Schließung von St. Johannes ist nicht „alternativlos“: Offener Brief an den Gemeinderat

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Ahrensburg (ve). Der Haushalt der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg hat bis zur vergangenen Woche öffentlich ausgelegen. So konnten sich Interessierte ein eigenes Bild von dem Zahlenwerk machen. Hintergrund ist, dass die Kirchengemeinde ihr strukturelles Defizit verringern möchte, indem sie durch die Schließung des Gemeindezentrums und der Kirche St. Johannes Gelder einspart. Dieser Argumentation können nicht alle Mitglieder der Gemeinde folgen. ahrensburg24.de erreichte in offener Brief, in dem ein Ahrensburger sich konkret zu dem Haushalt äußert.

ahrensburg24.de veröffentlicht den Brief mit dem Hinweis, dass er eine Lesermeinung wiedergibt und nicht die Meinung der Redaktion darstellt.

 

„Offener Brief an die Damen und Herren des Kirchengemeinderates
z. Hd. Frau Pastorin Anja Botta

Der Haushalt 2014 der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ahrensburg hat bis zum Freitag der letzten Woche zur Einsichtnahme ausgelegen und ist auch von mir durchgesehen worden. Dabei erinnere ich mich selbstverständlich daran, dass über das ganze vergangene Jahr von den verantwortlichen Personen immer wieder betont wurde, wie „alternativlos“ die Schließung von St. Johannes für den Abbau des sogenannten strukturellen Defizits sei. Gleichzeitig wurden Einsparungen in allen Bereichen angekündigt und damit suggeriert, die Belastungen werden über die Gesamtgemeinde verteilt:

– „Wir haben ein strukturelles Defizit von 100 Tausend Euro. Der Haushalt für 2013 konnte nur durch den Griff in die Rücklagen ausgeglichen werden“ Für den Etat des kommenden Jahres müsse gespart werden (Herr Werner, HA 13.7.2013),
– „Die Rücklagen sind aufgebraucht, wir sind quasi pleite“ (Frau Botta, MARKT, 7.3.2013),
– „Es wird jede Position überprüft, dazu gehören auch die Standorte Haus der Kirche und Kirchsaal Hagen“ (Herr Werner, HA 27.4.2013),
– „Der Eindruck, dass der Standort St. Johannes als einziger für die Sanierung des Haushalts herangezogen wird, ist falsch“ (Frau Botta, HA 27.4.2013),
– „Es wird Blut, Schweiß und Tränen kosten“ (Frau Botta, HA 8.3.2013).

An diesen Vorgaben beziehungsweise Ansprüchen und ihren Bezug zur Wirklichkeit sind Ihre Haushaltsentscheidungen zu messen. Dabei ist leider festzustellen:

a. Es gibt im Haushalt 2014 zwar Mehreinnahmen gegenüber 2013 von etwa 16 Tausend Euro (T€). Sie resultieren zum einen aus höheren Einnahmen aus Kapitalvermögen (7 T€). Positive Effekte entstehen auch aus der Umschuldung beim Darlehen für den renditeorientierten Wohnungsbau in der Schulstraße 9-11 (9 T€). Hier hat man das Minusergebnis von jeweils 10 T€ in den letzten Jahren gewendet. Gleichwohl bleibt auch ein geringes positives Ergebnis angesichts der gebundenen Eigenmittel Ausdruck deutlich unzureichenden Wirtschaftens – und das offenbar dauerhaft!

b. Es gibt Mehrausgaben gegenüber dem Vorjahr von etwa 60 T€. Diese betreffen vor allem aber die Aufwendungen für die Schloßkirche und die Gemeindehäuser Am Alten Markt, im Hagen und in Gartenholz. Hier sind die Instandhaltungskosten (Baurücklage) – pflichtgemäß ? – erhöht worden. Da sich die übrigen Aufwendungen in diesen Haushaltspositionen allerdings nicht vermindert haben, belaufen sich die Erhöhungen insgesamt auf etwa 40 T€. Die proklamierte Spar-Beteiligung der anderen Standorte findet damit nicht statt!

c. Es gibt Minderausgaben, also Einsparungen gegenüber 2013, von insgesamt gut 80 T€. Diese lassen sich in zwei etwa gleich große Gruppen einteilen:
– viele kleine Ausgabenposten von etwa 45 T€ in der Gemeindearbeit und in der Kirchengemeindeverwaltung, im Pfarrdienst, Presse, Küsterdienste;
– weitere Kürzungen bei den Ausgaben für das Gemeindehaus und die Kirche St. Johannes um 27 T€ sowie die Streichung der zugehörigen Kantorstelle (10 T€).

Die offenbar so dringend erforderlichen Einsparungen im Haushalt werden also zur Hälfte mit vielen kleineren und eher unbedeutenden Ausgabenposten bewirkt. Zur anderen Hälfte aber allein mit Einsparungen um St. Johannes. Und das ist qualitativ eine ganz andere Dimension, nämlich die räumliche Abschaffung eines ganzen Gemeindebezirks. „Blut, Schweiß und Tränen“ sind völlig einseitig verteilt.

d. Es gibt Mindereinahmen von insgesamt 36 T€, hauptsächlich durch eine geringere Entnahme aus den Rücklagen von 30 T€. Das Defizit beträgt aber immer noch 106 T€ im Vergleich zu 136 im Vorjahr. Den Rücklagen werden also immer noch über 100 T€ entnommen, obwohl die doch angeblich aufgebraucht sind! Sieht so eine Pleite aus?

e. Und bitte sagen Sie jetzt nicht: Würde St. Johannes mit Gemeindehaus und Kirche wie bisher bestehen, dann würden beide – ebenso wie die anderen Gebäude mit der Erhöhung der Baurücklage bedacht – mit jeweils 40 T€ (und nicht wie im Haushalt 2014 ausgewiesen mit 8 T€) im Haushalt veranschlagt sein und das Defizit würde sich um weitere 72 T€ erhöhen. Dies würde die fast alleinige Belastung von St. Johannes nur noch deutlicher hervortreten lassen! Und bitte sagen Sie auch nicht wieder: die Gebäude seien der unwirtschaftlichste Standort: Das Amt für Denkmalschutz hat der Kirche noch im Frühjahr eine „gute“ Verfassung attestiert und die Renovierungskosten für das Gemeindehaus wurden nie nachgewiesen und dem Gebäude im Zweifel zu Gunsten der übrigen Standorte über Jahre verweigert.

Es bleibt die traurige Erkenntnis:
– Substantiell gehen alle Spar-Entscheidungen praktisch nur zu Lasten von St. Johannes und St. Johannes wird dabei sogar als finanzieller Spielraum für Mehrausgaben in den anderen Standorten genutzt.
– Bei allen Einsparungen an St. Johannes kann das sog. strukturelle Defizit 2014 gerade einmal um gut 20 % gesenkt werden. Wie soll es weitergehen, sind der Hagen und Gartenholz als Nächste dran ? Oder geht es vorrangig gar nicht um den Abbau des Defizits , sondern – entgegen allen Beteuerungen – um die Abschaffung von St. Johannes ?!

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Günter Ott, Ahrensburg

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