Es geht um beschlossene Velorouten, nicht um Luxusradwege!

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Leserbrief von Detlef Steuer, Ahrensburg, zu der Debatte im Bauausschuss, nachzulesen in dem Artikel „Stolperstein Radweg: SPD trägt Vorschläge zur Veloroute nicht mit/Hansen tritt aus Arbeitsgruppe aus“.

Man muss sich schon wundern, wie Entscheidungen in Ahrensburg fallen.

Es ist nicht so, dass die Verwaltung der Stadt die Stadtverordneten, die jetzt von „Verschwendung“ und „Luxusradweg“ schwadronieren, mit der Anlage der neuen Radwege hinters Licht geführt hätte. Weit gefehlt! Im Rahmen des Masterplans Verkehr und der enthaltenen Radverkehrskonzepts haben die Stadtverordneten einstimmig (!) unter anderem beschlossen,
dass es in Ahrensburg zukünftig bis zu 10 Hauptstrecken für den Radverkehr geben soll, die sogenannten Velorouten.

Diese sollen gemäß der geltenden Richtlinien, – es sagt schon alles, dass man das in Ahrensburg betonen muss – , durch die Verwaltung je nach Verfügbarkeit von Mitteln baulich hergestellt werden. Grundlage, um die Strecke festzulegen waren allgemeine Überlegungen, Schulen und Bahnhöfe sollen gut angebunden werden, und die Verkehrszählung zum Masterplan. Alle Parteien haben sich im Masterplan auf das übergeordnete Ziel der Förderung des ÖPNV und des Radverkehrs verpflichtet.

Leider können sich wohl viele Stadtverordnete nicht so richtig an ihre eigenen Beschlüsse und die wirklich langwierigen Prozesse bis zum Masterplan zu erinnern. Dabei sollte bei den Kosten der Erstellung dieses Planes den Verordneten dessen Ergebnisse lieb und teuer sein. Denn teuer für den Bürger war es auf jeden Fall!

Beispielsweise haben bei der Begehung des Katzenbuckels alle anwesenden Verordneten immer wieder behauptet es gäbe keine Zählungen des Radverkehrs. Ich bitte doch mal im verabschiedeten Masterplan nach zu schauen. Dort liegen allen Stadtverordneten die Zählungsdaten vor. Die Stadt hat dafür bezahlt!

Der Beimoorweg wiederum ist nach demselben Plan Teil einer der neuen Hauptrouten im Radverkehrskonzept der Stadt. Er ist deshalb in der Rad-AG der Stadt, dort sitzen unter anderem die Fachleute der Polizei, der Verkehrsaufsicht und des Bauamtes, so geplant worden, wie es in der Vorlage stand. Bei der AG ist auch die Politik stets eingeladen worden teilzunehmen. Die Termine liegen nie parallel zu anderen Sitzungen in der Stadt. Meist wird dies aber nur von den Grünen und der SPD wahrgenommen.

Herr Möller (SPD, Vorsitzender Bauausschuss) hat übrigens der Planung für den Beimoorweg in der Rad-AG, so wie sie
vorgelegt wurde, zugestimmt. Er war persönlich anwesend und es war auch ihm anscheinend schlüssig erklärt worden, warum die Planung so entstanden ist. Zumindest hat niemand während der AG Einwände gegen den gefundenen Kompromiss geäußert. 

Nun fordert derselbe Herr Möller einen viel schmaleren gemeinsamen Geh- und Radweg. Wenn man aber in die sogenannte ERA, das verbindliche Regelwerk, wie Radverkehrsanlagen in Deutschland anzulegen sind, einen Blick wirft, so steht dort, dass gemeinsame Geh- und Radwege auf „Hauptstrecken des Radverkehrs“ ausgeschlossen sind. Genau zu einem solchen Hauptweg haben die Stadtverordneten aber diese Strecke durch die Festlegung als Radroute gemacht!

Genau so, wie am Katzenbuckel entspricht die Umsetzung durch die Stadt exakt dem, was die Politik als Vorgabe beschlossen hat! Nun auf die Verwaltung zu schimpfen, weil es bei den Bürgern Widerstand gegen eine Einzelmaßnahme
gibt, ist billig aber unlauter! Man sollte wenigstens den Mumm haben eigene Fehler einzugestehen, wenn man meint, dass Fehler passiert seien.

Im Vorfeld von Wahlen und auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit schwören alle Parteien, dass sie natürlich den Radverkehr fördern wollen. Gesetzlich festgeschrieben ist, dass alle Arten von Verkehr in den Entscheidungen gleichberechtigt berücksichtigt werden müssen. Die Realität in Ahrensburg sieht leider komplett anders aus. Für eine
Umgehungsstraße ist man relativ leicht bereit große Summen auszugeben. 

Es waren damals Zahlen zwischen 5 und 10 Mio für die Nordtangente im Gespräch. Das entspricht dem Etat für den Radverkehr für 100 bzw. 200 Jahre! Jedes Jahr tauchen im Ahrensburger Haushalt ominöse 50.000 € für den Radverkehr auf. Manchmal wird etwas nachgeschossen, manchmal nicht. Soviel zum Thema, dass allen Parteien die Förderung des Radverkehrs sehr wichtig ist! Warten wir mal den nächsten Haushalt ab, und was den Parteien der Radverkehr in 2015 wert ist!

Insgesamt ist es erschütternd mit wie wenig Sachkenntnis in dieser Frage agiert wird. Es ist halt einfacher das eigene Bauchgefühl zu pflegen, als ich mit dem Sachproblem konstruktiv im Rahmen der rechtlichen und technischen Gegebenheiten auseinander zu setzen. Denen, die sich in der AG um sachdienliche Lösungen bemühen, wird als
Krönung noch aus Reihen der Politik entgegengeschleudert „die AG interessiert mich nicht, die Politik entscheidet“. Na dann, da macht es richtig Spaß sich ehrenamtlich zu engagieren. Und auch den Mitarbeitern der Stadt und der Polizei wird so unmissverständlich klar gemacht, wie sehr ihre Arbeit geschätzt wird. Besten Dank dafür, jetzt wissen wir
wenigstens Bescheid!

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