IHKs in Schwerin und Lübeck: „Fehmarnbelt-Querung ist eine große Chance“

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Lübeck/Stormarn (ve/pm). Die feste Fehmarnbelt-Querung wird der Wirtschaft in Norddeutschland neue und wichtige Impulse geben. Davon zeigten sich Friederike C. Kühn, Präses der IHK zu Lübeck, und Uwe Hellriegel, Vizepräsident der IHK zu Schwerin, überzeugt. Auf ihrer ersten gemeinsamen Vor-Ort-Tour besuchten die Mitglieder beider IHK-Vollversammlungen gestern den Fehmarnbelt, an dem ab 2015 das größte Bauwerk Nordeuropas entsteht.

Tunnel unter der Ostsee: Impulse für die Regionen sollen genutzt werden. Grafik:Femern A/S

Tunnel unter der Ostsee: Impulse für die Regionen sollen genutzt werden.
Grafik:Femern A/S

„Hier wächst ein neues Kraftzentrum im Dreieck Kopenhagen-Hamburg-Berlin“, so Hellriegel. „Davon werden die Menschen und die Wirtschaft im Schweriner IHK-Bezirk profitieren.“ Entscheidend sei es, weitere Unternehmen an den Magistralen zwischen den Metropolen anzusiedeln. „Unsere HanseBelt Region wird als Drehscheibe zwischen dem Ostseeraum und Mitteleuropa zunehmend attraktiv für Investoren, auch im Zusammenhang mit dem Bau der A14 und des zu realisierenden Gleisbogens bei Bad Kleinen sowie mit dem Ausbau des Seehafens Wismar. Besonders die Bundesregierung ist jetzt in der Verantwortung, die Hinterlandanbindungen rechtzeitig und bedarfsgerecht auszubauen“, unterstrich Hellriegel.

„Stormarn hat profitiert“

Präses Kühn ergänzte: „Die fünf Autobahnen A7, A21, A1, A20 und A24 haben schon immer zur Entwicklung der Wirtschaft in Norddeutschland beigetragen. Besonders die Kreise Segeberg und Stormarn haben von den kraftvollen Achsen und ihrer Nähe zur Metropole Hamburg profitiert. Parallel zum Bau des Tunnels und seiner Anbindungen auf deutscher Seite müssen wir die Attraktivität des ganzen Wirtschaftsraumes steigern.“

Für die Ansiedlung von Unternehmen seien zum Beispiel Energiekosten entscheidend. „Die an den Küsten gewonnene Windenergie und neue Gewerbegebiete an den Autobahnen sind entscheidende Standortvorteile für uns, um über die Bauphase hinaus Unternehmen an unsere Region zu binden“, so Kühn.

Exkursion nach Dänemark

Auf der gemeinsamen Exkursion besichtigten die Vollversammlungsmitglieder das Baustellengelände im dänischen Rødby und informierten sich über die geplanten Bauarbeiten. Ajs Dam von Femern A/S erläuterte das dänische Konjunkturprogramm auf Lolland-Falster.

Derzeit investiert der dänische Staat rund 1,2 Milliarden Euro und bringt erste Verbesserungen der Infrastruktur auf den Weg, wie zum Beispiel den Ausbau der Schienen- und Straßenanbindung des Tunnels. Damit profitiere die Bevölkerung der Region Seeland bereits vor der Fertigstellung der festen Querung von einer deutlich leistungsfähigeren Verkehrsinfrastruktur.

Stig Römer Winther, Geschäftsführer der dänischen Projektstiftung Femern Bælt Development, berichtete über die regionalen Aktivitäten. Besonders Lolland-Falster erwarte vom Bau der Querung zusätzliche Arbeitsplätze und eine nachhaltige wirtschaftliche Verbesserung.

Bereits heute suchten Unternehmen die Nähe zur geplanten Baustelle, um ergänzende Dienstleistungen und Services anzubieten. Ergänzend dazu stellte Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer der Baltic Facility Solutions GmbH (BFS), die Aktivitäten auf deutscher Seite vor. Unter dem Dach der BFS kooperieren rund 20 Unternehmen in einer Partnerschaft, um ein breites Spektrum an Baudienstleistungen anzubieten.

Was wird aus der Fehmarnsund-Brücke?

Mit Blick auf die jüngste Zusage des Bundes, die alte Brücke über den Fehmarnsund durch zwei neue Brücken zu ersetzen, sagte Wirtschaftsminister Reinhard Meyer: „Diese klare Entscheidung ist ein wichtiges Signal und zugleich ein deutliches Bekenntnis des Bundes zur Beltquerung. Wir werden nun als Land alles daran setzen, dass die Planung schnell in Angriff genommen wird. Wir müssen uns auch mit aller Kraft dafür einsetzen, dass intelligente Lösungen gefunden werden, wie die erwarteten steigenden Verkehrsmengen bis zur Fertigstellung der neuen Brücken abgefedert werden können. Hier wartet noch eine große Herausforderung auf uns. Aber klar ist: Schleswig-Holstein wird zum ‚Land der Brückenbauer‘.“

Und was wird mit der Autobahn14?

Sein Amtskollege in Mecklenburg-Vorpommern, Infrastrukturminister Christian Pegel unterstrich ebenfalls die Chancen, welche die neue feste Querung für Norddeutschland bietet. Zudem betonte er, dass mit den neuen Verkehren aus Skandinavien auch dringend Bypasslösungen für den Großraum Hamburg benötigt würden. „Deshalb haben wir mit viel Kraft den Bau der A14 voran getrieben. Dieses für ganz Ostdeutschland zentrale Verkehrsprojekt bietet großen Nutzen auch für den Norden und steigert die Kapazitäten für Transporte aus Skandinavien. Ohnehin muss mehr im Rahmen des Verkehrsnetzes gedacht werden und weniger in Konkurrenz zwischen den Ländern. Die feste Fehmarnbelt-Querung ist nicht nur gut für Schleswig-Holstein und die A14 ist nicht nur gut für den Osten“.

Ende September: Fehmarnbelt Days in Kopenhagen

Weitere entscheidende Impulse für die Region erwartet die Wirtschaft von den Fehmarnbelt Days. Vom 30. September bis 2. Oktober 2014 treffen sich Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden in Kopenhagen. Dort beraten sie über die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden. Weitere Informationen gibt es unter www.fehmarnbeltdays.com.

Die IHK zu Lübeck und die IHK zu Schwerin haben vor rund einem Jahr eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Sie verständigten sich darauf, in den wichtigsten Wirtschaftsbereichen enger zusammenzuarbeiten. Zudem ist die IHK zu Schwerin der von der IHK zu Lübeck initiierten Unternehmensinitiative HanseBelt beigetreten.

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