Adriana Altaras im Marstall: Eine jüdische Mutter packt aus

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Ahrensburg (je/pm). Am Donnerstag, 4. Dezember 2014, stellt Adriana Altaras ihr neues Buch „Doitscha“  um 20 Uhr im Kulturzentrum Marstall vor. Nach ihrem Roman“Tito“s Brille““, von den Lesern geliebt und von der Presse gefeiert, widmet sich die Autorin nun der Geschichte ihrer Vorfahren.

Vielseitig: Schauspielerin Adriana Altaras stellt ihr neues Buch vor. Foto: J. Brauner

Vielseitig: Schauspielerin Adriana Altaras stellt ihr neues Buch vor. Foto: J. Brauner

David wäre gerne Israeli. Er ist nicht nur hoch begabt, sondern auch hoch pubertär und raunzt seinen westfälischen Vater beim Abendessen regelmäßig mit „Ey, Doitscha“ an, was ebenso regelmäßig zum familiären Eklat führt. Deutscher zu sein, ist keine einfache Sache, gesteht Adriana Altaras, erst recht nicht in einer jüdischen Familie.

Porträt deutsch-jüdischer Gegenwart

Mit Aaron, Davids Patenonkel, ist Adriana Altaras seit ihrer Jugend befreundet. Sie wollten damals nach Israel auswandern, das für sie ähnlich verlockend war wie für die Surfer Hawaii. Doch sie blieben und nutzten das schlechte Gewissen der Deutschen, um umsonst Bahn zu fahren oder schulfrei zu bekommen. Als Aaron stirbt, spitzt sich der Generationenkonflikt in der Familie Altaras zu. David hält nichts mehr in Berlin. Er verabschiedet sich kurzerhand ins Gelobte Land, und die Erzählerin reist hinterher, auf der Suche nach dem verlorenen Sohn zwischen Klagemauer, Kibbuz und See Genezareth.

Leidenschaftlich, mitreißend und witzig erzählt sie mitten aus dem jüdischen Leben heute in Deutschland. Vom Jüngsten, der lieber „Germany`s next Topmodel“ sähe, als zuzuschauen, wie sich seine Mutter in Talkshows über die Beschneidung und die „schönen Schmocks“ ihrer Söhne auslässt. Von tragikomischen Identitäts- und Religionskonflikten, die sich an einer rissigen Salatschüssel entzünden, von unkonventionellen Gedenkreden, vom Erben und Vererben. Und nicht nur das: Die ganze Familie kommt zu Wort, das ganze Tohuwabohu. Ein kluges, faszinierendes und vielstimmiges Porträt jüdisch-deutscher Gegenwart und ein unvergessliches Buch über Familie in all ihren tröstlichen und irrsinnigen Facetten.

Adriana Altaras wurde 1960 in Zagreb geboren, zog 1964 nach Italien um und ging ab 1967 abwechselnd in Deutschland und Italien zur Schule. Sie studierte Schauspiel an der Berliner Hochschule der Künste und an der New York University und ist seit 1983 in zahlreichen Filmen für Kino und Fernsehen zu sehen. Seit den Neunziger Jahren inszeniert Adriana Altaras zudem regelmäßig an deutschen Schauspiel- und Opernhäusern. Sie ist Mitbegründerin des Off-Theaters „Zum Westlichen Stadthirschen“, war Mitarbeiterin bei Steven Spielbergs Shoah Foundation und übernahm 2002 die Künstlerische Leitung der Jüdischen Kulturtage in Berlin. Sie wurde mit dem Bundesfilmpreis, dem Theaterpreis des Landes Nordrhein-Westfalen zusammen mit Joachim Król und mit dem Silbernen Bären für schauspielerische Leistungen bei der Berlinale 2000 ausgezeichnet. Adriana Altaras lebt in Berlin, hat zwei Söhne und den braunen Gürtel in Karate.

Literatur live ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Buchhandlung Stojan, der Weinhandlung 20Wines und dem Kulturzentrum Marstall. Die Eintrittskarten kosten im Vorverkauf zwölf  Euro und an der Abendkasse 15 Euro inklusive ein Glas Wein. Karten sind bei Stojan, Telefon 04102/50431, 20Wines, Telefon 04102/518318 und beim MARKT, Telefon 04102/51640 erhältlich.

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