Literatur live mit Barbara Auer und Christian Maintz: Das Publikum erlag ihren Verführversuchen

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Ahrensburg (ve). Liebesgedichte sind pure Romantik, tiefe Gefühle, große Ehrlichkeit. Es sei denn, sie werden von Christian Maintz ausgewählt. Dann sind sie zu Schmunzeln. Oder zum Lachen, wie gestern Abend im fast ausverkauften Marstall. Da saß Christien Maintz mit der Schauspielern Barbara Auer auf der Bühne und entlarvte die Liebe auf das Sympathischste. 

Barbara Auer und Christiane Maintz am Signiertisch im Marstall Ahrensburg.

Barbara Auer und Christiane Maintz am Signiertisch im Marstall Ahrensburg.

Haben Sie sich schon mal gefragt, ob ein Gottesanbeter-Männchen wirklich verliebt sein kann in ein Weibchen, von dem er weiß, dass sie ihn später verspeisen wird? „Klar“ – werden Sie sagen, „so geht es doch den meisten Männchen auf dieser Welt.“ Liebesrausch bis in die Todessehnsucht eben, tiefe Gefühle. Doch Maintz wäre nicht Maintz, wenn er nicht ein Schüsselchen unter diese vor Schmalz triefende Rührung stellt – sein Männchen ist so ganz weit weg von der Todessehnsucht. Und entkommt der Verspeisung durch die Gottesanbeterin durch ganz profane Gewichtsprobleme: „Du wirst ja schon ein bisschen pummelig, willst Du wirklich mich auch noch auf den Hüften haben?“ fragt es sinngemäß in bekanntermaßen höchster Todesgefahr nach dem Liebesakt. Wäre das ein Tipp für die Herren der Schöpfung?

Goethe, Heine, Ringelnatz, Busch – und Maintz

In dieser Art geht es durch den Abend. Liebesgedichte der ganz Großen wie Johann Wolfgang von Goethe oder Heinrich Heine werden rezitiert und schon im nächsten Moment geht es ganz profan in den Oldesloer Kurpark. Das war noch so ein Kleinod von Christian Maintz selber, der Steuerfachangestellte und die wunderschöne Steuerfachangestellte – nicht zu vergessen die sehr nette, aber pummelige (!) Bekannte und der doch so coole Ex, der auch irgendwie ein Ar… ist. Daraus wird ein Quartett an berechnenden Beziehungsgeflechten. Doch wer an den blumig und gefühlvoll ausformulierten Fäden dieses Geflechtes auch nur leicht  zieht, merkt schnell – um Liebe geht es hier so eigentlich gar nicht, mehr um die Rettung der eigenen Haut gegen eine wie auch immer geartete Einsamkeit.

Joachim Ringelnatz, Kurt Tucholsky, Wilhelm Busch und viele mehr – sie schlagen in die gleiche Kerbe und werden daher gerne von Maintz in das Programm aufgenommen. Nüchtern und schlicht trägt Maintz das alles vor und überlässt Barbara Auer die großen Gesten. Die Schauspielerin greift das gerne auf, rezitiert sich mit großem Gefühl durch große Gefühle, gestikuliert, ruft, flüstert, lacht, verstummt – und lächelt sympathisch ihrem Publikum entgegen. Maintz hat schon mit Nina Petry und noch mehr mit Harry Rowohlt in dieser Konstellation auf der Bühne gesessen, mit Barbara Auer war es gestern das dritte Mal. Die beiden ergänzen sich wunderbar.

Signiert wurde das Buch „Komische Liebesgedichte“

Im nahezu ausverkauften Marstall nahm das Publikum angemessen Anteil am Schicksal eines Gottesanbeter-Männchens oder einer Steuerfachangestellten, mit anderen Worten: Es war begeistert. Einige Zugaben wurden gefordert und gewährt, so manches Buch signiert. „Verführversuche“ stand als Titel über dem Abend, veranstaltet im Rahmen der Reihe „Literatur live“ der Buchhandlung Stojan, der Weinhandlung 20 Wines und dem Kulturzentrum Marstall. Gelesen wurde aus „Komische Liebesgedichte“. Und eines ist mal klar: So lässt sich das Publikum gerne verführen – nur mit der anschließenden Verspeisung, das war jetzt nicht so, na, Sie wissen schon, also, wäre – nicht so schön …

Literatur live: Programm bis zum Sommer 2015
Signierstunde bei der Lesung mit Barbara Auer und Christiane Maintz.

Signierstunde bei der Lesung mit Barbara Auer und Christiane Maintz.

Signierstunde bei der Lesung mit Barbara Auer und Christiane Maintz.

Signierstunde bei der Lesung mit Barbara Auer und Christiane Maintz.

Signierstunde bei der Lesung mit Barbara Auer und Christiane Maintz.

Signierstunde bei der Lesung mit Barbara Auer und Christiane Maintz.

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