Ärger um die neuen Buslinien: Am Bedarf vorbei geplant?

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Ahrensburg (ve). Da mussten sich die Bau- und Umweltausschussmitglieder gestern Abend einiges anhören. „Schlechte Planung“, „zu laut“, „zu oft“, „völlig unpraktikabel“ urteilten Anwohnerinnen und Anwohner über die neuen Buslinien in der Schlossstadt. Über Lärmbelastung wurde geklagt, über schlechtere Anbindung und über zu viel Busverkehr. Doch wie immer, so wurde auf der Sitzung deutlich, hat alles seine zwei Seiten – auch das Busliniennetz.

Zahlreiche Anwohner waren gestern in die gemeinsame Sitzung von Bau- und Umweltausschuss gekommen. Viele beschwerten sich über das neue Busliniennetz.

Zahlreiche Anwohner waren gestern in die gemeinsame Sitzung von Bau- und Umweltausschuss gekommen. Viele beschwerten sich über das neue Busliniennetz.

Das Thema Buslinien war auf Antrag der SPD auf die Tagesordnung der gemeinsamen Sitzung Bau- und Planungsausschuss und Umweltausschuss gekommen. Zahlreiche Ahrensburger waren gekommen, um ihre Beschwerde in der Einwohnerfragestunde los zu werden. Jörg Hansen (Bündnis 90/Die Grünen) beantragte sogar eine Umstellung der Tagesordnung, so dass es zunächst um die Buslinien ging und die Anwohner nicht erst andere Debatten abwarten mussten. Denn der Missmut war groß.

Schlechte Anbindung für Bewohner der Rosenhofes

Hintergrund ist zum einen die neue Situation an der Haltestelle am Rosenhof. Dort sollte aus der Linie 476 und der überregionalen Linie 8110 eine Anbindung im Halb-Stunden-Takt entstehen. Das allerdings klappte nicht, teilweise fahren beide Buslinien in einem Abstand von nur wenigen Minuten – und dann erst mal eine Weile gar nicht. Zudem sei es schwierig, mit Rollator oder Rollstuhl die Busse der Linie 8110 zu benutzen, schilderten es Anwohner des Rosenhofes auf der Sitzung gestern. „Das bedeutet, dass einige sogar verstärkt wieder auf Taxifahrten ausweichen müssen – oder eben nicht in die Innenstadt kommen“, so ein Anwohner.

Zu viel Busverkehr in der Siedlung Steinkamp

Eine zweite Beschwerde richtet sich gegen die Linienführung in der Siedlung Steinkamp. Dort fährt die Linie 576 durch die Otto-Schuman-Straße und die Gustav-Delle-Straße. Dadurch, das Endhaltestelle und Startpunkt der Linie unterschiedlich sind, fährt der Bus dort nicht nur zu den Fahrtzeiten, sondern als Leerfahrten zwischen den Stationen noch öfter. Bis zu sechs Mal in der Stunde fahren die Busse an einigen Häusern vorbei. Die Eigentümer empfinden das als „große Belastung“ und beschwerten sich deutlich darüber, dass dies eine „unhaltbare Planung“ sei.

Der Stadtverkehr Ahrensburg-Nord mit Haltestellen. Grafik: Stadt Ahrensburg

Der Stadtverkehr Ahrensburg-Nord mit Haltestellen.
Grafik: Stadt Ahrensburg

Verkehrsgedränge in der Fahrradstraße

Zudem sei die Linienführung in Richtung Innenstadt in der vorigen Variante der 576 besser gewesen. Nicht nur, dass der Weg von der Siedlung Steinkamp direkter in die Innenstadt geführt habe, auch muss jetzt der Bus durch die Fahrradstraße Wulfsdorfer Weg fahren. Dort entsteht zwischen dem Autoverkehr, den vielen Fahrradfahrern und den Fußgängern Konflikte. Denn durch die parkenden Autos werden die Busse gezwungen, sich in der Fahrbahnmitte zwischendurch zu drängeln, Fahrradfahrer werden dadurch zu ihrer eigenen Sicherheit auf den Fußweg gedrängt.

Zu laute Midibusse

Im gleichen Atemzug wurden die neuen Midibusse als „zu laut“ verdammt. Diese Busse sind kleiner als normale Linienbusse und können so bedarfsgerecht analog der Gelenkbusse auf einzelnen Linien eingesetzt werden. Sie fahren erstmals seit der Fahrplanumstellung im Dezember 2014 in der Schlossstadt. „Sie sind sehr laut, das ist untragbar“, äußerte sich eine Anwohnerin.

Die Ausschussmitglieder gestern Abend in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses.

Die Ausschussmitglieder gestern Abend in der Sitzung des Bau- und Umweltausschusses.

Erläuterungen der Ausschussmitglieder und der Verwaltung

Eine Wucht von Beschwerden prasselte auf diese Weise auf die Stadtverordneten und die Verwaltung nieder. Nicht unvorbereitet – viele Anwohner hatten sich auch schon schriftlich oder mündlich die Probleme geschildert. Nicht zuletzt dadurch sind die Anträge der SPD zustande gekommen.

Auf der Sitzung versuchte nun Ulrich Kewersun vom Bauamt den Anwohnern die Hintergründe der neuen Planung zu erläutern. Die Buslinie 576 habe eine neue Fahrstrecke erhalten, um den Ortsteil Allmende besser anzubinden. Das sei zwingend erforderlich gewesen – und hatte eben die neue Linienführung zur Siedlung Steinkamp und in den Wulfsdorfer Weg zur Folge. Allmende als Stadtteil nicht ausreichend anzubinden, könne nicht Ziel eines öffentlichen Personen-Nahverkehrs sein.

Bedauert wurde auch von den Ausschussmitgliedern, dass die Taktung am Rosenhof sich nicht in erwünschter Weise eingestellt habe. Da werde nachgearbeitet, soweit das möglich ist, wurde versprochen. Auch bezüglich der „lauten“ Midibusse habe die Verwaltung inzwischen mit dem Betreiber VHH gesprochen. So würden im März neue Midibusse ausgeliefert, die leiser sein sollen. Allerdings verwies Kewersun auch auf die strengen Normen, die für Busse – und also auch für Midibusse – gelten. Alle Busse im öffentlichen Nahverkehr würden diesen Normen gerecht werden.

Knoten Siedlung Steinkamp

Bezüglich der Vielfahrten in der Siedlung Steinkamp schilderte Ulrich Kewersun, dass es bereits Überlegungen zur Abhilfe gäbe. Das würde eine Änderung der Linienführung hinter der Haltestelle Lilienweg bedeuten. Eine Änderung dort ist also in Sicht.

Gleichzeitig beschlossen beide Ausschüsse einstimmig die Anträge der SPD. „Wir haben uns viele Gedanken zu diesem neuen Busfahrplan gemacht und viel Geld in die Hand genommen“, äußerte sich Jörg Hansen gegenüber den Anwohnern. „Ein Busliniensystem ist eine sehr komplexe Angelegenheit, deswegen haben wir es mit Spezialisten und Gutachtern überplant. Doch natürlich kann man es nicht allen Recht machen. Wir nehmen Ihre Anregungen auf“, betonte er in Richtung Publikum.

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