Landesregierung: Pilotprojekt fördert Katzenkastration / Ahrensburger Tierschutzverein warnt seit langem

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Kiel/Großhansdorf (ve/pm). Die Kastration der Katzen soll landesweit vorangetrieben werden. Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Land, Tierschutzverbänden und Tierärzteschaft haben gestern in Kiel eine Vereinbarung zum gemeinsamen „Pilotprojekt gegen Katzenelend“ in Schleswig-Holstein unterzeichnet. Ziel ist es zu verhindern, dass Katzen sich unkontrolliert vermehren. Seit Jahren weist unter anderem der Tierschutzverein Ahrensburg Großhansdorf auf das Problem hin. Regelmäßig ist das Katzengehege des Vereins überfüllt.

Das neue Gehege für Katzen in Quarantäne im Tierheim Großhansdorf. Foto:TierschutzvereinGroßhansdorf

Das neue Gehege für Katzen in Quarantäne im Tierheim Großhansdorf.
Foto:TierschutzvereinGroßhansdorf

So begrüßt der Tierschutzverein das Projekt grundsätzlich: „Endlich bewegt sich mal etwas in Sachen Katzenkastration, das können wir nur unterstreichen“, sagt Monika Ehlers vom Verein. Doch sieht sie die finanzielle Entlastung nicht so weitreichend, wie die Initiatoren des Projektes: „Langfristig dadurch die Fundtiervergütungen der Kommunen zu senken, halten wir nicht für machbar. Zum Beispiel erhalten wir nur 0,25 Euro pro Einwohner pro Jahr von den uns angeschlossenen Kommunen; und dieser Betrag deckt nur einen Teil unserer jährlich anfallenden Kosten.“

Drei Aktionen bis 2015

Das landesweite Pilotprojekt knüpft an Erfahrungen mit einem Modellvorhaben im Kreis Nordfriesland an. In drei Aktionen – vom 15. Oktober bis 14. November 2014, vom 15. Februar bis 31. März 2015 und vom 1. bis 30. September 2015 – wird die Kastration von Katzen unter bestimmten Kriterien finanziell unterstützt. Die Zeiträume sind so gelegt, dass möglichst keine trächtigen Tiere zum Tierarzt gebracht werden.

Männliche wie weibliche Tiere sollen gleichermaßen kastriert werden, die Kastration der weiblichen Tiere wird aufgrund der höheren Kosten jedoch stärker finanziell unterstützt. Ziel sind 5.000 kastrierte weibliche Katzen innerhalb eines Jahres. Zum Ende des Jahres 2015 wird das Pilotprojekt evaluiert.

„Schutz von Wildvögeln und Kleintieren“

Das Umweltministerium teilt dazu mit: „Wir wollen die Halterinnen und Halter von Katzen motivieren, ihre Tiere kastrieren, chippen und in einer Datenbank erfassen zu lassen. Sie tragen auf diese Weise dazu bei, dass Populationen freilebender Katzen in Schleswig-Holstein wieder kleiner werden und das Leiden der Tiere abnimmt. Dies ist zugleich ein Beitrag zum Schutz von Wildvögeln und Kleintieren.“ sagte Staatssekretärin Dr. Silke Schneider bei der Unterzeichnung.

Jochen Nielsen, Stellvertretender Geschäftsführer des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetages (SHGT) ergänzt: „Die Kommunale Familie steht mit ihren drei Spitzenorganisationen vollends hinter dem Projekt. Uns geht es darum, die Fundtierkosten der Kommunen zu senken und die Verwaltungen zu entlasten.“ Neben dem SHGT gehören der Schleswig-Holsteinische Landkreistag und der Städteverband Schleswig-Holstein zu den kommunalen Spitzenorganisationen.

In Schleswig-Holstein leben rund 75.000 freilebende Katzen. Laut Aussage des Umweltministeriums werden diese Katzen auf der Suche nach Nahrung nicht immer fündig, ein Teil der Tiere sei krank oder verletzt. Gleichwohl sorgten diese Katzen für Nachwuchs und würden dabei häufig von freilaufenden Katzen privater Halter unterstützt. Viele der jungen Katzen würden krank geboren und litten unter Mangelernährung, Parasitenbefall und Infektionen. Dort soll das Pilotprojekt ansetzen und das Elend verringern.

150.000 Euro stehen bereit

Derzeit stehen in dem Fonds rund 150.000 Euro für die Kastration von Katzen bereit, weitere Mittel sollen folgen. In den Aktionszeiträumen verzichten die Tierärztinnen und Tierärzte auf einen Teil ihres Honorars in Höhe von 25 Euro je Kastration (einschließlich Chippen und Erfassen in einer Datenbank). An dem Fond beteiligen sich das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, der Deutschen Tierschutzbund gemeinsam mit dem Landesverband Schleswig-Holstein, der Landestierschutzverband Schleswig-Holstein, der Harald Nolte Vogelschutz Fonds der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein und private Einzelspende.

Das Land ruft außerdem Privatspenderinnen und –spender auf, sich – gleich in welcher Höhe – ebenfalls an dem Projekt zu beteiligen. Dafür wurde ein Sonderkonto bei der Tierärztekammer Schleswig-Holstein eingerichtet. Kontobezeichnung: Pilotprojekt Katzenelend S-H, Konto: 332 00 558, BLZ: 218 604 18, IBAN: DE61 2186 0418 0033 2005 58, BIC: GENODEF1RHE.

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