Stiftungstag in Ahrensburg: Niedrigzins bringt Stiftungen in Existenznot

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Ahrensburg (ve). Wie geht es den Stiftungen regional und überregional? Wie zeigt sich ihr Engagement, wie ist ihre finanzielle Situation? Insbesondere bedroht vom Niedrigzins auf den Kapitalmärkten? Das haben die Vorstände von rund 30 Stiftungen der Region gestern Abend im Marstall diskutiert. Mit einem dramatischen Blick auf die Finanzen.

Die Referentin des Bundesverband Deutscher Stiftungen, Ulrike Reichart, mit Dr. Michael Eckstein, Bürgerstiftung Region Ahrensburg.

Die Referentin des Bundesverband Deutscher Stiftungen, Ulrike Reichart, mit Dr. Michael Eckstein, Bürgerstiftung Region Ahrensburg.

Unter Anwesenheit von Kreispräsident Hans-Werner Harmuth und Bürgervorsteher Roland Wilde sowie Bürgermeister Michael Sarach – der qua Amtes auch im Stiftungsrat der Stiftung Schloss Ahrensburg sitzt – wurde über den Wert und die Nachhaltigkeit des Stiftungswesens gesprochen. Eingeladen hatte Dr. Michael Eckstein von der Bürgerstiftung Region Ahrensburg. Und als Hauptrednerin war zu Gast Ulrike Reichart, die Leiterin der Initiative Bürgerstiftungen im Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Die Biene Maja und die Bürgerstiftungen

Ulrike Reichart kam von Berlin nach Ahrensburg um – unter anderem – ihrer Kindheitserinnerung Biene Maja zu begegnen. Und so wählte sie den unterhaltsamen Weg, in ihrer Rede eine deutliche Analogie zwischen der Biene Maja und der BürgerStiftung Region Ahrensburg und schließlich übertragen auf die Bienen und die Bürgerstiftungen insgesamt zu zeichnen.

Beide sind ungefähr 100 Jahre alt, die Biene Maja wurde 1912 geboren, die erste Bürgerstiftung wurde 1914 in Cleveland, Ohio, in den USA gegründet. Beide sind auf den Fleiß ihres Schwarmes beziehungsweise ihrer Mitarbeiter angewiesen, Reichart: neben dem Kapital sei „mindestens ebenso wichtig die Zeit- und Ideenstifter, die die Bürgerstiftungen mit Leben füllen. 95 Prozent aller Arbeit in Bürgerstiftungen wird ehrenamtlich geleistet.“

BürgerStiftung: Die Mitarbeiterin musste gehen

Eine weitere Herausforderung betrifft die für beide bald dramatische Situation: Der Nektar – also die Kapitalerlöse – fehlen. Das Bienensterben mangels Blüten wird häufig als Gefahr genannt. Mit Blick auf die Stiftungen heißt das „Niedrigzins“, der die Stiftungen existenziell gefährdet. Stiftungen, deren operative Mittel rein aus dem Zinsertrag kommen, sind bei niedrigen Zinsen schnell in grundsätzlicher Gefahr.

Reichart: „Von den 40 Prozent der befragten Stiftungen plante die überwiegende Mehrheit (70 Prozent) verstärkte Fundraising-Aktivitäten, um Spenden und Zustiftungen einzuwerben. Besonders kleine Stiftungen mit weniger als eine Million Euro Stiftungskapital wollten neue Einnahmequellen erschließen (88 Prozent).“ Der Ahrensburger BürgerStiftung gelingt die Kompensierung des Niedrigzines nur mit einer schweren Personalentscheidung: „Die Mitarbeiterin in unserem Büro ist in dieser Form nicht mehr für uns tätig“, wie Michael Eckstein erläuterte. Für die seit längerem angespannte finanzielle Situation der Schlossstiftung ist der Niedrigzins ein zusätzliches Problem.

Michael Sarach (Bürgermeister Ahrensburg), Roland Wilde (Bürgervorsteher Ahrensburg), Ulrike Reichart (Bundesverband Deutscher Stiftungen), Hans-Werner Harmuth (Kreispräsident), Tim Woidtke (Stiftungs- und Finanzaufsicht), Dr. Michael Eckstein (Bürgerstiftung Region Ahrensburg). Foto:Carmen Lau/Bürgerstiftung Region Ahrensburg

Michael Sarach (Bürgermeister Ahrensburg), Roland Wilde (Bürgervorsteher Ahrensburg), Ulrike Reichart (Bundesverband Deutscher Stiftungen), Hans-Werner Harmuth (Kreispräsident), Tim Woidtke (Stiftungs- und Finanzaufsicht), Dr. Michael Eckstein (Bürgerstiftung Region Ahrensburg).
Foto:Carmen Lau/Bürgerstiftung Region Ahrensburg

Lob von Kreispräsident Hans-Werner Harmuth

„Stiftungen bereichern unsere Gesellschaft und damit den Kreis Stormarn“, erklärte Kreispräsident Hans-Werner Harmuth in seinem Grußwort und machte damit die große Bedeutung der Stiftungen für den Kreis Stormarn deutlich. „Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um die Arbeit der Stiftungen und das gemeinnützige Engagement im Kreis Stormarn zu würdigen und anzuerkennen“, so Harmuth.

Denn – wie sagt es Ulrike Reichart: „Die weltweite Wirtschaftsleistung der Stiftungen kann ich nicht in Geld beziffern. Ähnlich wie die Bienen aber sind sie aus unserer Gesellschaft nicht wegzudenken und für deren Wohlergehen unerlässlich. Ich möchte behaupten, mit Stiftungen als wichtige Form gemeinnützigen Engagements verhält es sich ähnlich: Denn wo bürgerschaftliches Engagement für das Gemeinwohl fehlt, wo sich die Menschen nicht mehr für ihr Umfeld stark machen, da kann Gesellschaft nicht funktionieren.“

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