kulturLINK: Die mentale Brücke über den Fehmarnbelt ist geschlagen

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Stormarn (ve/pm). Vier Jahre „kulturLINK“: Zufrieden zogen Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, und Kim C. Dawartz, Kulturleiter der dänischen Næstved Kommune Bilanz. Das Projekt „kulturLINK Fehmarnbeltregion“ hat die Erwartungen erfüllt und Kulturschaffende auf der deutschen und der dänischen Seite der Meerenge zusammengeführt. So teilt es die IHK heute mit. Vier Jahre nach dem Beginn der Förderung ist das INTERREG-IVA-Projekt zu Ende gegangen.

Eine gemeinsame Identität könne zwar durch ein Projekt alleine nicht entstehen, der Weg sei aber geebnet, betonten der deutsche und der dänische Hauptpartner auf der „kulturLINK“-Abschlusskonferenz vor rund 100 Teilnehmern in Næstved.

„Kultur ist der Leim der Gesellschaft“

„Kultur ist der Leim, der unsere Gesellschaft zusammenhält“, sagte Stig Rømer Winther von der Stiftung Femern Belt Development. Kulturelle Zusammenarbeit ermögliche es, Menschen in anderen Ländern zu verstehen. Winther sprach sich dafür aus, an die Erfolge von „kulturLINK“ anzuknüpfen und mit einem ähnlichen Projekt das zwischenmenschliche Zusammenspiel zu fördern. „Dabei reicht es nicht, Ausstellungen zu organisieren, wir müssen tiefer gehen.“ Die Politik solle darüber nachdenken, mehr Geld als bisher in verbindende Projekte wie „kulturLINK“ zu investieren.

Auch STRING-Direktor Jacob Vestergaard bedauerte das Auslaufen des Projektes. Er regte eine Fortsetzung an – bei gleichzeitiger Ausdehnung bis Hamburg. Seiner Ansicht nach müssten Deutsche und Dänen „von unten“ zusammenwachsen. „Die Kultur ist dabei von entscheidender Bedeutung, denn Zusammenwachsen lässt sich nicht von oben steuern“, betonte er. Es sei allerdings Aufgabe der Politik, die Rahmenbedingungen für die Entfaltung von Kreativität zu schaffen. In dem Fall würden sich Investitionen in die Infrastruktur rentieren.

Gemeinsam mit der Kulturchefin der Region Skåne, Gitte Wille, betonte Vestergaard, dass die Fehler beim Zusammenwachsen wie vor Jahren in der Öresundregion zu vermeiden seien. Wille: „Die Erfahrung hat gezeigt, dass alles zerfällt, wenn die Investitionen und die politische Kontinuität wegbrechen.“

Anders als im Öresund

Damit die Integration am Fehmarnbelt nicht hinterherhinke wie am Öresund, sollten die Politiker zügig die Weichen für die Sprachausbildung an den Schulen in Deutschland und Dänemark stellen. „Wir müssen bei den Kindern anfangen. Die Sprache ist der gemeinsame Ausgangspunkt. Wir sollten nicht mehr Englisch mit einander kommunizieren, sondern deutsch und dänisch“, sagte sie unter dem Applaus der Zuhörer.

Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer des Unternehmenszusammenschlusses Baltic Facility Solutions, stellte den Wunsch der Wirtschaft nach einer Fortsetzung der bisherigen „kulturLINK“-Aktivitäten heraus. „Kultur ist mehr als Kunst, sie ist auch Mentalität. Aber es ist nicht die Kultur, die die Menschen zusammenbringt, sondern es sind die Menschen, die die Kultur zusammenbringen.“

Auch er sehe einen Garanten für den Erfolg in der Sprache. Wenn beide Seiten einander verstünden, sei das Nachfragen und Aufeinander-Zugehen bei Irritationen einfach. „Ohnehin ist es noch nie so gewesen, dass das produzierende Gewerbe der Dienstleistungswirtschaft folgt, sondern umgekehrt. Wenn wir investieren, wird die Kultur folgen, da bin ich mir sicher“, so Schönfeldt.

Dafür forderte die Künstlerin und Galeristin Heike Arndt ein neues Verständnis von Kunst und Kultur. „Sie dürfen nicht der kleinste gemeinsame Nenner sein, sondern ein gewisses Niveau haben.“ Langfristig sollten der öffentliche Bereich und auch die Wirtschaft mehr Geld für die Kultur zur Verfügung stellen. „Alle wollen die Kultur nutzen, aber keiner will dafür bezahlen“, beklagte Arndt.

Zusammenfassend stellten die deutsche Projektleiterin Nicola Lucas und der dänische Kulturscout Helen Sværke die Erfolge des „kulturLINK“-Projektes heraus. „Die mentale Brücke ist geschlagen, wir haben den Aufbau eines regionalen Bewusstseins unterstützt“, so Lucas. Das Projekt sei Katalysator und Koordinator neuer Beziehungen gewesen und habe den interkulturellen Dialog gefördert.

„Wir haben das erste Kulturnetzwerk der Fehmarnbeltregion etabliert und die grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit vertieft“, so Sværke. Sie stellte aber zugleich fest, dass die Durchdringung einer kulturellen Identität ein langfristiger Prozess sei. Aufgrund des großen Interesses auf beiden Seiten des Fehmarnbelts stelle „kulturLINK“ seine Website und den Facebook-Auftritt für die Fortsetzung der Kooperationen zur Verfügung. Zudem würden die Projektpartner ihre Kenntnisse und ihr Wissen in ihre weitere Arbeit einfließen lassen und an weitere Akteure weitergeben. Die Projektleiterinnen kündigten an, dass ein weiteres von der EU gefördertes INTERREG-Projekt in Planung sei.

Über „kulturLINK Fehmarnbeltregion“

„kulturLINK“ ist ein Kunst- und Kulturnetzwerk in der Fehmarnbeltregion. „kulturLINK“ hatte die Zielsetzung, während der Projektlaufzeit Strukturen und Netzwerke aufzubauen, die einen Rahmen für gemeinsame grenzüberschreitende kulturelle Projekte und Aktivitäten schaffen. Die Projektpartner des INTERREG IV A Projektes waren: Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, Kreis Ostholstein, Hansestadt Lübeck, AktivRegion Wagrien-Fehmarn, KulTour GmbH und auf dänischer Seite, die Næstved Kommune, stellvertretend für 13 weitere Kommunen.

Weitere Informationen unter www.kulturlink.org oder auf www.facebook.com/kulturlink

Aktuelle Meldungen finden Sie im Newsroom der IHK zu Lübeck: www.ihk-schleswig-holstein.de/newsroom-ihkluebeck

 

Quelle: IHK zu Lübeck

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