Oskar Manigk in der Marstall-Galerie: Kunst, die sich nicht (ver-)bieten lässt

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Ahrensburg (ve). Oskar Manigk hat den komplizierten Weg gewählt: Er wollte sich treu bleiben und musste zu Zeiten der DDR auf die Öffentlichkeit seiner Kunst weitestgehend verzichten. Nun darf er ausstellen und tut dies mit inzwischen 80 Jahren seit heute in der Galerie des Marstall. Die Ausstellung „Oskar Manigk – Begegnungen im Atelier“ wird veranstaltet von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn.

Oskar Manigk bei der Vernissage seiner Ausstellung heute in der Galerie im Marstall.

Oskar Manigk bei der Vernissage seiner Ausstellung heute in der Galerie im Marstall.

Oskar Manigk geht es um das komplizierte Leben, um den Menschen in seinen Irrungen und Wirrungen. Der in Berlin und auf Usedom lebende Maler ist ein feiner Beobachter menschlicher Tragik – und er verliert dabei nie den Blick auf das wirkliche Leben. Mit Süffizanz, Satire, entlarvender Genauigkeit und viel Liebe zu den Menschen.

Was macht ein glückliche Leben aus?

Amy Whinehouse zum Beispiel, Manigk: „All‘ ihr Geld und ihre Berühmtheit hat ihr Leben nicht befördert, ihr großes Können nicht zu einer großen Zufriedenheit geführt.“ Diesen Widerspruch empfindet er stark, die Zerrissenheit der Menschen bringt er auf seine Leinwand.

Damit war in der DDR salopp gesagt kein Blumentopf zu gewinnen. „Ich habe Zuhause meine Bilder gemalt, konnte sie kaum in der Öffentlichkeit ausstellen.“ Gelebt hat er von Auftragsarbeiten, die er für staatliche Organisationen umgesetzt hat, und von Keramiken. „Die staatlichen Organen hat es nicht interessiert, was ich Zuhause gemacht habe, daher konnte ich im Verborgenen wenigstens malen.“

Professor Eugen Blume, Galerist Hubert Schwarz, der Künstler Oskar Manigk, Dr. Katharina Schlüter von der Kulturstiftung und Landrat Klaus Plöger (von links) bei der Ausstellungseröffnung.

Professor Eugen Blume, Galerist Hubert Schwarz, der Künstler Oskar Manigk, Dr. Katharina Schlüter von der Kulturstiftung und Landrat Klaus Plöger (von links) bei der Ausstellungseröffnung.

Heute muss er seine Bilder nicht mehr verstecken, seit 22 vertreibt sie der Greifswalder Galerist Hubert Schwarz. Doch jetzt weht Manigk nicht die Ideologie, sondern der Kapitalismus entgegen: „Nicht jeder Mensch möchte sich Bilder in sein Zimmer hängen, die tragische Szenen zeigen“, benennt Hubert Schwarz die Reaktionen der Menschen auf die Manigk’schen Bilder. Nun regiert der Kunstmarkt den Verkauf der Bilder.

Zwischen Großstadt und Landleben

Die Reaktion von Manigk bleibt die gleiche: Er malt so, wie er die Welt sieht. Er erlebt sie in der Großstadt Berlin in ihrem fratzenhaftem Lärm und auf Usedom in ihrer trügerischen Romantik. Mit expressiven Pinselzügen, klaren Farben und breiten Konturen bringt er dies auf große Leinwände. Die Augen einer Frieda Kahlo oder Amy Whinehouse schreien starr aus den Leinwänden, vereinen Wut, Traurigkeit und Lebenslust in wenigen Pinselstrichen.

Die Sparkassen-Kulturstiftung hat seine Kunst nach Stormarn geholt und zeigt damit die Kunst des Nordens. Kunstinteressierte des Kreises waren bei der Vernissage dabei, Landrat und Stiftungsvorsitzender Klaus Plöger begrüßte die Gäste, der Leiter der Nationalgalerie Hamburger Bahnhof in Berlin, Professor Dr. Eugen Blume führte mit einfühlsamen Worten in das Werk Manigks ein.

Stormarner Kunst nach Usedom

Mehr noch kann aus dieser Ausstellung entstehen: Galerist Hubert Schwarz überbrachte eine Einladung vom Usedomer Kunstverein. Ein Stormarner Künstler oder Künsterlin sei eingeladen, in 2016 in der Galerie in Heringsdorf auszustellen. Die Kulturstiftung wird sich jetzt beraten müssen.

Die Ausstellung ist ein Teil des Stormarner Kulturherbstes, bei dem norddeutsche Künstler präsentiert werden. Ein umfangreiches Beiprogramm wird zu der Ausstellung angeboten. Mehr dazu finden Sie in dem Bericht „Stormarner Kulturherbst: Oskar Manigk ist im Marstall zu erleben“ auf ahrensburg24.de.

Ebenfalls im Rahmen des Stormarner Kulturherbstes ist seit gestern in der Galerie in der Wassermühle Trittau die Ausstellung „Landschaft/Zone“ von Peter Boué und Alexander Rischer zu erleben. Diese zeigt schwarz-weiße Fettkreidezeichnungen Boués, welche durch Schwarz-Weiß-Fotografien von Alexander Rischer ergänzt werden. Beide Ausstellungen gehen bis zum 28. September 2014.

Gäste der Vernissage.

Gäste der Vernissage.

Gäste der Vernissage.

Gäste der Vernissage.

Bilder von Oskar Manigk in der Galerie des Marstall.

Bilder von Oskar Manigk in der Galerie des Marstall.

Vernissage Manigk Vernissage Manigk

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