„Funny Money“: Viel Spaß um teures Geld

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Großhansdorf/Hoisdorf (ve). Diesem Ensemble zuzuschauen, macht einfach nur Spaß. Was das Theater Hoisdorf da mit der Inszenierung „Funny Money“ von Ray Cooney auf die Bühne des Waldreitersaales bringt, heißt nicht nur „Spaßiges Geld“, es ist auch jeden Cent des Eintrittsgeldes wert. Mit dieser Leistung macht das Ensemble nicht nur sich selber ein Geschenk zum 35. Geburtstag des Theaters, sondern dem Neuling am Regiepult, Andreas Lüthje, ein Geschenk zu seiner ersten Regiearbeit. So war es gestern Abend auf der Premiere zu erleben, und so ist es heute Abend erneut ab 20 Uhr zu erleben. ahrensburg24.de empfiehlt: „Hingehen!“

Das Ensemble von "Funny Money", links auf dem Sofa Regisseur Andreas Lüthje.

Das Ensemble von „Funny Money“, links auf dem Sofa Regisseur Andreas Lüthje.

Ab der ersten Sekunde seines Auftrittes hat Jan Strich in der Rolle des Henry Perkins eine Bühnenpräsenz, der man den ganzen Abend mit einem Lächeln im Gesicht folgen mag. Dieser Buchhalter ist von einem Koffer mit zwei Millionen Pfund aus der Bahn geworfen – und doch gleichzeitig zielorientiert und focussiert. Strichs Perkins hat alles im Griff – und wundert sich, so scheint es, selber darüber.
Doch man kann Strich nicht den ganzen Abend folgen, man muss auf Katja Tappé schauen. Sie hat die schwere Aufgabe, sich als Henrys Frau Jean den über Abend zu betrinken und am Ende wieder nüchtern zu werden. Ein Schauspielkunststück voller Fallstricke, soll die Trunkenheit authentisch wirken. Es sei verraten: Katja Tappé kann es. Sie räkelt sich wunderbar besoffen in ihrem Schlafanzug und wehrt sich wunderbar schwerfällig gegen die Rettungsversuche ihrer Freundin Betty (Lara-Lena Bennien).

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Und dann ist da noch Martin Gura als Vic Johnson. Tolpatschig, schwer von Begriff, ein bisschen selbstsüchtig, Mitleid erregend. Gura hat einfach immer noch eine neue Mimik im Köcher, die er zur rechten Zeit einsetzt. Er spielt und spiegelt alles, was auf der Bühne passiert, ist immer mitten drin, auch wenn er gerade am Rande steht, prägt die Inszenierung mit wohl gesetzten Aktionen.
Das ist es, was das Spiel des gesamten Ensembles ausmacht. Jeder weiß zu jedem Zeitpunkt, dass das Publikum gefesselt werden will, dass man nicht nachlassen darf mit seinem Spiel. Es entsteht eine Dichte auf der Bühne, in der die Zuschauer viel entdecken können, wenn sie genau hinschauen. Lara-Lena Bennien etwa gibt ihrer Betty Johnson eine Frische, die nichts Künstliches hat. Gerhard Lose lässt Sergeant Davenport ahnungsvoll Schmunzeln und keinen Zweifel daran, dass dieser Sergeant nur sich selber der nächste ist. Christel Jarck und Dorle Krause bringen in ihren Nebenrollen als Taxifahrerin Brenda und Sergeant Slater stoische Wucht auf die Bühne, die die Quirligkeit der anderen passend ergänzt. Selbst Timo Hilkenbach gibt seiner eher kleinen Rolle in schmerzvollen Schreie eine Glaubwürdigkeit, die so mancher nur bei echten Schmerzen erreicht.

Betty (Lara-Lena Bennien) und Henry (Jan Strich) mühen sich mit der inzwischen betrunkenen Jean (Katja Tappé).

Betty (Lara-Lena Bennien) und Henry (Jan Strich) mühen sich mit der inzwischen betrunkenen Jean (Katja Tappé, Mitte).

Regisseur Andreas Lüthje hat ganze Arbeit geleistet und seinem Ensemble Schnelligkeit und dichtes Spiel abverlangt. Es geht den Weg mit, Lüthje: „Es ist schon erstaunlich, wie sehr sich das Spiel der einzelnen im Laufe des halben Jahres Probenarbeit geändert hat.“ Einzig der Showdown wird ein bisschen zum Slowdown. Die letzten Szenen des Stückes hätten ein wenig entfrachtet werden können, die Schnelligkeit aus der vorigen Szenen wird zu sehr entschleunigt. Und das lag am Premierenabend bei weitem nicht an einem Hänger, der das Ensemble ein bisschen aus der Bahn warf. Denn es fand in den Text zurück, unter den schmunzelnden Blicken des Publikums, dass sich mit Szenen-Applaus bedankte.
Stehende Ovationen schließlich im gut besuchten Waldreitersaal. Kleiner Tipp: Für heute Abend gibt es noch Eintrittskarten. Und wer heute keine Zeit hat –

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