Fehmarn-Belt: Nun ist die deutsche Seite dran

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Kiel (ve). Die dänische Projektgesellschaft Femern A/S hat heute in Kiel sämtliche Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren zur Fehmarn-Belt-Querung auf deutscher Seite an das zuständige Dezernat im Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH) übergeben. Das teilt das Verkehrsministerium mit. „Damit gehen die Planungen für dieses europäische Großprojekt in die Schlussphase“, sagte Verkehrsminister Reinhard Meyer. Er erinnerte daran, dass der geplante Tunnel bei Gesamtkosten von 5,5 Milliarden Euro zurzeit eine der größten Infrastruktur-Investitionen Europas darstelle. Für die Dauer des Planfeststellungsverfahrens sind anderthalb bis zwei Jahre veranschlagt.

Der Tunnel wird in Abschnitten an Land gebaut, die fertigen Teile werden dann auf den Meeresboden abgesenkt. Grafik:Femern A/S

Der Tunnel wird in Abschnitten an Land gebaut, die fertigen Teile werden dann auf den Meeresboden abgesenkt. Grafik:Femern A/S

Der Landesbetrieb werde nun die Unterlagen zunächst prüfen, bevor das Planfeststellungsverfahren offiziell eingeleitet wird, kündigte LBV-Direktor Torsten Conradt an. In Deutschland muss für dieses Projekt ein Planfeststellungsverfahren durchgeführt werden, bei dem über die Genehmigungsfähigkeit des Vorhabens entschieden wird.

Mit einem 17,6 Kilometer langen Tunnel durch den Fehmarnbelt, der auf den Meeresboden abgesenkt wird, soll die Insel Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbunden und so die Reisezeiten entlang der Achse zwischen Hamburg, Lübeck und Kopenhagen/Malmö erheblich verkürzt werden. Diese Verkehrsanbindung hat auch Folgen für die Region Stormarn und auch für Ahrensburg, da mit einer Erhöhung des Güterverkehrs auf der Schiene gerechnet wird.

Auch wenn nicht geklärt ist, in welcher Richtungen die Züge vom Tunnel aus auf deutschem Boden weitergeleitet werden, wird damit gerechnet, dass der Zugverkehr auf der Strecke Lübeck – Hamburg stark zunimmt. Die Planungen, die S-Bahnstrecke S4 von Hamburg aus Richtung Ahrensburg und Bad Oldesloe zu erweitern, erfolgen auch vor dem Hintergrund, mit der Verlegung dieses Personenverkehrs auf ein neues Gleis Kapazitäten für die Güterverkehr auf den Gleisen zwischen Hamburg und Lübeck frei zu schaufeln.

Die feste Fehmarn-Belt-Querung ist nicht unumstritten, besonders in der Region Ostholstein, die vom Tourismus lebt, gibt es Widerstand gegen die Pläne. Verkehrsminister Meyer erinnerte daran, dass die neue Verbindung neben Zeitvorteilen auch eine verbesserte Standortqualität und eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft in ganz Norddeutschland und in Südskandinavien mit sich bringen werde: „Südschweden, Dänemark und Norddeutschland haben die Chance, zu einer neuen Region zusammenzuwachsen“, sagte er. Ihm sei dabei bewusst, dass es gegenüber dem Projekt auch Vorbehalte, Befürchtungen und Ablehnung gebe. Dem habe die Landesregierung durch die Einrichtung eines Dialogforum Raum gegeben, so der Minister.

Die deutsche Planfeststellungsbehörde nimmt die Unterlagen von Femern A/S entgegen. Von links: Direktor des LBV-SH Kiel, Torsten Conradt, Projektdirektor von Femern A/S, Claus Dynesen, Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), Dezernatsleiterin im LBV-SH Kiel, Susan Müller und der CEO von Femern A/S, Claus F. Baunkjær. Foto:Femern A/S

Die deutsche Planfeststellungsbehörde nimmt die Unterlagen von Femern A/S entgegen. Von links: Direktor des LBV-SH Kiel, Torsten Conradt, Projektdirektor von Femern A/S, Claus Dynesen, Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD), Dezernatsleiterin im LBV-SH Kiel, Susan Müller und der CEO von Femern A/S, Claus F. Baunkjær. Foto:Femern A/S

So wird damit gerechnet, dass es im Zuge des Planfeststellungsverfahrens zahlreiche schriftliche Einwände geben wird. Dazu Thorsten Conrad: „Schriftlichen Einwendungen können nur berücksichtigt werden, wenn sie im Zeitraum zwischen dem Beginn der förmlichen Auslegung und bis vier Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist rechtswirksam bei der Planfeststellungsbehörde erhoben werden und sich ausschließlich auf die von der Anhörungsbehörde verteilten Unterlagen beziehen. Einwendungen, die vor Beginn des förmlichen Beteiligungsverfahrens bei der Anhörungsbehörde eingehen, können nicht als Einwendungen oder Stellungnahmen gewertet werden.“

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