MusikERkennen mit Heesters und Leander: Diese Lieder wirken noch heute

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Ahrensburg (ve). Mitsingen bei Schlagern aus den 30er und 40er Jahren? Das können wahrscheinlich sehr viele, denn diese Lieder haben sich in eine Art kollektives Unterbewusstsein gedrängt. Jetzt hat sie das Ensemble Chanteresse ganz offen hervorgeholt und im Rahmen der Reihe „MusikERkennen“ im Marstall präsentiert. Ein ganz besonderer Abend vor allerdings sehr wenigen Gästen.

Das Ensembles Chanteresse im Marstall mit Michael Gehrke und Professorin Stephanie Koch (rechts).

Das Ensembles Chanteresse im Marstall mit Michael Gehrke und Professorin Stephanie Koch (rechts).

Die Reihe MusikERkennen ist ein Projekt der Förderergesellschaft der Musikhochschule Lübeck und sie vereint musikalische Darstellung, Nachwuchsarbeit und Information über die Musik. Auf der Bühne stehen bei diesen moderierten Themenkonzerten Studentinnen und Studenten der Musikhochschule; zwischen den Stücken gibt es Moderationen mit viel Information zu Musik, Komponist und historischer Einordnung. Die musikalische Leitung hat Michael Gehrke, Dozent der Gesangsklasse in Lübeck, in Szene gesetzt werden die Konzerte von Prof. Stephanie Koch. An diesem Abend war mit „Sing, Nachtigall, sing!“ das Thema die Klassiker der Tonfilmoperette der 20er bis 40er Jahre.

Die Allüren der Stars

Michael Gehrke hatte die Moderation übernommen und führte sehr informativ in die Welt der Schlager ein. Er beschrieb den Entstehungsprozess im Ensembles Chanteressse: „Für die aus aller Welt kommenden jungen Sängerinnen und Sänger waren diese Lieder oft fremd. Aber der Charme der Lieder hat sie schließlich ganz in ihren Bann gezogen.“ Er zeichnete den Weg vom Stummfilm zum Tonfilm nach – „das bedeutete für 12.000 Orchestermusiker, die live zum Stummfilm gespielt hatten, dass sie arbeitslos wurden“ – und beschrieb die Allüren der Stars wie Marlene Dietrich, Zarah Leander, Johannes Heesters.

Und dann kamen sie auf die Bühne – die Dietrich, die Leander und der Heesters. Die jungen Sängerinnen und Sänger der Lübecker Gesangsklasse fielen mit Freude in die gute Laune der Lieder, bebilderten mit dezenter Kostümierung das Umfeld. Kleine Choreografien und viel Schauspielkunst ergänzten den am Flügel von Jason Alejandro Ponce Guevara begleiteten Gesang. Zu hören waren „Ein Freund, ein guter Freund“, „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“, „Sing, Nachtigall, sing!“ – dieses Lied gibt dem Konzert seinen Titel -, „Zwei Herzen im 3/4-Takt“, „Die Nacht ist nicht zum Schlafen da“, „Bel Ami“ und vieles mehr.

Raus aus der politischen Ecke

Präsent war das Thema Drittes Reich und zweiter Weltkrieg. Die Durchhalteparolen, der feine Grat, auf dem die Kunst sich zwischen Wahrhaftigkeit und Propaganda bewegte, die gute Laune zum bösen Spiel. Diese Kunst sollte damals erfreuen – und sie tat es auch heute. Sie sorgte im Marstall für wiederkennendes Lachen, die Interpreten wurden mit Klatschen begleitet, es wurde mitgesungen. Das Publikum und die Interpreten holten diese Musik dankbar aus der politischen Ecke und genossen das unterhaltende Moment. „Was für ein schöner Abend“ und „was für schöne Musik“ war nach dem Konzert im Saal von vielen Seiten zu hören. Lutz Reuter, Vorsitzender des Marstallvereins, dankte mit großen Worten – „es war ein exzellenter Abend“ – auf der Bühne den Interpreten. Und wünschte sich mit Blick auf den zu leeren Saal: „Machen Sie Werbung für die Reihe MusikERkennen!“

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