Die deutsch-amerikanische Außenpolitik: Wird Deutschland greater again?

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Ahrensburg (ve). Kaum aktueller könnte das Thema der Reihe „Politik in der Remise“ gewesen sein. Es ging um die deutsche und die amerikanische Außenpolitik.

Professor Dr. Christian Hacke, Referent der Veranstaltung "Politik in der Remise - Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA" im Marstall Ahrensburg. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Professor Dr. Christian Hacke, Referent der Veranstaltung „Politik in der Remise – Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA“ im Marstall Ahrensburg.
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Der Politikwissenschaftler Professor Dr. Christian Hacke war Referent des Abends. Er brachte die Entwicklung in etwa auf folgenden Nenner: Werden die USA vom Problemlöser zum Problemfall, so wird Deutschland vom Problemfall zum Problemlöser. Diese These stellte Hacke auf das Fundament eines umfangreichen Vortrages.

In der außenpolitischen Beziehung zu den USA habe die Bundesrepublik Deutschland sich jahrzehntelang – wenn auch manches Mal mit einem kritischen Auge – untergeordnet, führte Hacke aus. Amerika war nach dem Zweiten Weltkrieg zum Problemlöser geworden, sicherte Deutschland und Europa finanziellen und militärischen Schutz. Ein Schirm, unter dem es sich auch in der NATO gut sitzen ließ. Für Amerika wiederum war Deutschland die Sperrspitze im Kampf gegen den Kommunismus.

Die deutsche Außenpolitik gewinnt an eigener Kontur

Doch zunehmend besann sich die junge Bundesrepublik auf eigene Maßstäbe, kritisierte leise den Vietnam-Krieg und entwickelte unter Willy Brandt eine verantwortliche und völlig neue Ostpolitik. Mit der Absage einer militärischen Beteiligung an den Einsätzen in Kuweit, Lybien und dem Irak habe sich die deutsche Außenpolitik nun von der amerikanischen abgenabelt. „Wichtige Momente für die Deutschen“, betonte Hacke ein ums andere Mal – und Momente, denen er selber als Beobachter auch kritisch gegenüber gestanden habe.

Die Neuordnung der Welt und der Beziehungen der Staaten zueinander nach dem Fall der Berliner Mauer und dem Zusammenbruch des Ostblocks sei die zweite Entwicklung gewesen, die die deutsche Außenpolitik bedinge. Denn trotz der Vorherrschaft des Westens und des großen Optimismus nach dem Fall der Mauer sei es den westlichen Staaten mitnichten gelungen, sich gemeinsam auf eine Strategie, gemeinsame Werte und Positionen zu einigen. Ein Vakuum, in dem andere Mächte wie Russland und China ihre Positionen gut haben abstecken können.

Vielmehr stehe die westliche Welt und auch Europa uneins da. „Was soll die Strategie sein, Erweiterung oder Vertiefung von Nato oder EU? Beides zu tun ist eine Lüge“, so Hacke. Das habe dazu geführt, dass die Bündnisse von Interessenskonflikten beherrscht werden und immer weniger Entscheidungen fällen könnten. Gleichzeitig ließen sich Russland und auch das erstarkende China – Hacke: „die chinesische Führung handelt außenpolitisch sehr umsichtig und souverän“ – ihr Selbstbewusstsein nicht nehmen.

Konflikte im weltweiten Spiel der Länder

Bedeutet für die Außenpolitik: Konflikte werden nicht mehr in zwei Blöcken Ost gegen West ausgetragen, sondern fast in einer Vielstaaterei. „Deutschland nimmt dabei in Europa eine zentrale Rolle ein, wir tragen die Rolle des Ausgleichenden“, so Hacke, „aber nie alleine, immer mit Bündnispartnern.“ So gewinne die Stimme Deutschlands im Spiel der Weltmachten an Bedeutung. Denn, auch da wurde Hacke deutlich: „Frankreich steht fast vor dem Aus, Großbritannien vor dem Brexit“, blickte Hacke auf der Suche nach Bündnispartnern mehr auf die kleinen Länder in Europa.

Und: Viele Handlungen der amerikanischen Außenpolitik seien fatal gewesen, durch die militärischen Eingriffe habe Amerika die radikalen Kräfte im Nahen Osten und in Afghanistan direkt oder indirekt gefördert und gestärkt, Hacke: „Sie haben die Natter am eigenen Hals gezüchtet.“ Gleichzeitig hätten die Nato und die EU mit „Arroganz, Naivität und Dummheit“ auf die Weltpolitik geblickt und Erweiterungspolitik betrieben: „Die Russen haben vor diesen Ausdehnungen gewarnt.“

Professor Dr. Christian Hacke, Referent der Veranstaltung "Politik in der Remise - Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA" im Marstall Ahrensburg. Foto:©Monika Veeh/ahrensburg24.de

Professor Dr. Christian Hacke, Referent der Veranstaltung „Politik in der Remise – Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA“ im Marstall Ahrensburg.
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Was bedeutet das für heute? Deutschland habe im europäischen Rahmen eine eigene Stimme, Russland werde sich seine Position nicht streitig machen lassen und Amerika ringe um seine Position als Schutzmacht. Innerhalb dieser Konstellation habe die deutsche Außenpolitik oftmals Weitsicht und Umsicht bewiesen.

Der Angriff des amerikanischen Militärs auf ein Luftwaffenstützpunkt in Syrien sei präzise und hoch effektiv erfolgt, bringe Amerika zurück in das weltpolitische Spiel – aber es sei noch lange nicht erwiesen, ob er die Lösung bringe oder das Problem verstärke. „Außenpolitik ist immer ein Zusammenspiel aus diplomatischer und militärischer Stärke“, auch das betonte Hacke mehrfach in seinem Vortrag. Und wie der neue Präsident sich in diesem Umfeld verhalte, ober er sich anpasse oder andere sich anpassen müssten, dass müsse sich erst noch zeigen.

Der Vortrag in der voll besetzten Reithalle des Marstalls und moderiert von Ahrensburger früherer Bürgermeisterin Ursula Pepper wurde mit großem Interesse aufgenommen und mit Fragen ergänzt. Hacke erwies sich als unterhaltsamer Redner, der Blätter nicht gerne vor den Mund nimmt und die (Manusrikpt-)Blätter seiner Rede auch gerne mal links liegen lässt.

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