Nur wenige Männer nutzen Krebsfrüherkennung

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Kiel/Ahrensburg (bz). Die Männer in Schleswig-Holstein bleiben Vorsorgemuffel. Das bestätigt eine aktuelle Auswertung der AOK NordWest. Nur etwa jeder fünfte Mann über 45 Jahren (18,9 Prozent) war im vergangenen Jahr bei der Krebs-Früherkennung. Bei den Frauen hingegen lag der Anteil deutlich höher. Hier nutzen immerhin 38,9 Prozent die Früherkennungsuntersuchung ab dem Alter von 20 Jahren. “Wir appellieren an die Bevölkerung, die kostenfreien Früherkennungsuntersuchungen der gesetzlichen Krankenkassen noch besser zu nutzen. Denn nur wenn Krebs frühzeitig erkannt wird, bestehen sehr gute Heilungschancen”, sagt AOK-Vorstandsvorsitzender Martin Litsch. Nach Zahlen des Krebsregisters Schleswig-Holstein wurden im nördlichsten Bundesland im Jahr 2010 insgesamt 18.092 Krebs-Neuerkrankungen und 7.595 Todesfälle erfasst.
Es ist schon paradox: Wenn es um das eigene Auto geht, wird dieses regelmäßig gepflegt und bei dem kleinsten ‘Wehwehchen’ zur Werkstatt gefahren. Doch bei der eigenen Gesundheit sind Männer überhaupt nicht vorsorglich. “Viele Männer gehen bei Schmerzen oder anderen Krankheitssymptomen häufig erst spät zum Arzt. Außerdem meiden viele die Früherkennungsuntersuchungen, weil sie ihnen unangenehm erscheinen oder sie sich noch keine Gedanken darüber gemacht haben”, so AOK-Vorstandschef Litsch. Finanzielle Gründe für das geringe Interesse an der Krebsvorsorge scheiden nämlich aus. “Die gesetzlichen Früherkennungsuntersuchungen werden von den Krankenkassen selbstverständlich bezahlt”, so Litsch.

Inanspruchnahme steigt leicht an


Die Inanspruchnahme der Krebsfrüherkennunguntersuchungen ist bei den Männern wie Frauen leicht angestiegen. Nutzen bei den Männern im Jahr 2011 ingesamt 18,4 Prozent das Angebot, stieg der Wert im vergangenen Jahr auf 18,9 Prozent an. Bei den Frauen ist der Anteil von 38,4 Prozent (2011) auf 38,9 Prozent (2012) angestiegen.

Untersuchung der Männer: Prostata und Darmspiegelung


Männer haben ab dem Alter von 45 Jahren einmal im Jahr Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krebserkrankungen. Dazu gehören die Untersuchung der Prostata, der äußeren Geschlechtsorgane sowie das Abtasten der regionären Lymphknoten. Ab 50 Jahren erfolgt auf Wunsch einmal jährlich eine Tastuntersuchung des Enddarms und ein Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl. Im Alter von 55 Jahren besteht dann die Wahlmöglichkeit: Entweder können im Abstand von mindestens zehn Jahren zwei Koloskopien durchgeführt werden, oder alle zwei Jahre ein weiterer Schnelltest.

Krebs-Früherkennung für Frauen 


Frauen haben ab dem Alter von 20 Jahren einmal jährlich Anspruch auf Krebs-Früherkennung. Dazu gehören Untersuchungen der Geschlechtsorgane und ein Abstrich vom Muttermund sowie aus dem Gebärmutterhals. Ab 30 ist zusätzlich ein Abtasten der Brust und der Achselhölen vorgesehen. Ab 50 Jahren: einmal jährlich ein Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl, alle zwei Jahre bis zum 70. Lebensjahr ein Mammographie-Screening. Ab dem Alter von 55 Jahren gilt auch hier die Wahlmöglichkeit zwischen Darmspiegelungen und Schnelltest.

Neue gesetzliche Regelung


Zukünftig soll die Altersgrenze für bestimmte Untersuchungen zur Krebsfrüherkennung bei Männern und Frauen einheitlich auf 18 Jahre abgesenkt werden. Den Grundstein hierfür legte das Krebsfrüherkennungs- und -registergesetz, welches im April dieses Jahres in Kraft getreten ist. Für die Umsetzung dieser gesetzlichen Vorgabe werden die Vertreter der Ärzte und Krankenkassen auf Bundesebene nun gemeinsam Rahmenbedingungen zu den Zielgruppen und zum Inhalt, Art und Umfang der Untersuchungen schaffen.

Hintergrund


Die AOK NordWest mit Sitz in Dortmund zählt zu den zehn größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland. Im letzten Jahr waren bei der AOK NordWest im Durchschnitt 1,95 Millionen Mitglieder (rund 2,8 Millionen Versicherte) krankenversichert.

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