Sendeschluss für Propaganda: Vortrag erinnert an die ‚Stunde Null‘ von Musik und Literatur

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Ahrensburg (ve/pm). Kurz vor Mitternacht am 8. Mai 1945, vor 70 Jahren, sendete der Reichssender Flensburg zum letzten Mal. Es folgten ein akustisches Niemannsland von kaum drei Minuten, dann der Besatzungssender BBC. Vielleicht der größte Erdrutsch in der deutschen Geschichte; er nahm nur fünf Rundfunkminuten in Anspruch – die „Stunde Null“ äußerlich! Jetzt lädt das Kulturzentrum Marstall zu einem Vortrag über diesen Neubeginn.

Jochem Wolff. Foto:JochemWolff

Jochem Wolff.
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Referent Jochem Wolff stellt seinen Vortrag unter den Titel „Von der höheren Durchhaltemusik zum musikalischen und literarischen Nachholbedarf oder Die Stunde Null und ihre Folgen“. Er hält ihn am Sonntag, 19. April 2015, um 18 Uhr in der Remise im Marstall.

Bis zum Schluß hatte es kulturell öffentlich so etwas wie eine „Höhere Durchhaltemusik“ gegeben; gleichzeitig waren diejenigen, die der „Entarteten Kunst“ zugerechnet wurden, ausgegrenzt gewesen. Die „Stunde Null“, die keine war, zeigte sich als Startpunkt. Tatsächlich sollte es ein komplizierter Prozeß der Erneuerung werden in durchweg sämtlichen gesellschaftlichen Bereichen. Auch und gerade in den Sphären der Kunst-, Literatur- und Musikkultur.

Der Blick auf den Neuanfang

In der Literatur machte zum Beispiel die „Gruppe 47“ von sich reden, in dem sie ambitioniert jüngste Geschichte und Gegenwart aufarbeitete. In der Musik trat an die Stelle der Reichsmusikkammer – nach den Besatzungszonen – ein förderalistisches Prinzip. Bei Künstlern und Publikum herrschte ein immenser Nachholbedarf angesichts verpasster Entwicklungen und verbotener Werke.

Nach einem Moment des Verharrens entstand eine Aufbruchsstimmung, die eine Flut von Uraufführungen, Rundfunk- und Theaterproduktionen, Festivalgründungen und Bucheditionen nach sich zog. Ein bundesdeutscher Weg in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts – ein Weg, den wir mittlerweile in behutsamer Einschätzung beleuchten können.

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