Studie des Kinderschutzbundes zu Hartz IV: Schüler untersuchen die Armut gleich nebenan

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Stormarn (je/pm). Gibt es arme Kinder in Reinfeld? Die Mehrheit der über 130 Schülerinnen und Schüler der Immanuel-Kant-Schule Reinfeld war überrascht, dass rund 300 Kinder, also fast jedes fünfte Kind in Reinfeld von Hartz IV oder ähnlichen Leistungen leben muss. Im Rahmen der 14. Stormarner Kindertage setzten sich die siebten Klassen mit Ingo Loeding,
Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes Stormarn,  mit dem Thema Kinderarmut auseinander.

In der Immanuel-Kant-Schule Reinfeld diskutieren Schüler über Armut in Deutschland. Foto: K. Götting, Kinderschutzbund Stormarn

In der Immanuel-Kant-Schule Reinfeld diskutieren Schüler über Armut in Deutschland. Foto: K. Götting, Kinderschutzbund Stormarn

„Das war auch für uns ein sehr spannendes Experiment“, schildert Ingo Loeding seine Erfahrungen. „Viele Kinder erfuhren zum ersten Mal, was es bedeutet, arm zu sein. Einige hatten die Vorstellung, dass Armut immer mit Alkohol- und Tabakkonsum zusammenhängt und dass die meisten Betroffenen für ihre Situation selbst schuld sind und viele auch nicht arbeiten wollen.“ Viele Eltern seien aber berufstätig, verdienten jedoch so wenig, dass es für sie und ihre Kinder nicht ausreiche.

Armut in unserem Umfeld

Über 90 Prozent der Eltern versuchen ihren Kindern auch mit geringen finanziellen Mitteln alles zu ermöglichen, um am Alltag teilnehmen zu können. Insbesondere allein erziehende Eltern leiden unter Armut, der sie nur selten entkommen können. Ingo Loeding ist der Meinung, dass das Thema Armut in Deutschland viel stärker in den Schulunterricht einbezogen werden müsse. Erst wenn alle ein klares Verständnis davon haben, wie die Lebensumstände vieler Familien mit Kindern aussehen, werde es zukünftig auch Lösungen gegen Kinderarmut geben.

Für die Schülerinnen und Schüler begann das Umdenken in dem Moment, als sie sich mit den Hartz-IV-Regelsätzen auseinander setzten. Viele sagten spontan, dass das Geld für Essen und für Kleidung nicht ausreichen würde und dass das höchst ungerecht sei. „Was hat sich die Politik dabei gedacht? Das geht doch so nicht“, brachten es Schülerinnen und Schüler auf den Punkt.

Initiatoren der 14. Stormarner Kindertage sind die freien und öffentlichen Träger der Kinder- und Jugendhilfe, also die Organisationen, die im Kreis Stormarn Kindern, Jugendlichen und Eltern täglich Hilfe und Unterstützung anbieten.

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