Aufarbeitung der Heimgeschichte: Aufruf an Betroffene

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Kiel (ve/pm). Das Land möchte dazu beitragen, dass die Situation in Heimen der Behindertenhilfe (Kinder und Jugendliche) und stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendpsychiatrie für den Zeitraum von 1949 bis 1975 aufgearbeitet wird. „„Wir sind sehr froh, dass wir dafür Petra Thobaben gewinnen konnten und bitten Ehemalige und Beteiligte um Unterstützung bei der Aufarbeitung““, so Sozialministerin Kristin Alheit. Thobaben hatte mit dem Beginn ihres Ruhestandes als Landespastorin für Diakonie in Schleswig-Holstein im November 2014 die Aufarbeitung übernommen.

Petra Thobaben betont: „“Gerne habe ich die Aufgabe übernommen, um bei der Aufarbeitung mitzuhelfen. Ich habe mich eingelesen in die Situation der damaligen Behindertenhilfe und Psychiatrie, habe Kontakt zu Institutionen geknüpft und Gespräche geführt und bin überzeugt, dass eine sinnvolle Aufarbeitung nur möglich sein kann, wenn gemeinsam zwischen den Betroffen, den Einrichtungsträgern und mir ein entsprechender Strategieprozess angeschoben und Lösungen erarbeitet werden. Da die Datenlage schwierig ist, wäre ich sehr erfreut, wenn sich Betroffene aus der Zeit von 1949 bis 1975 bei mir melden würden. Ich wäre auch erfreut, wenn Träger von Einrichtungen, die in dem genannten Zeitraum in diesen Aufgaben tätig waren und – vielleicht in geänderter Trägerschaft – noch sind, den Kontakt mit mir aufnähmen“.

Um Kontaktaufnahme unter petra.thobaben@thobaben.org wird gebeten.

In der Aufarbeitung soll es darum gehen
– mögliche Orte des Geschehens zu benennen,
– Personengruppen zu benennen, die von möglichen Übergriffen, Missbrauch, Missachtung und Gewalt als Kinder und Jugendliche in den entsprechenden Einrichtungen betroffen waren,
– Strategien zu entwickeln, wie Betroffenen Gehör verschafft werden kann,
– Strategien gemeinsam mit den Beteiligten zu entwickeln, wie aus dem Unrecht der Vergangenheit Lehren gezogen werden und man permanent aus kritischen Ereignissen lernen kann.

Hintergrund: Mitte der 1970er Jahre fand in Deutschland ein großer Umbruch in der Behandlung von psychisch Kranken statt, um die Therapien auf eine humanitärere Basis zu stellen. Auslöser war die sogenannte Psychiatrie-Enquete, ein umfangreicher Bericht einer Sachverständigenkommission im Auftrag des Bundestages, die erhebliche Mängel offen gelegt hatte.

Quelle:Ministerium für Soziales, Gesundheit, Wissenschaft und Gleichstellung

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