Gastbeitrag: „Die S4 jenseits von Rahlstedt ist widersinnig“

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„Projekt S4 Ost – eine Zwischenbilanz auf Basis der Vorplanung“, ein Gastbeitrag von Wilhelm Hummeltenberg, Ahrensburg

Eine S31 startet im Hamburger Hauptbahnhof. In einigen Jahren könnte dies auch für die S4 gelten.

Eine S31 startet im Hamburger Hauptbahnhof. In einigen Jahren könnte dies auch für die S4 gelten.

Im Dezember 2010 stellten Deutsche Bahn und Kieler Verkehrsministerium das Projekt „S4 Ost“ vor. Die Ergebnisse der Vorplanung liegen seit Dezember 2013 im Internet aus. Die nun anstehende Kosten-Nutzen-Analyse gemäß Standardisierter Bewertung gibt Anlass zu einer Zwischenbilanz. Sie orientiert sich an § 3 Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz. Danach ist ein Vorhaben förderungswürdig, wenn es nach Art und Umfang zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse dringend erforderlich ist und die Ziele der Raumordnung und Landesplanung berücksichtigt, bau- und verkehrstechnisch einwandfrei und unter Beachtung des Grundsatzes der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit geplant ist.

S4 Los Hamburg, das eine 2-gleisige S-Bahn-Neubaustrecke Hasselbrook – Rahlstedt vorsieht, dient zweifelsfrei einer Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in Hamburg; beim Los Schleswig-Holstein ist dies für Stormarn zu verneinen. Eine Verlängerung der S4 über Rahlstedt hinaus wäre ebenso widersinnig wie bei der S3 von Pinneberg nach Elmshorn.

Zu vergleichbaren Ergebnissen gelangte die Standardisierte Bewertung der „S-Bahn-Falkensee“ bei einer Verlängerung der S5 über Spandau hinaus in den „Berliner Speckgürtel“. Eine S 4 könnte im 2-Systembetrieb auf Hamburger Gebiet höchstens 100 km/h und in Stormarn maximal 140 km/h fahren.

Den Zielen der Raumordnung und Landesplanung von Schleswig-Holstein würde entsprechen, nach Fertigstellung von S4 Los Hamburg die Fahrzeiten der RB-Züge zu verkürzen, indem sie mit Höchstgeschwindigkeit 160 km/h verkehren (wofür Doppelstockwagen ausgelegt sind) und Halte zwischen Hauptbahnhof und Rahlstedt entfallen. Landesregierung und Kreistag Stormarn sind daher gefordert, neue Linienführungen im Regionalverkehr in die Standardisierte Bewertung einzubringen. Jene Szenarien sind ebenso einer Kosten-Nutzen-Analyse zu unterziehen, um die wirtschaftlichste aller Varianten zu ermitteln.

Wirtschaftlichkeitsnachweise, die darauf gründen, dass eine S4 die RB 10 ersetzt und so die Leistungsfähigkeit der Strecke erhöht wird, um Zuwächse im Güterfernverkehr aufzunehmen, sind nach der Landesplanerischen Beurteilung von Ministerpräsident Torsten Albig im Raumordnungsverfahren zur Strecke „Lübeck – Puttgarden“ als raumunverträglich anzusehen. Wegen der zu erwartenden Belastungen durch den Güterverkehr ist nicht nur die Bäderstrecke durch eine autobahnnahe Trasse zu ersetzen; vielmehr sind auch die Siedlungsgebiete im Binnenland zu umfahren. In Stormarn gelten dieselben Maßstäbe. Eine autobahnparallele Güterzugstrecke zur BAB A1 zwischen den Kreuzen Lübeck und Hamburg-Ost ist in greifbare Nähe gerückt!

Zu Person

Der Ahrensburger Wissenschaftler Professor Wilhelm Hummeltenberg, emeritierter Professor der Universität Hamburg, hat sich lange beruflich mit der Fehmarnbelt-Querung befasst. Jetzt richtet er seinen Blick auf die Folgen für Ahrensburg, sollte die Bahnstrecke nach dem Bau der Querung wesentlich stärker befahren sein und gleichzeitig die neue S-Bahn S4 fahren.

 

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