Alfons fordert im Marstall die Deutschen auf, wieder mehr Kinder zu kriegen – Nur wie?

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Ahrensburg (bz). Alfons gastierte gestern Abend im Marstall. Vor vollem Haus. Mit seinem Programm „Der letzte Wunsch vom Rentner Heinz“. Alfons, genau, das ist der Kabarettist mit dem ungeheuren französischen Charme, man könnte ihn auch als trotteligen Franzosen bezeichnen, der mit dem unschuldigen Dackelblick, dem Puschelmikrofon und der fies orangenen Trainingsjacke. Sie soll übrigens das Produkt eines VEB aus der DDR sein. Aber das nur nebenbei. Bereits als Kind führte Emmanuel Peterfalvi, wie er im richtigen Leben heißt, übrigens schon Befragungen bei Erwachsenen durch. Mit einem Kassettenrekorder. Als Jugendlicher betrieb er mit zwei Freunden von einem Pariser Dachboden aus einen Piratensender. (Ob es wohl Etienne und Gillette waren. Insider für die, die an dem Abend da waren). Später, eigentlich klar, wurde er Ingenieur der Kommunikationstechnologie. 

Auch ohne Puschelmikrophon an seiner orangefarbenen Trainingsjacke gut zu erkennen:  Kabarettist Alfons gastiert gestern im Marstall.

Auch ohne Puschelmikrophon an seiner orangefarbenen Trainingsjacke gut zu erkennen: Kabarettist Alfons gastiert gestern im Marstall.

Kommunizieren. Ja, das kann Alfons. Mit seinem Publikum. Gleich von Beginn an. Mit seinen Interviewpartnern. Dafür ist Alfons bekannt. Alfons hatte gestern auch sein graues, überdimensionales Puschelmikrofon dabei. Sein Markenzeichen. In der Hand allerdings immer nur, wenn er auf die Bühne kam und sie verließ. Ansonsten lag es geradezu gemein unbeachtet am Rand der Marstallbühne auf dem Boden. Zu sehen war es allerdings immer  dann, wenn es Einspielungen von seinen Interviews per Video gab. Seiner eigentlichen Kernkompetenz. Seit gefühlt bestimmt seit 20 Jahren. So lange, verkündete er dem Publikum, sei er auch ungefähr Deutschland. Genauer gesagt in Hamburg, wo er mit seiner Familie wohnt. Aber das auch nur nebenbei.

Liebevolle Geschichte vom Rentner Heinz

Dem Publikum im Marstall servierte er vielleicht mehr als das, was sie von ihm erwarteten. Eingebettet in die wundervolle Musik von Natalie aus St. Petersburg am Klavier erzählt er seiner „Maman“ die liebevolle Geschichte vom Renter Heinz, der unbedingt in Berlin noch einmal die Schule besuchen möchte, in der er 1922 eingeschult wurde. In seinen Videoeinspielungen begleitet er den etwas gebrechlichen Rentner. Einen Mann eher schlichteren Gemüts, aber mit einem herzlichen Humor ausgestattet. Er entlockt ihm außergewöhnlich offene Antworten über Liebe, Frauen, seine Ehefrau und vieles mehr. Worin seine Komik bei den Interviews ja zumeist besteht. Am Ende, als sie gemeinsam vor der Schule in Berlin stehen, muss Rentner Heinz gar zweimal sei Taschentuch herausholen. Zu Tränen gerührt von der Situation. Alfons liebevolle Seite.

Immer ist er liebevoll. Nie bissig. Unbeholfen charmant. Da nimmt es ihm keiner übel, dass er seine Interview-Partner geradezu entblößt. Fremdschämen trotz peinlicher Antworten ausgeschlossen. Die Gefragten antworten außergewöhnlich offen und werden selbst entlarvt mit Vorurteilen. „Es gibt so wenig Kinder in Deutschland, weil es zu viele Schwule gibt“. Oder: „Ja, für ein Jahr Premiere umsonst würd ich auch nochmal ein Kind kriegen“.

Dackelblick gepaart mit französischen Charme: Die Ahrensburger mochten dies.

Dackelblick gepaart mit französischen Charme: Die Ahrensburger mochten dies.

„Macht mehr Kinder“

Ja, und das Thema, das beschäftigte Alfons an diesem Abend besonders. Daraus resultierten auch die Antworten von oben. Das Thema, das Deutschland ein Rentnerland ist und der Nachwuchs fehlt. „Liebe Deutsche, macht mehr Kinder. Nicht jetzt und sofort. Aber vielleicht nachher in der Pause. Oder macht doch einfach wieder ein Gesetz dafür. Das könnt ihr Deutschen doch so gut.“ Wenn Merkel sagt „macht mehr Kinder“, meinte Alfons, „hätte das dieselbe Wirkung, wie wenn Reiner Calmund sagt, esst mehr Obst“.“

Verzauberte mit den Klängen ihres Schifferklaviers: Natalie, Alfons musikalische Begleitung aus St. Petersburg.

Verzauberte mit den Klängen ihres Schifferklaviers: Natalie, Alfons musikalische Begleitung aus St. Petersburg.

Immer wieder nimmt Alfons die Deutschen mit ihrer Ordnung, ihren Gesetzen, ihrem Verwaltungshandeln aufs Korn. Er amüsiert sich, dass die Deutschen nachts an einer roten Ampel stehen bleiben, auch wenn weit und breit keine Auto in Sicht ist. „Die Berliner Mauer war unnütz. Eine rote Ampel hätte es auch getan.“ In Frankreich sei eine rote Ampel nur ein Vorschlag.

Überhaupt: 50 Jahre deutsch-französische Freundschaft: „Für uns nur ein Souvenir.“ Oder François Hollande, der französische Präsident, der keine Entscheidungen treffen kann. Franzosen und Deutsche, sie werden gleichermaßen von ihm auf die Pike genommen. Nett, aber nachhaltig. So wie Alfons eben ist.

Applaus, Applaus für Alfons und eine Flasche Sekt als Dankeschön für ihn am Ende der Vorstellung. Und wo waren die Blumen für Natalie, die das Publikum so verzauberte mit den Klängen ihres Schifferklaviers? Diese Frage blieb offen. Und sie darf doch gestellt werden, oder?

 

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