Kommentar: Scherbenhaufen Ahrensburger Kirchengemeinde

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Wie haben sie es eigentlich so lange durchgehalten? Das möchte man die Mitglieder des Kirchengemeinderates fragen, die jetzt zurückgetreten sind. Zerrieben von unsäglichen Vorgängen in der Kirchengemeinde, zerrieben zwischen Gemeindemitgliedern, Amtsbrüdern und -schwestern und nicht zuletzt dem Kirchenkreis und der Kirchenleitung. Ein Kommentar zum Rücktritt von Mitgliedern des Kirchengemeinderates.

Eines ist ihnen nicht vorzuwerfen: Sie haben sich der schweren Situation der evangelischen Kirche Ahrensburg gestellt. Sie haben die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in Angriff genommen. Sie haben versucht, die schiefe Haushaltslage  gerade zu rücken. Sie haben sich in vielen Gesprächen ihren Mit-Mitgliedern in der Kirche gestellt, sich von Außenstehenden beschimpfen und beleidigen lassen. Es sind Tränen geflossen, auch öffentlich.

Und das alles als Ehrenamtler.

Um es klar zu machen: Für diesen Mut und für ihr Durchhaltevermögen verdienen die Kirchengemeinderatsmitglieder Hochachtung!

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Aber sie haben auch mitgemacht. Sie haben hinter verschlossenen Vorhängen gesessen, haben zugelassen, dass eine Öffentlichkeit des Gremiums immer weiter aus dem Blick gerät. Sie haben sich von Vorgesetzten anbrüllen lassen. Sie gehören zum Teil seit Jahrzehnten dem Gremium an und wissen eigentlich selber am besten, wann und wo wer geschwiegen hat und wann wodurch die Kassenlage auf die schiefe Bahn geriet. Ja – sind es nicht zum Teil sogar ihre eigenen Beschlüsse?

Selbst mit großer Mehrheit beschlossene Anträge einer Gemeindeversammlung im Jahr 2013 haben sie allesamt abgelehnt, kurze Begründungen finden sich auf der Internetseite der Kirche. Ob das beide Dialogpartner – Gemeinde und Gemeinderat – als „konstruktiven Dialog“ werten können, sei einmal dahingestellt.

„Überfordert“ sei das Pfarrteam gewesen in der Geschichte der Gemeinde seit 2010, als die Missbrauchsvorfälle bekannt geworden waren. So sagt es Anja Botta mit Blick auf das Ende ihrer Amtszeit in Ahrensburg. „Überfordert“ gilt dann wohl umso mehr für die ehrenamtlichen Mitglieder. Der Rücktritt ist der einzige Weg – und vielleicht kommt er Jahre zu spät. Zumindest aber ist jetzt die letzte Decke vom Scherbenhaufen Ahrensburger Kirchengemeinde gezogen worden. Wer kann mit dem Aufräumen beginnen?

Monika Veeh

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1 Kommentar

  1. Einführungsgesetz der Verfassund der ev.-luth. Kirche in Norddeutschland
    § 6
    Vereinheitlichung der Amtszeiten
    ( 1 ) 1 Das Kirchengemeinderatswahlrecht ist bis zum 31. Dezember 2015 zu vereinheitlichen. 2 Die erste gemeinsame Kirchengemeinderatswahl in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland findet in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 statt.
    ( 2 ) 1 In der ehemaligen Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche wird die Amtszeit der 2008 gewählten und berufenen Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher bis zur Konstituierung des nach Absatz 1 neu gewählten Kirchengemeinderates verlängert, es sei denn, der jeweilige Kirchengemeinderat beschließt bis zum Ablauf des 31. Dezember 2013, dass am 1. Advent 2014 eine Kirchengemeinderatswahl stattfinden soll und die Amtszeit des zu wählenden Kirchengemeinderates auf die Zeit bis zur Konstituierung des nach Absatz 1 neu zu wählenden Kirchengemeinderates begrenzt ist. 2 Dieser Beschluss bedarf einer Mehrheit von zwei Dritteln der Mitglieder des Kirchengemeinderates und ist dem Kirchenkreisrat mitzuteilen. 3 Für die Kirchengemeinderatswahl am 1. Advent 2014 finden die entsprechenden Bestimmungen des Kirchengesetzes über die Bildung der Kirchenvorstände vom 4. Dezember 2007 (GVOBl. S. 292) der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche Anwendung.

    Propst und PastorInnen haben alles richtig gemacht an dieser Stelle.

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