Damit die Pflege Zuhause nicht zur Belastung wird

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Großhansdorf (ve). Wer krank ist, möchte am liebsten Zuhause gesund werden. Wer alt und krank ist, erst recht. Doch das stellt die Familie und das Umfeld häufig vor eine Herausforderung, die sie selber gar nicht abschätzen können. Damit „Pflege Zuhause“ gelingen kann, bietet die LungenClinic Großhansdorf jetzt kostenlos Rat und Hilfe allen, die sie brauchen.

Ingrid Grundmann, Ute Westphal und Manuela Käßler vom Pflegedienst organisieren unterstützt von Gunar Schlage und Stephan Seifen die "Familiale Pflege" (jeweils von links).

Ingrid Grundmann, Ute Westphal und Manuela Käßler vom Pflegedienst organisieren unterstützt von Gunar Schlage und Stephan Seifen die „Familiale Pflege“ (jeweils von links).

Es ist ein Projekt der Universität Bielefeld, mit dem flächendeckend die so genannte „Familiale Pflege“, also die Pflege im häuslichen Umfeld, etabliert werden kann. Finanziert wird es derzeit von den AOK-Pflegekassen NordWest und Nordrhein-Westfalen. Umgesetzt wird es von der Pflegedienstleitung der Krankenhäuser, in Stormarn derzeit die LungenClinic. Und profitieren davon können alle, die sich um kranke Verwandte, Freunde oder Nachbarn kümmern.

Qualität sicher stellen in der häuslichen Pflege

Stephan Seifen könnte Geschichten erzählen, wenn er wollte. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität Bielefeld hat die Folgen falscher häuslicher Pflege gesehen, „da ist das Wundliegen noch das geringste Problem.“ Die Ursache sei die mangelnde Kenntnis der Angehörigen, wie richtige Pflege geht. Seifen: „Unser Projekt soll die Qualität der häuslichen Pflege verbessern.“

Wie funktioniert es? Die Krankenschwestern Ute Westphal und Manuela Käßler haben sich weiterbilden lassen zu Pflegetrainern. In der Krankenpflege kannten sie sich schon vorher aus, nun sind Pädagogik und Erwachsenenbildung dazu gekommen. Das befähigt sie zum einen, die Angehörigen in der richtigen Pflegetechnik zu unterrichten. Und zum anderen, eine Beratung anzubieten, wie Pflege Zuhause so aufgestellt werden kann, dass sie auch dauerhaft zu leisten ist.

Ein Pflege-Netzwerk wird aufgebaut

„Wir betreuen die Familie etwa sechs Wochen lang nach der Entlassung des Patienten aus der Klinik“, erzählt Ute Westphal. „Wir schauen, wie die Situation der Familie, Freunde und Nachbarn ist, welche Einrichtungen helfen können und wer welche Pflege übernehmen kann.“ So entstehe ein Pflege-Netzwerk, in dem keiner Gefahr läuft, überfordert zu werden.

Nicht nur für Mitglieder der AOK-Krankenkasse

Die LungenClinic ist Vorreiter im Kreis Stormarn für dieses Projekt. Derzeit laufen außerdem Verhandlungen mit dem St. Adolfstift in Reinbek und der Asklepios Klinik in Bad Oldesloe. Gunar Schlage, AOK-Regionaldirektor, steht auf Seiten der AOK für das Projekt: „Wir finanzieren es aus der Pflegekasse, weil wir meinen, dass damit die häusliche Pflege nachhaltig verbessert werden kann. “ Übrigens nicht nur für AOK-Mitglieder, das Angebot können auch Mitglieder anderer Krankenkassen in Anspruch nehmen. Kostenlos. Und die Beratungen können auch Menschen in Anspruch nehmen, bei denen der Pflegefall (noch) nicht akut ist.

Häusliche Pflege ist ein Wirtschaftsfaktor, die Arbeitsleistung der Angehörigen spart die Arbeitsleistung von Pflegekräften, und ohne diese Art der Pflege wird es in Zukunft gar nicht gehen: Laut Berechnungen der Universität Bielefeld steigt bis zum Jahr 2050 die Anzahl der Pflegebedürftigen von jetzt 2,5 Millionen auf dann 4,8 Millionen.

Die Schleswig-Holsteiner sind dabei etwas zurückhaltend: Von ihren über 80.000 Pflegebedürftigen pflegten sie knapp 60 Prozent Zuhause, der Bundesdurchschnitt liegt bei 70 Prozent (Zahlen aus 2011). Mit Angeboten wie der Familialen Pflege könnte sich das ändern, denn, so Seifen: „Die Pflege Zuhause ist vor allem eines: der Wunsch der pflegebedürftigen Menschen und ihrer Angehörigen.“

Kontaktdaten und Ansprechpartner

Ute Westphal und Manuela Käßler sind per Anrufbeantworter immer erreichbar. Anfragen zu Beratungen oder Anmeldung zu einem ersten Kursus, er beginnt am Montag, 31. März 2014, nehmen sie unter der Rufnummer 04102 / 601 17 10 entgegen.

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