Kommentar: So werden keine Herzen über die Gräben geworfen

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Kommentar

In einem Rechtsstaat darf und muss jeder sein Recht durchsetzen können. Auch die Nordkirche. Sie hat das Recht zu klären, inwieweit die Aufhebung der Beurlaubung von Pastor Haak rechtmäßig ist. Aber hat sie damit auch Recht? Ein Kommentar zu der Entscheidung der Nordkirche, die Rücknahme der Beurlaubung Pastor Haaks nicht zu akzeptieren.

Recht hat sie damit wohl kaum. Zwei Veranstaltungen – die Vorstellung des Gutachtens zu dem Missbrauchs-Vorfällen in der Gemeinde und jetzt die Informationsveranstaltung nach dem Rücktritt des Kirchengemeinderates – sind beide unter dem Vorsitz von Propst Hans-Jürgen Buhl – sagen wir mal – aus dem Ruder gelaufen. Derartige Bissigkeiten von beiden Seiten, wie sie in diesen Versammlungen zur Sprache kamen, sind nur schwer als christlich und demutsvoll zu bewerten.

Das zeigt, dass der Graben zwischen der Gemeinde und dem Kirchenamt tief ist – für einige Kirchenmitglieder sehr tief. Nicht zuletzt wurde von der Gemeinde an Propst Buhl die Vertrauensfrage gestellt.

„Werft Eure Herzen über den Graben!“ haben die Bischöfe Kirsten Fehrs und Gerhard Ulrich in ihrem ersten Gottesdienst nach Bekanntwerden der Missbrauchsvorfälle den Ahrensburgern zugerufen. Für mich war das damals schon ein eher blutiges Bild, es hat etwas Morbides.

Doch wenn man die Bischöfe beim Wort nehmen möchte und das Bild positiv als „Aufeinander-Zugehen“ interpretieren möchte, dann muss man sich doch jetzt fragen, wo denn nun die Herzen der Nordkirche hingeworfen worden sind? Hinter welchem Graben liegen sie jetzt?

Über den Graben in Richtung Kirchengemeinde Ahrensburg sind sie jedenfalls nicht geworfen worden. Die Zustimmung und der Rückhalt, den die Gemeinde Pastor Haak gibt, wird mehrfach mit Füßen getreten. Ein „Aufeinander-Zugehen“ in einer dramatischen Zeit, in der die Gemeinde ohne demokratisches Gremium dasteht, ist nirgends zu sehen.

Der Beschluss des früheren Kirchengemeinderates, die Versetzung von Pastor Haak zu beantragen, war ein Mehrheitsbeschluss in nicht geheimer Wahl. Das ist rechtlich nicht sauber und demokratisch zu hinterfragen. Dass das Kirchenamt von diesem Beschluss nicht ablässt, sollte es gut – sehr gut – begründen. Wir sind dann mal gespannt.

Monika Veeh

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