Die Jagd in Stormarn: Ein Mix aus Disziplin, Umsicht und Verantwortung

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Stormarn (ub). Heute – also am 3. November jeden Jahres – ist Hubertustag. Grund genug, einen Blick auf die Jäger zu werfen. Sind sie schießwütige Trophäensammler? Falsch. ahrensburg24.de ist zu Gast beim Jersbeker Jäger Thimo Scheel, der seit 46 Jahren hochverantwortungsvoller Jäger ist. Und er rückt das Bild zurecht. Zuverlässigkeit ist das A und O in der Jagdzunft. Ein Beitrag von Ulrike Blaßl.

Eine Rotte Wildschweine haben gewütet. Foto:U.Blaßl

Eine Rotte Wildschweine hat gewütet.
Foto:U.Blaßl

Es gelten strenge Vorschriften. Einen Jagdschein (man nennt ihn auch „Grünes Abitur“) kann man sich nicht kaufen, man muss ihn sich erarbeiten. Dazu gehört unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis. Und wenn da zum Beispiel nachgewiesen ist, dass der Anwärter mehrere Male den Führerschein zum Beispiel durch Alkoholmissbrauch verloren hat, kann er das mit der Jagd vergessen.

ahrensburg24.de, Jäger Scheel und sein Dackel gehen gemeinsam auf eine Pferdekoppel, wo eine Rotte Wildschweine gewütet hat. Und dann erklärt Scheel: „Sehen Sie, das ist noch ganz frisch. Wildschweine sind wie wir Menschen Allesfresser. Sie wühlen die Erde auf, weil sie Engerlinge und Würmer suchen.“ Ein bisschen Furcht schleicht sich ein. Was passiert, wenn ein Wildschwein vor einem steht? „Gar nichts, die haben mehr Angst vor uns als wir vor denen.“

Jäger Thimo Scheel vor dem verwüsteten Acker. Foto:U.Blaßl  2: Eine Rotte Wildschweine haben gewütet

Jäger Thimo Scheel vor dem verwüsteten Acker.
Foto:U.Blaßl
2: Eine Rotte Wildschweine hat gewütet

Man stelle sich die entsetzten Blicke der Golfspieler vor, wenn das „Green“ nach einer nächtlichen Attacke durch eine Rotte verwüstet ist. Dann muss natürlich der Jagdpächter ran, um den Schaden zu beheben. In dem Fall kann man das selber machen. Es gibt aber auch Fälle, wo es richtig teuer wird. Denn Wild richtet viel Schaden an. Beispiel Maisfeld oder die zarten Knospen der Baum-Setzlinge im Wald. Bambis Leckerbissen. Thimo Scheel: „Die Population muss in Grenzen gehalten werden, damit die Schäden nicht Überhand nehmen.“ Der Jäger hat sein Revier im Auge, bleibt dafür auch im engen Austausch mit den Landwirten.

Die Jagd an sich

Dann gehen wir weiter am Knick entlang. Beim für Menschen giftigen Pfaffenhütchen-Gehölz bleibt Jäger Scheel stehen und erklärt: „Schauen Sie mal hier: die Rehe fressen alles ab.“ Nur oben hängen noch die purpurfarbenen Blüten, weil sie da nicht rankommen. Da das freilebende Wild keine natürlichen Feinde mehr hat (zum Beispiel Wolf und Luchs), muss der Mensch als Regulativ einschreiten.

Peng, ein Schuss. Da hat der Sohn von Thimo Scheel, wie wir später erfahren, ein Reh geschossen, das nah an der Schnellstraße stand. Auch dort müsse man eingreifen, so Scheel, denn es komme gerade in dieser Jahreszeit vermehrt zu Wildunfällen. Was macht man, wenn ein Reh plötzlich auf der Straße steht? „Draufhalten, denn sonst bringt man sein eigenes Leben in Gefahr. Und dann weisen Sie mal bei der Versicherung nach, dass da wirklich ein Reh gestanden hat.“

Jäger Scheel mit einem erlegten Wildschwein. Foto:U.Blaßl

Jäger Scheel mit einem erlegten Wildschwein.
Foto:U.Blaßl

Jagen heißt, Verantwortung zu übernehmen

Die Jagdausübung ist streng gesetzlich geregelt. Was, wann, wo und wie gejagt wird, ist durch die Bundesjagdzeitenverordnung sowie durch die Landesjagdgesetze klar vorgegeben. Die Jäger erfüllen wichtige Aufgaben in Wald und Flur, formuliert in den Zielen und Aufgaben der Kreisjägerschaft Stormarn. Diese sind die nachhaltige Sicherung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, der Nutzungsfähigkeit der Naturgüter, der Tier- und Pflanzenwelt, der Vielfalt, Eigenarten und Schönheit der Natur und Landschaft und vieles mehr, unter anderem auch die Pflege und Förderung aller Zweige des Jagdwesens. Nachzulesen unter www.kjs-stormarn.de.

Bestes Biofleisch

Thimo Scheel fährt fort: „Wildfleisch ist bio pur. Wir beobachten die Tiere auf Auffälligkeiten um sicher zu stellen, dass sie gesund sind. Wenn ein Reh taumelt, darf es zwar geschossen werden, wird aber nicht zum Verzehr angeboten. Da gibt es strenge Vorschriften. Nur das Wildbret vom Wildschwein, wird untersucht durch den Fachdienst Veterinärwesen im Kreis, um den Befall von Trichinen auszuschließen. Erst wenn es freigegeben ist, geht es in der Verkauf.“ Das ist der wirtschaftliche Moment der Jägerei. Es gibt Privatpersonen und Restaurants, die gerne Wildbret kaufen, verarbeiten und daraus köstliche Gerichte zaubern.

Warnung: Durch die Zeitumstellung erhöht sich das Risiko von Wildunfällen. In der Dämmerung sind die Wildtiere auf Nahrungssuche. Deshalb Warnschilder und Straßenränder beachten. Im verghangenen Jahr verzeichnete der Deutsche Jagdverband (DJV) circa 200.000 Wildunfälle mit einem Gesamtschaden von etwa einer halben Milliarde Euro.

Und was, wenn’s passiert ist?

  1. Unfallstelle absichern, Warnweste anziehen
  2. Polizei anrufen (die verständigt den zuständigen Jagdpächter)
  3. Im Falle eines angefahren Tieres den Fluchtweg merken
  4. Vor Ort bleiben, Fahrerflucht ist strafbar
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