Handys am Lenkrad? „Passt bloß auf“ – sagt die Polizei/Prävention an der Berufsschule

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Ahrensburg (ve). „Ich kann das“, sagt ein Schüler in der Klasse vorlaut – „SMS schreiben und fahren gleichzeitig“. Polizeihauptkommissar Jürgen Rodehorst bleibt skeptisch: „Man kann das nicht können, es ist verboten – und außerdem sehr gefährlich.“ Wie gefährlich der sorglose Umgang mit dem Handy am Lenkrad sein kann, haben Rodehorst und sein Team heute an der Beruflichen Schule in Ahrensburg den Schülerinnen und Schülern geschildert.

Polizeioberkommissar Patrick Moser hört aufmerksam zu, als eine Schülerin von ihren Erfahrungen berichtet. Und schildert, was passieren kann, wenn man zu große Risiken im Straßenverkehr eingeht.

Polizeioberkommissar Patrick Moser hört aufmerksam zu, als eine Schülerin von ihren Erfahrungen berichtet. Und schildert, was passieren kann, wenn man zu große Risiken im Straßenverkehr eingeht.

Rund 480 Schüler haben die drei Kommissare Rena Bretsch, Patrick Moser und Jürgen Rodehorst in dieser Woche an vier Tagen unter ihren Fittichen, nächste Woche das etwa gleiche Programm in Bad Oldesloe. Jeweils in 90 Minuten geht es für die Klassen rauf und runter durch die Gefühlswelt von Leichtsinn und Betroffenheit. Ein paar Bier am Abend getrunken? Dann kann man doch morgens schon wieder Auto fahren! Andere Drogen stören sowieso nicht am Steuer! Oder eben das Handy. – So die vielfachen Vorurteile.

Anhand der Telefondaten wird das Unfallgeschehen rekonstruiert

„Es gibt keine Erkenntnisse darüber, wie sehr das Agieren mit einem Handy die Unfallgefahr erhöht“, erklärt Rena Bretsch, „denn jeder Unfallteilnehmer, der gerade sein Handy in der Hand hatte, wirft es natürlich sofort weg. Wir wissen einfach nicht, wann das Handy die Ursache war.“ So bleibt es nur zu vermuten, dass ein Fahrer zum Beispiel gerade eine SMS getippt hat, als er aufgrund mangelnder Aufmerksamkeit einen Unfall verursacht hat. „Liegt das Handy zum Beispiel im Fußraum eines Autos, werden wir schon aufmerksam und untersuchen die Telefondaten. Dann können wir rekonstruieren, was zum Zeitpunkt des Unfalls mit dem Handy gemacht worden ist.“

Jürgen Rodehorst ergänzt: „Die Folgen einer solchen Tat möchte keiner haben. Das fängt bei einer Teilschuld mit entsprechendem finanziellen Schaden an, weil die Versicherung nicht zahlt, und geht bis hin zur Gefährdung der eigenen Gesundheit und die anderer Menschen.“ Deswegen wollen sie aufklären, aufrütteln, darauf hinwirken, dass die Jugendlichen sich verantwortungsbewusst ans Lenkrad ihres Autos setzen. Präventionsarbeit ist das, die die Polizei regelmäßig an den Schulen anbietet.

Betroffenheit stellt sich ein

Damit die Jugendlichen das auch wirklich verinnerlichen, zeigen die Polizisten einen von der englischen BBC produzierten Film, der einen schweren Unfall mit Toten und Verletzten zeigt – Unfallfahrerin ist ein junges Mädchen, dass gerade eine SAMS geschrieben hatten. „Die Schülerinnen und Schüler reagieren betroffen, bleiben oft erst mal still“, beobachtet Rodehorst. Er habe es auch schon gesehen, dass Schülerinnen anfangen zu weinen oder sich entsetzt wegdrehen. Ein erster Schritt zur Vernunft, hoffen die Polizeibeamten.

Im weiteren sprechen die Drei mit den Schülern über Alkohol und Drogen am Steuer, über die Folgen für das Reaktionsvermögen und das Körpergefühl. Auch rechtliche Fragen sind entscheidend, wenn in Fällen wie diese ein Teilschuld oder Schuld eintritt und sogar Anklage erhoben werden kann. „Die Schülerinnen und Schüler zeigen Offenheit und Aufgeschlossenheit für diese Themen,“ bilanziert Rena Bretsch. „Das freut mich, denn das habe ich auch schon mal anders erlebt. Doch dieses Mal sind die Reaktionen positiv“, zieht sie über ihren Unterricht in Ahrensburg Bilanz.

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