Gescheiterte Arbeitsteilung? Gabriele Fricke diskutiert mit

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Stormarn (ve). Die Gleichstellungsbeauftragten aller Kreise und Kommunen stehen vor einer kleinen Krise – oder vielmehr vor einer großen Frage. Sie lautet: “Care-Arbeit: Die gerechte Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern ist gescheitert – was nun?”. Gestellt wird die Frage bei einer Veranstaltung im Landeshaus in Kiel, bei der auch Stormarner Gleichstellungsbeautragte dabei sein werden.

Die Ahrensburger Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Fricke.

Die Ahrensburger Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Fricke.

Wie die Kreisverwaltung Stormarn mitteilt, steht die Frage im Mittelpunkt einer Veranstaltung am Montag, 24. Februar 2014, im Schleswig-Holstein-Saal des Landeshauses in Kiel. Die hauptamtlichen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein sind aufgerufen, gemeinsam mit der Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein Antworten zu finden.

„Die Männer müssen ihre Rechte einfordern“

Die Ahrensburger Gleichstellungsbeauftragte Gabriele Fricke hat schon eine Antwort: „Es ist durchaus so, dass die Arbeitsteilung bei Erziehungs- und Pflegeaufgaben oder im Haushalt nicht funktioniert. Ich wünsche mir, dass die Männer sich zusammen tun und ihre Ansprüche geltend machen, so wie die Frauen das gemacht haben.“ Die Männer müssten einfordern, dass sie ein Recht auf Erziehungszeit und ähnliches haben, „sie sind Väter, sie haben Söhne, um die sie sich kümmern müssen. Ich vermisse den Zusammenschluss der Männer, dies durchzukämpfen und einzufordern.“

Als „Care-Arbeit“ gilt die gesamte Breite von Sorge- und Pflegetätigkeiten von der Kindheit bis zum Alter. Sie wird nach wie vor im Privaten und mehrheitlich von Frauen ausgeübt. „Die Tatsache, dass Care-Arbeit in Deutschland individuell zu organisieren ist, führt vor allem für Frauen zur Zerreißprobe zwischen beruflichen und familiären Anforderungen“, so schreibt es die Landesarbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten.

Vortrag und Diskussion

Immer noch verbrächten Frauen doppelt soviel Zeit mit der Hausarbeit und vier Mal so viel Zeit mit ihren Kindern als ihre männlichen Partner. Auch die Pflege von Angehörigen liege in der Hand von Frauen. „Die Gleichberechtigung im Bereich der Fürsorgearbeit muss damit als gescheitert betrachtet werden“, so die Landesarbeitsgemeinschaft.

Prof. Dr. Helma Lutz von der Universität Frankfurt wird in ihrem Vortrag zur Care-Krise folgende Fragen aufgreifen: „Warum befinden wir uns in einer Care-Krise und warum spielt Care-Arbeit im öffentlichen Bewusstsein eine untergeordnete Rolle? Soll Fürsorgearbeit zwischen den Geschlechtern neu verteilt werden? Welche notwendigen Veränderungen in Politik und Gesellschaftergeben sich aus der Care-Krise?“

An der anschließenden Diskussion beteiligen sich Experten und Expertinnen aus Pflege und Betreuung, ein Anbieter haushaltsnaher Dienstleistungen, eine Gewerkschaftsmitarbeiterin, die Haushaltsangestellte mit Migrationshintergrund berät sowie eine Netzaktivistin als Vertreterin der jungen Generation.

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