Gelebte Integration bei der Feuerwehr: Trittau hat einen syrischen Kameraden

0

Trittau (jeb). Die Freiwillige Feuerwehr Trittau hat mit Ahmet Ibrahim ein neues Mitglied in ihren Reihen aufgenommen. Der 21-jährige Ibrahim stammt aus Syrien, genauer gesagt aus Aleppo. Dort wird schon lange gekämpft, gemordet und die Menschen fliehen über die nahe Grenze, um ihr Leben zu retten. In Trittau hat der 21-Jährige längst eine neue Heimat gefunden. Hat Freunde gefunden, die sich auch um ihn kümmern, ihm Hilfe geben, wann immer er sie braucht.

Ahmed Ibrahim aus Syrien ist jetzt Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Trittau. Foto:J.Burmester

Ahmed Ibrahim aus Syrien ist jetzt Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Trittau.
Foto:J.Burmester

Und jetzt Feuerwehr. „Es war überhaupt gar keine Frage, ihn bei uns aufzunehmen“, sagt Gemeindewehrführer Clemens Tismer. Schon seit drei Monaten schaut Ibrahim immer wieder bei der Feuerwehr vorbei, ist bei den Übungsabenden da und saß jetzt bei der Jahresversammlung der Wehr selbstverständlich mitten unter den Kameraden, die schon lange dabei sind. „Er ist mittlerweile einer von uns“, ist da immer wieder zu hören.

„Mit der Einkleidung hat es noch nicht so geklappt“, sagt Wehrführer Tismer. Das aber soll nun ganz schnell passieren, denn immerhin hat die Wehr Ende des Monats ihr traditionelles Eisbeinessen. „Da kommen alle in Uniform und bis dahin wird auch Ahmet seine Dienstkleidung bekommen haben“, ist Tismer sich sicher. Doch nicht nur die Ausgehuniform, auch die Einsatzschutzkleidung wird der junge Syrer in Empfang nehmen, denn auf ihn wartet demnächst die Anwärterausbildung.

„Er passt zu uns“

Dass der 21-Jährige die Abschlussprüfung dann besteht, daran hegt in Trittau niemand Zweifel. „Er ist einfach ein klasse Typ, er passt zu uns und wir werden alles dafür tun, dass er sich bei uns wohlfühlt“, sagt Tismer. An der Sprache soll es zumindest nicht scheitern. Ahmet spricht schon relativ gut deutsch, ist dabei gerade erst seit etwa 18 Monaten in Trittau. Über Frankreich hat Ahmet den Weg nach Trittau gefunden, ohne kriminelle Schleuserbanden.

Weil er sich in Trittau wohl fühlt, weil die Menschen ihn hier respektieren, weil ihm hier geholfen wird und nicht zuletzt weil die Menschen ihm freundlich gegenübertreten, ihn wie selbstverständlich hier aufgenommen haben, möchte Ahmet ihnen nun etwas zurückgeben. Er möchte Feuerwehrmann werden getreu dem Motto: Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.

Einfach und gut integriert

Mit der Aufnahme von Ahmet Ibrahim, von dessen Familie noch immer viele Mitglieder im Großraum Damaskus und Aleppo leben, zeigt die Feuerwehr Trittau, wie einfach und gut Integration gelebt werden kann.

Bis Ahmet Ibrahim seine Anwärterausbildung, die im Frühjahr beginnt, erfolgreich mit der Abschlussprüfung abgeschlossen hat und dann an den Einsätzen teilnehmen kann, wird er sich das Ausrücken der Wehr aus nächster Nähe ansehen können. Immerhin wohnt er im Anbau der Trittauer Feuerwache.

„Trittau ist meine Heimat“

Ahmed Ibrahim ist vor eineinhalb Jahren über Frankreich nach Deutschland und schließlich nach Trittau gekommen. „Trittau ist jetzt meine Heimat und soll es auch bleiben“, sagt der 21-Jährige. Seinen letzten Kontakt in die Heimat hatte er von Frankreich aus. Seither ist Funkstille. Seine Eltern leben schon nicht mehr, seit er ein kleines Kind war. Geschwister hat er nicht. Nur seinen Großvater und mehrere Onkel sind noch in Syrien.

„Das ist jetzt Vergangenheit“, sagt der junge Syrer in gutem Deutsch. Es ist Moslem, tief im Herzen und will es auch bleiben. Aber er die Religion lockerer. Für die Zukunft hat er große Ziele. Er möchte sehr gern arbeiten, darf aber noch nicht. Und er möchte die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen. Auf dem besten Weg dahin ist er. Und bei der Feuerwehr hilft man ihm, wo man kann.

von Jens Burmester

image_pdfimage_print
Teilen.

Kommentieren