräume dauerhaft in Gruppenräume verwandelt worden, andere Einrichtungen werden erweitert, neue Standorte gesucht.

Zwei Vorhaben der Stadt waren nicht umsetzbar

Zwei Planungen hätten sich dabei zerschlagen: So kann eine Kindertagesstätte im Gewerbegebiet nicht gebaut werden, weil der Kaufvertrag zwischen Investor und Grundstückseigentümer nicht zustande gekommen ist. Eine Planung, die eine Immobilie direkt im Innenstadtbereich der Hagener Allee betraf, wurde vom Sozialausschuss abgelehnt, weil der Standort mitten in der Innenstadt und ohne Außengelände als ungeeignet und die Kosten für den Umbau als zu hoch erachtet worden waren.

Neue Plätze entstehen nach einem Beschluss auf der Sitzung am Dienstag in der ehemaligen Hausmeisterwohnung des Schulzentrums am Heimgarten. Die wird während der Bauzeit der Grundschule am Reesenbüttel vom Hort genutzt und könnte nach den Sommerferien – dann soll der Bau der Grundschule fertig sein – zu einer Großpflegestelle mit Tagesmüttern umgebaut werden. Tagesmütter und -väter könnten sich jetzt für die Großpflegestelle bewerben.

Antrag der SPD auf Senkung der Kostenbeteiligung

Vor dem Hintergrund der für die Kinderbetreuung erforderlichen Investitionen lehnten CDU, WAB, FDP und Bündnis 90/Die Grüenen außerdem einen Antrag der SPD ab, die Beteilung der Eltern an den Kinderbetreuungsgebühren von 38 Prozent auf 35 Prozent zu senken. Die SPD hielt dies für angemessen, um zum einen geringere Kosten für Kinderbetreuung insgesamt auf den Weg zu bringen und zum anderen den Eltern eine Art Nachlass vor dem Hintergrund der Betreuungssituation in Ahrensburg zu gewähren.

Die Eltern allerdings konnten sich kaum beruhigen, „es liegt doch in der Verantwortung von der Stadt und der Politik, genügend Betreuungsplätze zu bieten“, forderte es eine Mutter ein, „Sie wollen doch eine familienfreundliche Stadt sein.“ Ausschussvorsitzende Doris Brandt (CDU) versuchte, die Wogen zu glätten, die Beantwortung der Fragen zu ermöglichen und den Sachverhalt zu erläutern. Auch vor einem Hintergrund: „Sie ale hier haben einen Betreuungsplatz. Andere Eltern haben derzeit keinen.“

Fast unter ging bei dieser Debatte, dass Erzieherinnen und Erzieher vor den Arbeitsbedingungen an den Kindertagesstätten warnten. So gibt es inzwischen ein „Aktionsbündnis Unsere Kinder – unsere Zukunft“, zu dem sich die Träger der Kinderbetreuungseinrichtungen und auch die Landeselternvertretung zusammen geschlossen haben.

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